Aus Angst vor Coronavirus wollen Tierschützer von PETA den Wasserburger Taubenmarkt abschaffen

Handel und Wandel auf dem Taubenmarkt: So sah es noch 2014 aus. In den vergangenen Jahren fand der Markt nicht mehr draußen, sondern nur mehr verkleinert im Parkhaus Überfuhrstraße statt. Hampel
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Handel und Wandel auf dem Taubenmarkt: So sah es noch 2014 aus. In den vergangenen Jahren fand der Markt nicht mehr draußen, sondern nur mehr verkleinert im Parkhaus Überfuhrstraße statt. Hampel
  • Heike Duczek
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  • Winfried Weithofer
    Winfried Weithofer
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Er war einst der größte Taubenmarkt der Welt: Seit einigen Jahren haben Auflagen der Veranstaltung diese Stellung geraubt. Jetzt fordert die Tierrechtsorganisation PETA das endgültige Aus – wegen der angeblichen Gefahr einer Verbreitung von Corona-Viren. Das sagen Bürgermeister und Züchter.

Wasserburg – Tiermärkte bieten nach Überzeugung von PETA optimale Bedingungen für die Verbreitung von Keimen. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit von Mutationen – antibiotikaresistente Keime und Zoonosen fänden beste Bedingungen, um sich zu vermehren. „Kranke und stressbedingt geschwächte Tiere auf diesen Märkten können als Überträger von Viren zu einem großen Risiko mit nicht absehbaren Konsequenzen werden“, schreibt PETA. Die Tierrechtsorganisation, bekannt für kontroverse Kampagnen ihrer Aktivisten, fordert Bürgermeister Köbl auf, den Taubenmarkt und die Kleintierausstellung in Wasserburg dauerhaft zu schließen.

Hohe Auflagen und Hygienestandards

„Auf die Forderung von PETA werde ich nicht reagieren“, sagt Kölbl auf Anfrage. „Wir werden so lange wie möglich versuchen, diese Traditionsveranstaltung aufrecht zu erhalten“, stellt sich der Bürgermeister hinter den nach wie vor sehr bekannten Taubenmarkt. Die Vorschriften und gesetzlichen Rahmenbedingungen seien in den vergangenen Jahren derart verschärft worden, die Hygiene- und Sicherheitsstandards so gestiegen, dass der Taubenmarkt mit Ausstellung ohnehin nur noch in einem verkleinerten Rahmen stattfinden könne. Das Rosenheimer Veterinäramt wache außerdem „extrem genau“ darüber, dass alle Vorschriften eingehalten würden. „Vor diesem Hintergrund sehe ich keinen Hinderungsgrund für den Taubenmarkt mit Ausstellung“, so Kölbl.

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„Ich kann die Forderung gar nicht nachvollziehen“, sagte auch der im März neu gewählte Vorsitzende des Kleintierzüchtervereins Wasserburg, Josef Mayer. Am Wasserburger Taubenmarkt, der alljährlich im Februar zusammen mit der Vereinsausstellung stattfindet, will er auf jeden Fall festhalten. Mayer weist darauf hin, dass der seit 1878 bestehende Markt im Lauf der Jahre immer kleiner geworden sei. In seinen besten Zeiten lockte er bis zu 3000 Züchter und 20 000 Besucher aus Europa an.

Josef Mayer, Vorsitzender des Kleintierzüchtervereins Wasserburg, hält am Taubenmarkt mit Ausstellung fest. Weithofer

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Die Zahl der angebotenen Tauben wurde im Februar von den Veranstaltern auf gerade noch 600 bis 700 geschätzt und die Zahl der Verkäufer auf etwa 40. „Das ist ja gar nichts“, sagte Mayer. Bei der Vereinsausstellung waren 330 Tauben und anderes Geflügel zu sehen, dazu 130 Kaninchen. Bei anderen Ausstellungen würden 30 000 bis 40 000 Tiere gezeigt.

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Den Vorwurf von PETA, ein Markt mit Ausstellung führe generell zur Tierquälerei, lässt der Vorsitzende Mayer nicht gelten. Der Verein sorge schon im Vorfeld einer Ausstellung dafür, dass sich die Vögel an den kurzzeitigen Aufenthalt im Käfig gewöhnen könnten. Zudem werde der Wasserburger Taubenmarkt von staatlichen Veterinären scharf kontrolliert. „In diesem Jahr sind sieben gekommen“, erinnert sich Mayer.

Doch PETA bleibt dabei: „Zwar gilt im Falle von Corona ein Lebendtiermarkt in Wuhan als Ausgangspunkt der Pandemie, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind diese Märkte ein Gesundheitsrisiko. Deshalb müssen sie verboten werden – auch in Wasserburg“, so Agrarwissenschaftlerin Lisa Kainz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie.

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