Parkplatz verzweifelt gesucht: Das stresst die Wasserburger Altstadtbewohner

Ärgern sich über die Parkplatznot: die Altstadtbewohner Martina Mayer, Ernst Huber und Michael Flammiger (von links). John Cater
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Ärgern sich über die Parkplatznot: die Altstadtbewohner Martina Mayer, Ernst Huber und Michael Flammiger (von links). John Cater

Jeden Feierabend das gleiche Prozedere: Martina Mayer, Ernst Huber und Michael Flammiger kurven mit ihren Fahrzeugen durch die Altstadt – auf der Suche nach einem Parkplatz. Das kostet Abend für Abend Nerven, ist nicht selten sogar erfolglos, denn kostenfreie Stellplätze gibt es in der Stadtmitte kaum.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Deshalb wünschen sich die drei Wasserburger, die im historischen Zentrum leben, die Einführung von Bewohnerparkausweisen. Martina Mayer, Ernst Huber und Michael Flammiger hoffen, dass ihr Wunsch Gehör findet. Sie haben sich an alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählergruppierungen sowie an Bürgermeister Michael Kölbl gewandt und auf ihr Problem hingewiesen. Die Thematik wird in der Klausurtagung des Stadtrates zur Verkehrsberuhigung in der Altstadt am Freitag, 20. März, behandelt, teilt Kölbl auf Anfrage der Wasserburger Zeitung mit. Der Stadtrat wird sich auch in seiner Sitzung am Donnerstag, 26. März, damit beschäftigen. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) hat sich die Stadt die Frage nach „Klärung des Bedarfs für ein Anwohnerparken („Parklizenz) sogar schriftlich auf die Fahnen geschrieben.

Bürgerbegehren nicht ausgeschlossen

Wird es eine Lösung geben? Die Altstadtbewohner hoffen auf einen Konsens, denn sie sind der Meinung, der Stadtrat habe sich bei seiner Entscheidung für die Einführung der Parkgebühren nicht ausreichend mit der Situation der Anwohner beschäftigt. Sollte es keine Lösung geben, schließen die drei nicht aus, ein Bürgerbegehren zu initiieren.

Denn sie sind der Meinung, dass die vor einem Jahr eingeführten Gebühren in den Parkhäusern und auf dem Platz an der Rampe die Situation verschärft haben. 90 Prozent aller kostenfreien Parkplätze in der Wasserburger Altstadt seien damit weggefallen, denn umsonst parken dürfen Bürger und Gäste der Stadt nur noch vier Stunden. Das ist für Altstadtbewohner natürlich zu wenig. Sie könnten zwar Jahreskarten für die Parkhäuser und für den Platz an der Rampe kaufen (Jahresgebühr: 200 Euro), doch bei jedem Be- und Entladen vor der Haustür müssten sie erneut bezahlen, also quasi zweimal.

Parksuchverkehr am Feierabend

Ernst Huber, der in der Hofstatt wohnt, kann mit seinem großen Fahrzeug nur an der Rampe parken. Martina Mayer wohnt in der Ledererzeile und müsste ihre Einkäufe von den Parkhäusern weit bis zu ihrer Wohnung schleppen. Michael Flammiger, der in der Friedhofgasse wohnt, geht es genauso. Und selbst wenn sie diese Wege in Kauf nehmen und abends nach 21.30 Uhr in die Parkhäuser einfahren würden, müssten sie, um über Nacht kostenlos stehen zu können, bis 5 Uhr wieder rausgefahren sein.

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Als paradox empfindet Martina Mayer ihre Situation: Sie könnte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Rosenheim zur Arbeit fahren, tut es aber nicht, weil sie ihr Auto in der Nähe ihrer Wohnung nicht umsonst so lange parken kann und die öffentlichen Verkehrsmittel dann noch einmal extra kosten würden. „Ich werde für das Autofahren belohnt“, ärgert sie sich. Das treffe nicht nur ihren Geldbeutel, sondern passe auch nicht in die Zeit und zu den Bemühungen der Stadt, die Bürger für den Umstieg zu klimafreundlichen Verkehrsmitteln zu motivieren. Die Umwelt werde auch durch den Parksuchverkehr stark belastet, finden ihre Mitstreiter. Fast jeden Tag fahren sie mehreren Runden um den Block, bevor sie fündig werden.

A propos Strafe: Über 200 Euro Bußgeld hat Handwerker Ernst Huber bereits gezahlt, weil er falsch geparkt hat. Die Stadt habe nicht nur die Parkgebühren eingeführt, sondern durch die Parkraumbewachung, vergeben an den Zweckverband Oberland, auch die Bestrafung erhöht. „Das sind mittelalterliche Methoden“, ärgert er sich.

Kritik an der Überwachung

Huber fühlt sich regelrecht verfolgt von den Kontrolleuren. Jüngst musste er wegen eines Wasserschadens bei einem Kunden in der Ledererzeile halten. Noch während er sich einen Parkzettel holte, sei ihm der Strafzettel hinter die Windschutzscheibe geschoben worden, berichtet er. Was er nicht verstehen kann: Wenn er beispielsweise freitagnachmittags auf den Lehrerparkplätzen am Förderzentrum parkt, die bis Montagmorgen nicht benötigt würden, handele er sich regelmäßig Strafzettel ein. Wenn er sich bei der Stadt beschwere, heiße es immer, diese habe die Verantwortung für die Parkraumüberwachung ausgesourct.

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„Auf zwanzig erwachsene Einwohner der Altstadt kommt nur etwa ein kostenfreier Parkplatz, der mit allen anderen Verkehrsteilnehmer auch noch geteilt werden muss“, ärgert sich Michael Flammiger. Deshalb fordert auch er Bewohnerparkausweise. Diese seien von der Regierung bisher auf etwa 30 Euro pro Jahr gedeckelt. In fast allen umliegenden Städten, wie etwa in Rosenheim, Traunstein, Trostberg und Traunreut, gebe es Bewohnerparkausweise und Bewohnerparkplätze, in Wasserburg nicht. „Wir Bürger müssen für ein Jahresticket 200 Euro pro Jahr bezahlen und damit fast das Siebenfache, was Bewohnerparkausweise in den umliegenden Städten und wie auch sonst in Bayern üblich, kosten. Damit finanzieren wir Bürger, zumindest zum Teil, das vierstündige kostenfreie Parken für die Einkäufer und Besucher mit“, findet Flammiger. Freies Parken nach 18 Uhr? Auch das ist in den Augen der drei Altstadtbewohner keine Lösung. denn viele Wasserburger würden Schicht und damit antizyklisch arbeiten.

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