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WEGEN MEGGLE

Petition: IG Wasser in Edling erhöht den Druck

Im Austausch: die Vorstände der Interessensgemeinschaft, Nicole Bauer-Schäfer (Zweite von links) und Jürgen Reischenbeck (rechts), mit dem Technik-Leiter von Meggle, Holger Kühner (links), und Werkleiterin Gudrun Steppich (Zweite von rechts).  re
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Im Austausch: die Vorstände der Interessensgemeinschaft, Nicole Bauer-Schäfer (Zweite von links) und Jürgen Reischenbeck (rechts), mit dem Technik-Leiter von Meggle, Holger Kühner (links), und Werkleiterin Gudrun Steppich (Zweite von rechts).
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Edling/Wasserburg – Mit einer Online-Petition erhöht die Interessengemeinschaft (IG) Edlinger Wasser jetzt den Druck auf die Genehmigungsbehörden, die über den Antrag der Wasserburger Molkerei Meggle auf Grundwasserentnahme entscheiden werden.

Wie berichtet, will Meggle drei Millionen Kubikmeter pro Jahr für eine Laufzeit von 20 Jahren aus dem Edlinger Becken entnehmen. Über 200 haben die Petition der IG Wasser bereits unterstützt.

„Wir möchten, dass Meggle beliefert wird und wachsen kann“, betont Vorstandsmitglied Nicole Bauer-Schäfer im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Doch eine Entnahmezeit von 20 Jahren und die gewünschte Menge von drei Millionen Kubikmetern pro Jahr sind der IG angesichts der klimatischen Veränderungen und des nachweislich fallenden Grundwasserspiegels zu viel.

Mit ihrer Petition wolle die Interessengemeinschaft erreichen, dass die Genehmigung flexibler gestaltet wird, so der Vorstand. „Fünf Jahre Laufzeit wären super“, betont Bauer-Schäfer. In der Begründung der Petition schreibt die IG: „Die genehmigte Entnahmemenge sollte sich bis 2024 auf die jetzt von der Firma Meggle benötigten 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser belaufen.“

Über den Antrag der Firma Meggle entscheidet, wie mehrfach berichtet, das Landratsamt Rosenheim. Die rechtliche Erlaubnis für die Grundwasserentnahme aus dem Edlinger Becken läuft Ende dieses Jahres aus. Die Zeit drängt also, will die Interessengemeinschaft noch eine Verkürzung der Laufzeit und eine Verringerung der Wasserentnahmemenge erreichen. Die Petition geht deshalb an den bayerischen Landtag, dessen Abgeordnete aufgefordert werden, das Genehmigungsverfahren einer weiteren Prüfung zu unterziehen, bevor das Landratsamt endgültig entschieden hat. Der Edlinger Gemeinderat hat in einer Stellungnahme bereits seine Bedenken zum Meggle-Antrag formuliert. Das Landratsamt teilt auf Anfrage mit, aufgrund der Tatsache, dass die bisherige Erlaubnis zur Wasserentnahme am 31. Dezember ablaufe, habe die Firma Meggle mit Bescheid vom 29. November 2019 eine beschränkte wasserrechtliche Erlaubnis im bisherigen Umfang erhalten. Die beschränkte Erlaubnis sei bis zum 31. Dezember 2020 befristet. In dieser Zeit würden zur abschließenden Beurteilung der Anträge der Firma Meggle auf längerfristige Erlaubnis für die betriebliche Wasserversorgung und auf kurzfristige Erlaubnis für die öffentliche Wasserversorgung noch ergänzende Unterlagen vorgelegt.

In ihrer Petition weist die Interessengemeinschaft ausdrücklich darauf hin, dass sie trotz unterschiedlicher Positionen zwischen IG und Meggle nicht auf Konfrontationskurs zum Unternehmen ist. „Wir sind im ständigen Dialog“, betont Bauer-Schäfer. Erst vor kurzem hatte ein Treffen mit Vertretern der Molkerei stattgefunden. Die IG wurde dabei von Jürgen Reischenbeck und Bauer-Schäfer, den beiden Vorständen des Vereins, vertreten. Aufseiten der Molkerei Meggle nahmen Gudrun Steppich, Werkleiterin seit Juli 2019, Holger Kühner, der als Leiter Technik auch an den vergangenen Treffen mitwirkte, sowie Maximilian Böning, Referent für Unternehmenskommunikation, am Austausch teil. Beide Seiten veröffentlichten danach eine gemeinsame Erklärung.

„Wir werden Ende dieses Jahres den Wasserverbrauch bei Meggle in Bezug auf 2016 um 20 Prozent reduziert haben“, berichtet darin Kühner. Dieser Wert war beim letzten Treffen in Aussicht gestellt worden und könne auch gehalten werden. In den vergangenen Monaten seien bei der Molkerei umfassende Analysen durchgeführt und Einsparpotenziale gefunden, teilte der Meggle-Vertreter weiter mit. Darum habe sich unter anderem eine neue Mitarbeiterin gekümmert, die eigens für diese Tätigkeiten eingestellt worden sei. Wasser werde nun in einigen Produktionsbereichen nicht nur einmal zur Kühlung genutzt.

Forderung:Spar-Prozessmuss weitergehen

Die Interessensgemeinschaft würdigte in der Mitteilung die bereits geleisteten Einsparungen als beachtlich. Dennoch müsse der Spar-Prozess kontinuierlich weitergehen. Meggle habe sich der langfristigen und nachhaltigen Nutzung von Wasser verpflichtet. „Das Projekt ist nicht abgeschlossen“, fügten die Molkerei-Vertreter an.

Reischenbeck und Bauer-Schäfer machten auf die gefallenen Grundwasserspiegel rund um Edling aufmerksam. Dies sei unter anderem an der Adler-Kiesgrube mehr als deutlich geworden. Sie warnten vor der klimatischen Entwicklung und den möglichen Konsequenzen: „Die Sommer werden in Zukunft noch heißer, ein weiterer Rückgang des Wasserspiegels ist absehbar.“

Außerdem hinterfragte die IG, warum die Molkerei trotz der bereits eingesparten Wassermengen nach wie vor eine Gesamtfördermenge von drei Millionen Kubikmeter Wasser beantragt hat. Werkleiterin Steppich begründete dies mit den Wachstumsplänen von Meggle: „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wollen und müssen wir den Standort Wasserburg erweitern. Dafür brauchen wir aber eine langfristige Planungssicherheit. Das geht trotz Einsparungen nur mit dieser, bisher genehmigten Menge.“

„Dass Meggle langfristig planen möchte, ist verständlich“, erklärten die Vorstände der IG Wasser in der gemeinsam mit der Molkerei herausgegebenen Pressemitteilung. Die Wasserversorgung solle aber nicht allein vom Meggle-Brunnen auf Edlinger Gemeindegebiet bewältigt werden. „Wir sehen die Stadt Wasserburg viel stärker in der Pflicht. Die Stadt ist gesetzlich gemäß Artikel 57 Absatz zwei der Gemeindeordnung dazu verpflichtet, das Wasserburger Unternehmen Meggle auch mit Trinkwasser zu versorgen.“

Die Stadt Wasserburg kann jedoch nicht so, wie sie will, entgegnen Bürgermeister Michael Kölbl und Stadtwerkechef Marius Regler im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Traditionell bedient die Firma Meggle über einen eigenen Brunnen, der nicht an der öffentlichen Versorgung hängt, nicht nur den eigenen Betrieb, sondern auch Siedlungen in Reitmehring-Süd und Viehhausen. „Wir sind gerne bereit, die Siedlungen und soweit wie es uns möglich ist auch die Firma Meggle zu versorgen – und wir sehen uns auch in der Verantwortung“, weist der Bürgermeister den Vorwurf aus Edling, Wasserburg ducke sich weg, zurück. Ganz könne Wasserburg Meggle jedoch nicht versorgen, denn das Unternehmen benötige etwa doppelt so viel Wasser wie die Stadt mit all ihren Gewerbebetrieben zusammen. Die theoretisch maximal lieferbare Wassermenge an die Firma Meggle liege bei maximal einem Viertel des aktuellen Wasserbedarfs der Molkerei und sei nur dann möglich, wenn Leitungssysteme speziell für diese Lieferungen errichtet würden, so Regler.

Für die Versorgung von Reitmehring-Süd müsse die Molkerei zuerst einmal Lage und Zustand des Meggle-eigenen Wassernetzes klären. Wo liegen welche Leitungen, Schächte und Hauptstiche, in welchem Zustand befinden sie sich? Diese Fragen müsse Meggle zuerst beantworten. Dann könne die Stadt in die Planung für einen Anschluss an das städtische Wassernetz für eine Versorgung der Siedlung und eine eventuelle Teilversorgung von Meggle eintreten. Entsprechende Planungsmittel seien im Wirtschaftsplan der Stadtwerke bereits eingestellt worden. Der Anschluss an das städtische Netz erfordere eine Millioneninvestition. Bevor diese bereitgestellt würde, benötige die Stadt außerdem Planungssicherheit in Bezug auf die Aufhebung des Bahnübergangs Reitmehring an der B 304, denn dieses Areal müssten die Leitungen unterqueren.

Die Petition der IG fordert ebenfalls nur eine Teilversorgung der Firma Meggle durch die Stadtwerke Wasserburg. Ab 2024 solle diese die Molkerei mit 1,2 Millionen Kubikmeter bedienen. Der restliche Bedarf könne dann über das Edlinger Becken gedeckt werden.

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