Pensionär Otmar Moser (76) „brennt“ für das Feuerwehrarchiv in Wasserburg

Otmar Moser gehört zu denen, die mit dem Beginn des Ruhestands noch einmal mächtig auf’s Gas drücken.
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Otmar Moser gehört zu denen, die mit dem Beginn des Ruhestands noch einmal mächtig auf’s Gas drücken.

„Das ist mein Kind“, sagt der Archivar, und wie mancher Vater bekennt er gleichzeitig: „Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt.“

Von Winfried Weithofer

Wasserburg– Für sein „Kind“, das Archiv der Wasserburger Feuerwehr tut er alles. Sorgsam geht er mit dem Schatz um, gleich mehrfach hat er ihn auf seinen Computern abgesichert. Sein Schatz – das ist das Archiv der Wasserburger Feuerwehr, das der 76-Jährige betreut. Eine Mammutaufgabe, die noch lange nicht abgeschlossen ist. „Ich möchte eine gemähte Wiese hinterlassen“, sagt er.

Otmar Moser kommt aus Passau, der „großen Schwester von Wasserburg“, wie er sagt. Die 3-Flüsse-Stadt liegt ja auch am Inn. Aufgewachsen ist er in der Hallertau. Früh entdeckte er seine Liebe zur Musik: Schon als Erstklässler lernt er Noten lesen, spielt Akkordeon, Gitarre und Zither. Volksmusik hat es ihm besonders angetan, er bringt sich das Hackbrett-Spielen selber bei.

In Passau geht er aufs Gymnasium, absolviert dort 1965 nach 9 Jahren Griechisch und ebenso vielen Jahren Latein das Abitur. Es folgt ein Lehramtsstudium in München. Moser wird Volksschullehrer mit Leib und Seele, erst in Erlau bei Passau, dann in Ebersberg und ab 1991 in Wasserburg. Seit 2008 ist er Pensionär.

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Mit einem Schmunzeln blickt er auf diese Zeit zurück. „Ich hab‘ mich in die jungen Leut‘ gut reinversetzen können, und wenn einer einen Streich gespielt hat, hat mich das innerlich köstlich gefreut.“ Nur zu gut erinnert er sich an den Jungen, der in Ebersberg einen Schulbusfahrer ins Bockshorn jagte – diesen mit der falschen Auskunft düpierte, dass gar keine Schüler mitzunehmen seien, und so den Unterricht an jenem Tag gehörig durcheinander brachte. Nein, böse konnte Moser dem Pennäler nicht sein. Der 76-Jährige strahlt Lebensfreude aus, man hört ihm gerne zu, die Anekdoten sprudeln nur so aus ihm heraus.

Er gehört zu denen, die mit dem Beginn des Ruhestands noch einmal mächtig auf’s Gas drücken. „Ich kann jetzt machen, was ich gerne mag.“ Und das hat in ihm neue Kräfte freigesetzt:

Heute wird er vor allem als ordnende Hand der Papierfluten gebraucht, die auf die Vereine einstürzen. Im Faschingsverein „Lederer-Gmoa“ erwirbt er sich als Schriftführer große Verdienste, und bald nach 2010 nimmt ihn die Feuerwehr Wasserburg in Beschlag.

Moser erinnert sich gut daran, wie Heinrich Kurz, der 2019 verstorbene langjährige Kommandant und Ehrenkommandant der Wasserburger Feuerwehr, auf ihn zukam: „Der Kurz Heini hat mir gesagt: ‚Otmar, du wärst der Richtige‘.“ Mosers Abwehrversuche bleiben erfolglos. „Wenn der Heini mal einen im Fokus hatte, kimmst nimmer aussi“, so Moser. Und so wird er zum Schriftführer und Archivar des Feuerwehrvereins und erschließt mit Akribie eine wesentliche Quelle der Stadtgeschichte.

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Die Arbeit, die anfänglich einigermaßen überschaubar scheint, wird zur Mammutaufgabe. Bilder, Negative, alte Schriften – alles kunterbunt durcheinander. Die Bitte des Kommandanten: „Das Ganze auf ein gescheites Niveau bringen.“ Nach und nach kommen viele weitere Ordner ans Tageslicht, noch mehr Schachteln, alte Plastiktüten, Bilder von Festen, Ausflügen und Einsätzen, die noch digitalisiert werden müssen. Die Zahl der Dateien geht mittlerweile in die Zehntausende. Die Dokumente, auch Fotos aus dem Gründungsjahr 1866, füllen bereits 130 Ordner.

Vor 4 Jahren wird der Archivar mit seinem Wissen eine wichtige Stütze zum 150-jährigen Jubiläum der Wasserburger Feuerwehr. Auch das Stadtarchiv profitiert von Mosers Fleiß: „Dem Herrn Haupt hab ich schon einen Teil der Unterlagen überreicht“, berichtet Moser.

Die ehrenamtliche Arbeit ist noch lange nicht erledigt, der 76-Jährige schätzt, dass er noch mindestens 5 Jahre damit beschäftigt ist. „Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt . . .“

Ein besonders schönes Foto aus dem Feuerwehrarchiv, um das sich Otmar Moser kümmert, zeigt eine Feuerwehrübung am Haus der Familie Rothmaier vor rund 100 Jahren. Max Rothmaier war bei Gründung der freiwilligen Feuerwehr 1866 der erste Kommandant.

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