Pfarrer Schinagl aus Wasserburg ist traurig: Sein Lieblingsgottesdienst fällt aus

Ein Bild, das an diesem Osterfest fremd anmutet und nicht möglich ist: :Stadtpfarrer Dr. Paul Schinagl tauft die kleine Livia. Rieger
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Ein Bild, das an diesem Osterfest fremd anmutet und nicht möglich ist: :Stadtpfarrer Dr. Paul Schinagl tauft die kleine Livia. Rieger
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Er hatte sich so auf die Osternacht und den Ostergottesdienst am Sonntag gefreut: Doch daraus wird nichts, auch Wasserburgs Stadtpfarrer Dr. Paul Schinagl muss daheim bleiben. Doch er findet Trost und aufmunternde Worte für die Gläubigen.

Wasserburg – 33 Jahre ist er schon Priester, 25 Jahre Stadtpfarrer in Wasserburg: Dr. Paul Schinagl hat angesichts dieser langen Zeit schon viel erlebt, doch noch nie hat er einen Ostergottesdienst absagen müssen. Heuer ist das Unfassbare eingetreten.

Der Ostergottesdienst ist Pfarrer Schinagl besonders wichtig

Dabei ist für Schinagl der Ostergottesdienst der wichtigste des Jahres: „Schließlich feiern wir, dass Christus auferstanden ist.“ In schön gestalteten Gottesdiensten mit Chorgesang findet er außerdem stets Trost – nur heuer halt nicht. Das ist doppelt traurig für den Stadtpfarrer: Denn 2020 hätte er den letzten Ostergottesdienst seiner geistlichen Tätigkeit gefeiert, im Juli geht er in den Ruhestand.

Corona-Krise lässt auch den Geistlichen um Worte ringen

„Unfassbar“, „unglaublich“: Selbst Schinagl findet derzeit nur schwer Worte für die Tatsache, dass Ostern heuer so ganz anders gefeiert werden muss – ohne Osternacht, ohne Gottesdienste mit der Gemeinde, ohne das Zusammenkommen der Familien am Feiertag.

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Die Vorräume der Kirchen haben Ostersonntag tagsüber geöffnet: In St. Jakob wird das Kreuz aufgebaut, zwei Kerzen und Bänke, mit ausreichend Abstand voneinander, laden ein zum stillen Gebet. In St. Konrad steht ebenfalls das Kreuz und aufgrund der Enge ein Hocker, auf dem immer nur eine Person platz nehmen kann. Die Osterkerzen werden am Ostersonntag brennen, verspricht Schinagl. Damit sie nicht Teppiche oder Altare anzünden können, stehen sie auf dem Pflaster.

Gebete, die auch die Corona-Krise thematisieren, liegen aus – ebenso Anleitungen für Hausgottesdienste. Online werden Gottesdienste live übertragen – unter anderem in der Osternacht und am Ostersonntag aus dem Münchner Liebfrauendom.

„Es ist nicht so, dass ein Pfarrer nicht Angst hat“

Doch all dies kann die kirchlichen Feiern in den Stadtkirchen nicht ganz ersetzen, findet Schinagl. Er hofft, dass die Gläubigen auch im Gebet Hoffnung finden. Und empfiehlt, sich vor allem an den Heiligen Sebastian zu richten, dem die Stadt nach der Pest seit 1684 den Sebastianitag mit feierlichem Gottesdienst widmet.

Das Gebet ist auch für Schinagl „der beste Trost“. „Es ist nicht so, dass ein Pfarrer nicht Angst hat“, gibt er, der zur Risikogruppe der älteren Menschen gehört, offen zu. Die Pandemie stelle eine Krise der ganzen Menschheit dar. Und zeige weltweit, dass der Mensch nicht alles in der Hand habe, sein Wirken begrenzt sei. Fast jeden Tag werde derzeit der gerne aus dem Bewusstsein verdrängte Tod vor Augen geführt.

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Ostern sei in diesen schweren Zeiten ein besonders wichtiges christliches Fest, „denn wir feiern die Auferstehung Jesus, der den Tod besiegt hat – und auferstanden ist, damit er bei uns ist und uns hilft“.

Mut macht das Glockengeläut

Mut macht Schinagl auch das Glockengeläut. Kurz vor 10 Uhr sind jeden Sonntag die Glocken der Pfarrkirchen in der Erzdiözese als akustisches Zeichen der Verbundenheit zum Herrn zu hören. Jeden Tag um 19.30 Uhr läuten jeweils zwei Glocken der Pfarrkirchen als Zeichen der Solidarität.

Der Pfarrer hört es gerne, wenn er daheim seine Sachen zusammenpackt. Er sitzt quasi auf gepackten Umzugskisten. Und fragt sich, wie es weitergeht im Kirchenjahr, das sein Nachfolger nach seiner Verabschiedung, die im Rahmen eines Gemeindefestes im Juli geplant ist, gestalten wird: Wann finden wieder Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten statt, wann werden Firmungen und Erstkommunion nachgeholt? Wann kann der Pfarrbrief wieder erscheinen. Er ist zu Ostern stets prall gefüllt mit Terminen aus dem kirchlichen Leben, die heuer alle abgesagt werden mussten. Auch das hat Schinagl in 25 Jahren als Wasserburger Stadtpfarrer nicht einmal erlebt.

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