Opfer der Coronakrise: Reisebüro Eggerl in Wasserburg macht bald für immer zu

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Matthias Eggerl schließt sein Reisebüro in Wasserburg, das seit 27 Jahren viele Reisende von der Altstadt in die weite Welt führte.
  • Winfried Weithofer
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Matthias Eggerl zieht die Konsequenzen aus der Coronakrise: Ende Juni schließt er sein Reisebüro in Wasserburg. Damit verliert die Altstadt ein Traditionsgeschäft, was den 54-Jährigen insbesondere mit Blick auf seine rund 600 Stammkunden sehr schmerzt.

Wasserburg – Als Grund für die Schließung nennt Eggerl die schlechte Geschäftslage: „Die Reisebranche arbeitet nur mit geringen Margen, damit kann man keine großen Rücklagen bilden. Und die sind jetzt erschöpft.“ In dieser Situation habe er rechtzeitig handeln müssen, betont Eggerl: „Man kann nicht das Geschäft an die Wand fahren und ist dann selber erledigt. Ich musste einen Schnitt machen.“ Zu den erlittenen Verlusten will er sich nicht konkret äußern, lässt aber durchblicken, dass sie sich im fünfstelligen Bereich bewegen. Auch mit Privateinlagen stehe er dafür gerade.

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Verhagelt hat ihm die Coronakrise die Buchungslage zu Ostern und Pfingsten – bis 14. Juni seien alle Reisen abgesagt worden. Für den Sommer habe sich zwar eine verhaltene Besserung angedeutet, aber die weitere Zukunft beurteilt Eggerl pessimistisch: „Es wird hart, ich sehe für die nächsten anderthalb oder zwei Jahre überhaupt keine Erholung.“ Die Flaute werde andauern, um 40 Prozent wird es nach seiner Schätzung abwärts gehen. Von einem Darlehen, das er zurückzahlen müsse, hält der Reiseunternehmer deshalb wenig.

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Bedient hat Eggerl seine Kundschaft, darunter viele Familien, mit Angeboten aus dem ganzen Spektrum der Reisewelt. Gut gelaufen seien in den letzten Jahren Ziele in Spanien und Griechenland: Auch Städtereisen – etwa Madrid, Lissabon, Paris, London und Stockholm - seien gut gebucht worden, genauso Campingurlaube.

Eröffnet wurde das Reisebüro von Eggerls Vater im Jahr 1993, ab 2009 führte es Matthias Eggerl. Nach 27 Jahren gibt er nun also den Standort auf. Die frei werdende Ladenfläche will sein Bruder Uwe für die Fahrschule nutzen, die sich direkt nebenan befindet.

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Und womit verdient Matthias Eggerl künftig sein Geld? „Ich bin in einer anderen Branche tätig, in der Baubranche“, sagt er, ohne näher ins Detail zu gehen. Auch seine drei Angestellten müssen sich jetzt umorientieren. Über den Juni hinaus, vermutlich bis zum Jahresende, werden die noch offenen Fälle des Reisebetriebs abgearbeitet.

Kollegen bedauern die Schließung

Jutta Mauritz vom Tui-Reisebüro am Marienplatz bedauerte gegenüber unserer Zeitung die Geschäftsschließung des Mitbewerbers. „Das tut mir natürlich leid für den Kollegen, wenn man als gesundes Unternehmen dem Coronavirus zum Opfer fällt.“ Sie beklagte, dass der Branche auf unabsehbare Zeit jegliche Geschäftsgrundlage entzogen werde. Über Wasser können sie sich gegenwärtig mit den Rücklagen halten. „Ich spare, so gut es geht. Und meine Mitarbeiterinnen machen Kurzarbeit.“ Ihre Prognose für den Sommer fällt allerdings nicht ganz so schlecht aus: „Ein bisserl was wird schon gehen.“

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Auch das Wasserburger Reisebüro Sonnenklar sieht sich momentan nicht in seiner Existenz bedroht: „Wir sind so gut aufgestellt, dass wir dieses Jahr über die Runden kommen werden“, sagte Büroleiterin Waltraud Hangl. „Wir haben ein Polster.“ Bis Juni werde bei den Buchungen aber nur ein ganz kleiner Bruchteil des sonst üblichen erreicht. Und so mancher Kunde ändere sein Ziel, steuere nähere Länder an: Statt Ägypten kommen jetzt Deutschland und Österreich zum Zug.

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