Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Pfiat di Altlandkreis: 50 Jahre Gebietsreform

„Pfaffing 2“ statt Albaching: Dagegen liefen die beiden Gemeinden Sturm

Mit dem Silvesterfeuerwerk startet 1994 die Selbstständigkeit von Albaching.
+
Mit dem Silvesterfeuerwerk startet 1994 die Selbstständigkeit von Albaching.
  • VonKarlheinz Günster
    schließen

Die Postdirektion wollte Albaching in „Pfaffing 2“ umbenennen. Das war dann doch zu viel für die Albachinger und Pfaffinger Bürger. So wehrten sie sich. Eine weitere Folge unserer Serie „Pfiat di Altlandkreis: 50 Jahre Gebietsreform“.

Albaching/Pfaffing – Das war dann doch zuviel: „Pfaffing 2“ statt „Albaching“ in der Post-Anschrift. Diesen Einfall der Münchner Oberpostdirektion wollten sich die Bürger nicht bieten lassen, daraus entwickelte sich zunehmend Widerstand, der nach der Zusammenlegung von Pfaffing und Albaching wieder zur Selbstständigkeit und zur Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft führte, die bis heute Bestand hat.

Grundlage für all das war die Landkreisreform im Jahr 1972. Die Albachinger Chronik ist dafür heute eine gute Informationsquelle. Die Staatsregierung sah, dass nur Gemeinden ab einer Größe von etwa 5000 Einwohnern ihre Aufgaben so weit erfüllen konnten, um eine Abwanderung in die Städte zu vermeiden.

Pfaffing kam zu der Zeit auf 2200, Albaching auf gut 1000. Dass zuvor bereits Utzenbichl und Teile der damaligen Gemeinde Rosenberg zu Albaching kamen, genügte nicht. So hatte Albaching mit den typischen Problemen kleiner Gemeinden zu kämpfen. Ein Kindergarten und ein Feuerwehrhaus fehlten, und die Straßeninstandsetzung hinkte hinterher. Doch mehr Einwohner und damit höhere Einnahmen waren aufgrund eines erlassenen Baustopps nicht in Sicht, weil es keine ausreichende Abwasserentsorgung gab. Darüber hinaus hatte die Trinkwasserquelle einen hohen Nitratwert. Bürgermeister Nikolaus Barth sah sich damit konfrontiert.

Während die Landkreisreform um 1972 die Zahl kleinerer Gemeinden bereits drastisch reduzierte, baute die Gebietsreform von 1978 darauf auf. In Pfaffing lief all das entspannter ab. Rettenbach tat sich schon wesentlich früher freiwillig mit Farrach zusammen, beide schlossen sich 1969 Pfaffing an.

Eingliederung gegen Zuwendungen

Einen Zusammenschluss mit Albaching konnte sich Pfaffing vorstellen, die Alternative wäre eine Verwaltungsgemeinschaft mit Albaching und Edling gewesen, was kurz von Regierungsseite ins Gespräch gebracht worden war. Doch Edling war 1975 bereits Wasserburg versprochen. Mit neun gegen zwei Stimmen sprach sich letztlich der Albachinger Rat für eine Eingliederung aus, die von der Regierung mit finanziellen Zuwendungen erleichtert wurde.

1978 gab es daher einen gemeinsamen Gemeinderat der „Großgemeinde Pfaffing“, wie es in der Chronik weiter heißt. Darin ist aber auch festgehalten, dass sich Bürgermeister Max Asböck „sehr um das Vertrauen der Albachinger Bürger“ bemüht habe. Bald sind nicht nur Straßen gebaut worden, sondern auch die Alpichahalle, das Feuerwehrhaus und der Kindergarten.

Pfaffings Bürgermeister Max Asböck im Jahr 1994. Er hatte sich um die Albachinger bemüht.

Das lief weitgehend zufriedenstellend, bis es der Münchner Oberpostdirektion einfiel, dass ab dem Jahr 1985 Briefe nach Albaching nicht mehr den Ortsnamen tragen dürfen, sondern „8098 Pfaffing an der Attel 2“. Damals war Max Asböck Bürgermeister, der gegen die Namensänderung laut Post keine Einwände vorgebracht hatte. Doch leider sind die Hauptbetroffenen, die Albachinger, gar nicht erst dazu gefragt worden. Die Chronik weiß nun, dass die Albachinger „aus ihrer Lethargie erwachten“. Die Post nahm ihre Entscheidung trotz Protest nicht zurück, so zeichnete sich für viele ab, dass der Name Albaching allmählich in der Bedeutungslosigkeit versinken wird.

Wegen falscher Anschrift Post zurück

Das zu verhindern nahm sich ein 1986 gegründeter Bürgerverein unter dem Vorsitz von Fritz Schillhuber zum Ziel. In der Folge entstand eine Unterschriftenliste mit regem Briefwechsel zwischen diesem Verein, Abgeordneten, der Post bis hin zum damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, aber mit keinem guten Ergebnis. In der Wasserburger Zeitung vom 15.2.1986 heißt es: „Denn der Normalbürger glaubt, dass sich die Bundespost eher der Wahrung von über tausendjährigen Ortsnamen verpflichtet fühlen sollte, als den Gebilden und Launen der Gebietsreform, die erst seit einigen Jahren existieren.“ Der Verein rief dazu auf, Briefe mit dieser neuen Adresse kurzerhand mit dem Vermerk „falsche Anschrift“ zurückzusenden.

An die Zeit erinnert sich Anton Wegmaier gut, er stand damals im Pfaffinger Postamt am Schalter und war auch Betriebsleiter. Den Unmut habe er gespürt, vor allem der Albachinger Pfarrer Gerhard Gabor habe ihn stellvertretend für die Post angegangen. In der Bevölkerung war das Ansinnen auch ein Thema: „Die Albachinger haben keinen eigenen Spaten, wollen aber selbstständig werden“, hieß es schon mal. Ironischerweise stimmte das dem Sinn nach auch heute noch, denn einen Bauhof gibt es in Albaching nach wie vor nicht. Als Ausweg sah die Post einen Großversuch, in dem Gemeinden ihre alte Anschrift zurückerhielten. Das geschah in Albaching am 1. August 1987 mit der Postleitzahl 83544 und war der erste Erfolg des Bürgervereins, der die Selbstständigkeit als nächsten Schritt ansah. Pfaffing hatte keine Einwände und stellte 1988 selbst bei der Regierung einen Antrag, den Nachbarn zu entlassen, doch die Behörden lehnten ab.

Die Albachinger Chronik hält fest: „Pfaffing 2“ statt Albaching mit diesem Stempel rüttelte die Oberpostdirektion München die Albachinger wach.

Zu der Zeit leisteten mehrere bayerische Gemeinden Widerstand, sodass die Regierung 1993 mit einem entsprechenden Gesetz Härtefälle anerkannte. Der Bürgerverein ließ auch nicht locker und stellte für 1994 mit Herbert Binsteiner einen Bürgermeisterkandidaten zur Wahl, der zuvor sogar einen fiktiven Haushaltsplan aufgestellt hatte.

Herbert Binsteiner kandidierte 1994 als Bürgermeister für Albaching und stellte einen fiktiven Haushaltsplan auf.

Viele Albachinger hatte überzeugt, dass eine Selbstständigkeit nicht nur machbar war, sondern auch Vorteile hatte. Das lief recht spannend ab, denn sprach sich der Gemeinderat 1988 noch einstimmig für die Trennung aus, lag das Ergebnis vier Jahre darauf gerade mal bei neun zu acht Stimmen. Aber es reichte für einen Bürgerentscheid, bei dem zwei Drittel der Wahlberechtigten zustimmen mussten; 78 Prozent waren es am 18. April 1993 dann doch recht deutlich.

Albaching seit 1994 wieder selbstständig

Somit war Albaching am 1. Januar 1994 wieder selbstständig. Die Verhandlungen über das gemeinsame Vermögen dauerten bis September 1995. Die beiden Bürgermeister, der 2012 verstorbene Max Asböck, und sein Albachinger Kollege August Seidinger, unterzeichneten damit den Beginn einer Verwaltungsgemeinschaft (VG), die bis heute Bestand hat.

August Seidinger war der erste Bürgermeister im selbstständigen Albaching.

Diese Vereinbarung betrifft das Rathaus, die Trinkwasserversorgung und die Schule. Der Bürgerverein engagierte sich weiter für die anstehende Dorferneuerung und wies auf die Dringlichkeit der Ortsumfahrung hin. Das Vereinsziel war aber 1994 mit der Selbstständigkeit erreicht. 2006 ist er aufgelöst worden.

Wie ist es heute? Die Sitzungen der Gemeinschaftsversammlung sind zumindest im öffentlichen Teil von Harmonie und überwiegender Einstimmigkeit geprägt, ans Auflösen mag niemand denken, versichern beide Bürgermeister Rudolf Schreyer (Albaching) und Josef Niedermeier (Pfaffing), wenn auch einzelne Räte dem Nachbarn Albaching beim letzten Schritt in die Selbstständigkeit, also ohne VG, behilflich sein möchten. Danach sieht es aber derzeit nicht aus, die Zusammenarbeit der beiden Gemeinden verstärkt sich mit dem aktuellen Bau eines neuen Hochbehälters und eines Drucksteigerungspumpwerks.

Kommentare