Weil ein Ehepaar aus Griesstätt in Corona-Zeiten Opern vermisst, führt es daheim Arien auf

Haben sich die Kultur einfach nach Hause geholt: Lilli Falkenstein und ihr Mann Rudolf Jemüller.
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Haben sich die Kultur einfach nach Hause geholt: Lilli Falkenstein und ihr Mann Rudolf Jemüller.

Lilli Falkenstein aus Griesstätt hat trotz Corona jede Menge Spaß. Denn sie und ihr Mann sind sehr kreativ geworden.

Griesstätt– „Wir lieben Opern und haben auch schon viele besucht. Ob in Dresden, in Wien, in Köln oder in München“, verrät sie. Im Mai berichtete sie in den OVB-Heimatzeitungen überihren ungewöhnlichen Hochzeitstag in Corona-Zeiten. Nun erzählt sie von einer besonderen Opernaufführung in den eigenen vier Wänden.

Corona vereitelt Besuch de Opernfestspiele

„Selbstverständlich gehört auch der Besuch der Opernfestspiele auf Gut Immling zu unseren festen Terminen. Leider ist die Aufführung der Madame Butterfly aus Corona-Gründen um ein Jahr nach 2021 verschoben worden, sodass wir in diesem Jahr auf professionelle Gesangs- und Orchesterdarbietungen verzichten müssen. Aber uns fehlt die Kultur und der Genuss und so beschlossen wir, zu Hause in trauter Zweisamkeit selber eine Opernaufführung zu initiieren.

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An welche Oper sich das Ehepaar wagt

Dummerweise fehlte uns die Qualität der klassischen Gesangsausübung, mein Mann ist nicht in der Lage eine Melodie gesanglich zu halten und ich habe keinen Sopran. Aber wir waren motiviert und guter Dinge und entschlossen uns für die Darbietung der Arie:“ Ebben! Ne andro lontana“ aus der Oper „La Wally“ von Alfredo Catalani. Diese Oper hat der Komponist nach der Romanvorlage der Geierwally komponiert.

Eine starke Frau im Mittelpunkt

Sie spielt im 19. Jahrhundert in Sölden im Ötztal und erzählt die Geschichte der Wally, die auf Wunsch ihres Vaters, einen ungeliebten Mann heiraten soll.

Die Wally ist eine starke, unabhängige Frau und verlässt lieber ihr Daheim und zieht in eine Berghütte, als dem Wunsch des Vaters zu entsprechen.

Und eben diese Arie beschreibt ihren Schmerz, das Zuhause zu verlassen und in einer einsamen Berghütte ihr Leben weiter zu leben: „Ich werde weggehen.“

Yuccas dienten als Wald,

Leider wird sie sehr, sehr selten aufgeführt, diese wundervolle, dramatische Oper. Die Beschaffung der Requisiten war kein Problem. Bei uns stehen fünf Yuccas im Eingangsbereich, die als Wald dienen sollten und eine komplette Wand ist gespickt mit Geweihen und Gamskrickerl, die der Urgroßvater meines Mannes vor über einhundert Jahren erlegt hat.

Italienische Oper ohne Sprachkenntnisse

Sehr viel problematischer war der italienische Text, den ich auswendig lernen musste, sowie der Gesang.

Nach etwa einer Woche fleißigen Üben, wurde ich zumindest für den Hausgebrauch Herr – beziehungsweise Frau der Lage – und wir machten uns ans Werk.

Für den Ehemann nur eine Statistenrolle

Mein Mann nahm eine Statistenrolle als Jäger aus Sölden ein. Er kleidete sich in sein Gartengewand und setzte sich mit einer Halben zwischen die Juccas. Die Musik setzte ein und die Wally im Dirndlgewand sang inmitten des Waldes und der Geweihe ihre traurige Arie.

Das war uns für’s erste Kultur genug!!!!!

Mal schauen, was uns noch so einfällt, denn Corona ist noch nicht vorbei..“

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