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Ein Blick in die Vergangenheit

Otto Ruf ist ein richtiges Original

Die Eisdiele „Eis Smeralda“ in der Wasserburger Straße in Haag war früher einmal eine Werkstatt.
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Die Eisdiele „Eis Smeralda“ in der Wasserburger Straße in Haag war früher einmal eine Werkstatt.
  • VonLudwig Meindl
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Vor 100 Jahren in Haag: Die beliebte Eisdiele in der Wasserburger Straße in Haag war damals eine Autowerkstatt.

Haag – Dort, wo von Frühjahr bis Herbst die Menschen wieder in Schlangen anstehen werden, um sich ein erfrischendes Eis von „Limone“, „Cioccolato“, „Pistacchio“ bis zu „Stracciatella“ zu holen, da eröffnete vor 100 Jahren die erste Haager Autowerkstatt. Erbe war später das Haager Original Otto Ruf.

Lebkuchenbäckerei mitten im Ort

Vor dem Haager Brand im Jahr 1849 hatte hier ein Lebzelter, also Lebkuchenbäcker, gearbeitet, direkt neben dem Geschäft, das seit 1633 von Bäckern bewohnt wird.

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In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts etablierte hier Peter Grundner eine Autowerkstatt. Er führte auch das an der Hauptstraße gelegene Geschäft des Fahrradhandels. Die Produktion von Fahrrädern mit Gummibereifung nahm gerade damals Fahrt auf und weckte auch in Haag das Interesse vieler Interessenten.

Jeden Samstag das „anstrengende“ Ritual

Die Tochter des ersten Haager Auto- und Fahrradhausbesitzers Peter Grundner heiratete den Kaminkehrermeister Otto Ruf, mit dem sie das Geschäft an Haupt- und Wasserburger Straße weiterführte. Der Sohn aus dieser Ehe, der nach seinem Vater ebenfalls den Namen Otto trug, war ein begabter Mechaniker, konnte sich aber für die regelmäßige Arbeit nicht so recht ereifern. Schon nach ein paar Jahren – die Eltern waren gestorben – verkaufte er die beiden Geschäftsgebäude, oberer Teil heute „Haus der Braut“. Otto Ruf war erst 45 Jahre alt.

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Er widmete sich lieber dem allabendlichen Stammtischbesuch in den damals noch recht zahlreichen Haager Wirtshäusern vom „Schex“, „Zeller“, „Kern-Bräu“, „Wasserburger Hof“, „Café Wanger“ bis zum „Silbernagel“. Dabei fiel er seinen Gesprächspartnern durch seine weitreichenden Kenntnisse in technischen, historischen und philosophischen Fragen auf.

Otto Ruf pflegte am Samstag ein regelmäßiges Ritual mit seinem Lehrling. Bauer

Mit einem Hobby erfreute sich der Original-Haager Otto Ruf, der seinen Ort höchstens für einen Oktoberfestbesuch nach München verließ: am Heimgarten. Er pachtete das Stückchen Grünland, legte aber zur Überraschung seiner Heimgartennachbarn keinen Wert auf die ökologische Bewirtschaftung, sondern genoss an der Heimgartenstraße lediglich die Freude an der Natur.

Der Frührentner Otto Ruf war meist mit seinem „Gschäftsradl“ unterwegs. Seinen Freunden versicherte er stets, wegen Brennholzbeschaffung mit viel Arbeit eingedeckt zu sein.

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Mut bewies er, als er den Verlobten seiner Schwester, einen schwarzen amerikanischen Soldaten, vom Haager Bahnhof abholte und durch Haag geleitete: „Die Vorhäng‘ haben’s zuzogen und so getan, als ob keiner da wäre.“

An eine Episode erinnerte sich einer seiner wenigen Lehrbuben. Es war der inzwischen verstorbene Jack Jakel, der später Karriere machte und Lehrer für Werkunterricht wurde und Gemeinderatsmitglied. Um neun Uhr früh musste der Jack bei seinem Meister Otto auch am Samstag zur Arbeit antreten.

Dann hieß die Tagesweisung: „D’Werkstatt z’ammkehrn!“ Keine 20 Minuten benötigte Jack dafür. Darauf gingen Meister und Lehrbub ein paar Häuser weiter in den „Silbernagel“ zum Frühschoppen.

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Und es war jeden Samstag das gleiche „anstrengende“ Ritual: Der Meister gab für seinen Lehrbuben reichlich zu trinken aus, allein schon deswegen, weil ihn die Kollegen stichelten: „Leid’ts für dein Buam nix mehr?“ Jedes Mal fiel Jack gegen Spätnachmittag fix und fertig in sein Bett und war auch den nächsten Tag zu nichts mehr zu gebrauchen. Das rief seine Mutter auf den Plan.

Sie fasste sich ein Herz, suchte den Meister Otto Ruf in seiner Werkstatt auf und warf ihm vor, den Lehrbuben viel zu anstrengend und zu lange arbeiten zu lassen. Ihr Sohn sei nach dem Samstagsdienst immer immer ganz kaputt.

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