Aus dem Gemeinderat Gars

Pestizidfreie Gemeinde? Sorge um den Frieden in der Marktgemeinde Gars

Gars – Dem Gemeinderat Gars lag ein Antrag der Gemeinderatsgruppe „Die Grünen“ vor: Die Marktgemeinde solle sich der Initiative „Pestizidfreie Kommune“ anschließen und sich selbst Ziele setzen, die zu einem vollständigen Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden auf kommunalen Flächen führen.

Die Grüne Gemeinderatsgruppe hatte den Antrag eingereicht. Es geht darum, dass sich die Gemeinde Gars beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) um die Aufnahme in die Reihe der „Pestizidfreien Kommunen“ bewirbt. Dafür sollte eine Art Selbstverpflichtung der Kommune zur Einhaltung naturschützender Maßnahmen beschlossen werden. Das bedeute unter anderem, dass die Gemeinde auf den Einsatz von Pestiziden auf öffentlichen Wegen, Plätzen, Grünflächen und Friedhöfen verzichte, für die Anlage von insektenfreundlichen Blühflächen und Rückzugsorten für Insekten und Kleintiere sorge und die Bürger motiviere, in ihren Privatgärten insektenfreundlich und ohne den Einsatz von Pestiziden zu gärtnern.

Die Grünen legen Wert auf die Feststellung, dass die Landwirtschaft bei den vorgeschlagenen Maßnahmen ausdrücklich nicht mit einbezogen sei. „Ganz bewusst haben wir – auch in Absprache mit den Umweltreferenten der Gemeinde – die landwirtschaftlichen Flächen ausgeklammert, um in diesem Bereich nicht noch weitere Reglementierungen aufzustellen“, erläutert Gemeinderat Joachim Kraus.

Wortmeldungen der Gemeinderäte zeigten große Bereitschaft, die Vorteile eines solchen Schritts zu sehen und auch die Bürger mit ins Boot zu holen. Hingewiesen wurde auch auf die Komplexität des Themas, das die Umweltreferenten, den Landschaftspflegeverband, in dem die Gemeinde Mitglied ist, und die Zielsetzung des Bundes Naturschutz betrifft.

Anton Lentner (FWG Lengmoos) ergriff schließlich als Landwirt das Wort und stellte mit Nachdruck fest: „Ich bin absolut dagegen, warum müssen wir hier vorpreschen?“ Er führte die vielen Bestimmungen ins Feld, welche die Landwirtschaft sowieso schon einschränken würden und warnte vor einer zu befürchtenden Spaltung in der Gemeinde. Als Vorsitzender des Wasserzweckverbandes Schlicht-Gruppe wies er darauf hin, dass der Trinkwasserschutz allerhöchste Priorität in Gars besitze. Bei der Schutzgebietsbewirtschaftung werde auf sämtliche gesetzliche Vorgaben geachtet. Jährliche werde untersucht, wie sich der Nitratgehalt im Boden entwickle, um gegebenenfalls zusammen mit den betroffenen Landwirten Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers ergreifen zu können.

„Die Gemeinde macht eh schon so viel“, pflichtete ihm Albert Fischer (FWG Lengmoos) bei. In weiteren engagierten Beiträgen von Bürgermeister Robert Otter (parteiunabhängig), Leonhard Holzhammer (FWG Mittergars), Ruppert Mangstl (FWG Gars), Markus Lutz (Die Grünen), Hildegard Brader (FWG Gars), Franz Binsteiner (FWG Au am Inn), Christian Nieder (Die Grünen), Michael Inninger und Georg Maier (beide FWG Gars) suchte der Gemeinderat nach Möglichkeiten, dem von keiner Seite widersprochenen Anliegen gerecht zu werden – ohne negative Folgen für den Frieden in der Gemeinde befürchten zu müssen.

Schließlich beschloss das Garser Gremium mit 14 zu drei Stimmen, die Entscheidung über den Antrag zu vertagen und die Zeit noch für weitere Klärungen zu nutzen. Bruno Münch

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