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Job verloren, Perspektive verloren

Pfand fürs Leben: Milko Girndt aus Wasserburg sammelt Flaschen, weil die Sozialhilfe nicht ausreicht

Milko Grindt aus Wasserburg sammelt Flaschen, um seine Rente aufzubessern.
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Milko Grindt aus Wasserburg sammelt Flaschen, um seine Rente aufzubessern.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Sein Tag beginnt früh, oft schon um fünf Uhr, denn er muss vor der Müllabfuhr zur Stelle sein: Mit dem Sammeln von Flaschen stockt Milko Girndt seinen kargen Sozialhilfesatz auf. Er schämt sich dafür nicht, dass er Flaschen, die andere weggeworfen haben, aus dem Müll angelt.

Wasserburg – Milko Girndt nimmt es einfach hin, dass er ein Abfalleimer greifen muss, um an die Pfandflaschen zu gelangen. Er sieht es pragmatisch. Sein Arbeitsgerät ist das Fahrrad, mit dem er durch die Stadt saust – und oft auch weit über die Grenzen von Wasserburg hinaus.

Zwischen zwei und zwölf Euro nimmt er täglich ein

Der 58-Jährige geht dieser Betätigung schon seit fünf Jahren nach. „Für mich ist das nicht so anstrengend, ich bin es gewöhnt“, sagt er und lächelt, obwohl es ein unangenehmes Thema ist. Früher war der gebürtige Franke nach eigenen Angaben als Systeminstallateur bei einer großen Elektronikfirma beschäftigt. Durch eine Standortschließung sei er arbeitslos geworden. Mit seinem neuen Leben als Flaschensammler hat er sich arrangiert: „Auf diese Weise komm‘ ich rum, ich kann nicht zu Hause sitzen.“ Girndt wohnt in der Ledererzeile, doch bald muss er seine Wohnung verlassen. Der Vermieter habe Eigenbedarf geltend gemacht.

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Zwischen zwei und zwölf Euro nimmt er täglich an Pfand ein, sagt seine Lebensgefährtin Bianca Stricks, 47. Wobei eine Bierflasche gerade mal acht Cent bringt, Dosen und Plastikflaschen sind wesentlich begehrter, für die gibt es 25 Cent.

„Das mach‘ ich auch, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren“, sagt Girndt im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung.

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„Die Sozialhilfe reicht nicht.“ Die Flaschen, sagt er, findet er „überall“. In seltenen Fällen wird ihm Leergut auch mal geschenkt. Girndt beobachtet, dass sich die Konkurrenz unter den Flaschensammlern in letzter Zeit verschärft hat: „Es sind ja viele Leute, die das machen.“

Beim Kontakt zu Behörden gibt es ein „Schwellenproblem“

Gerlinde Scheizeneder vom Wasserburger Amt für Soziales kennt Milko Girndt nicht, macht aber im Gespräch mit unserer Zeitung darauf aufmerksam, dass es Möglichkeiten gibt, um in Armut lebenden Menschen zu helfen, etwa durch Angebote von Sozialhilfeträgern. Insgesamt sei die Not größer geworden, „auch vielleicht durch Corona“, gibt sie zu bedenken.

Hilfe auch im Bürgerbahnhof

Doch die Frage sei, ob die Leute die Unterstützung auch annehmen wollen. Sie räumt in dem Zusammenhang ein, dass es bei bedürftigen Menschen im Kontakt mit Behörden ein gewisses „Schwellenproblem“ gebe. Girndt dürfe auf jeden Fall gerne bei ihr im Amt vorbeikommen, um seinen Fall zu besprechen.

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Auch der Bürgerbahnhof könne darüber informieren, welche verschiedenen Hilfs- und Beratungsangebote es gibt.

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