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Wintersportvereine in Wasserburg, Haag und Schnaitsee

„Der Urgedanke der Spiele ist gestorben“ - Region im Zwiespalt um Olympia in Peking

Yanqing
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Blick auf einen Turm in der Yanqing-Region. Im Hintergrund ist der Start der alpinen Olympia-Abfahrt am Xiaohaituo Mountain im Nationalen Ski-Alpin-Zentrum zu sehen. Die Olympia-Strecken wurden in einem früheren Naturschutzgebiet errichtet.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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  • Winfried Weithofer
    Winfried Weithofer
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Ein Schatten liegt über den Olympischen Winterspielen von Peking, die am Freitag eröffnet werden. Die Menschenrechtssituation in China wird genau wie die Umweltzerstörung angeprangert. Sollte man deshalb wegschauen oder mitfiebern? Wir haben uns umgehört.

Wasserburg/Haag/Edling/Schnaitsee – Olympia: Das ist ein Sportereignis auf das viele, sowohl Fans als auch Athleten, hinfiebern. Dieses Jahr liegt jedoch ein Schatten über der Veranstaltung. Soll beziehungsweise kann man die Spiele angesichts der Horrorgeschichten zum Klimafrevel und der Überwachung von Sportlern, die schon im Vorfeld aus China zu hören sind, unterstützen? Eine Frage, die auch in den Wintersportvereinen der Region kontrovers diskutiert wird.

Vergabe an „geeignete Länder“

Udo Verbega, Vorsitzender des Sportvereins Schnaitsee und selbst Betreiber eines Sportgeschäfts, ist sauer. Grundsätzlich sei er absoluter Befürworter der Olympischen Spiele. Die Gedanken von Olympia, die Begegnung von Sportlern und Nationen, unterstütze er vollkommen. Aber das, was in China derzeit ablaufe, das sei nicht mehr olympisch.

„Der Urgedanke der Spiele ist gestorben“, stellt er klar. Denn die Olympischen Spiele, so Verbega, müssten in „geeigneten Regionen und Ländern“ stattfinden. Und China sei nicht geeignet. Zum Einen wegen des Klimas, das Wintersport nur mit hohem technischen Einsatz ermögliche. „Da können wir es in Zukunft auch in Afrika machen, möglich ist ja alles.“ Aber auch politisch sei China ungeeignet.

Zwar findet Verbega, dass es nicht die Aufgabe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, die Länder politisch zu bewerten. „Aber sie müssen schauen, dass die Athleten mündig sind und sich eigenständig bewegen dürfen.“

Medien sind in der Verantwortung

Neben dem IOC sieht der Vereinsvorsitzende aber vor allem die Medien in der Verantwortung. „Siebzig Prozent der Einnahmen laufen über Fernsehausstrahlungen“, sagt er. „Wenn die Medien das boykottieren würden, dann wäre die ganze Veranstaltung gestorben.“ Von dem Argument, dass in China ein neuer Markt erschlossen werden kann und Millionen Menschen durch die Spiele dort zum Wintersport finden könnten, hält Verbega nichts. „Das ist doch nur vorgeschützt.“

Doch trotz aller Kritik, die Übertragungen von einigen ausgewählten Sportarten möchte Verbega trotzdem anschauen. „Da steht für mich der Sportler im Vordergrund.“ Diesen gelte es auch zu unterstützen, insbesondere bei dieser Veranstaltung. „Die ist für die Athleten nicht schön.“

Sportler brauchen Spiele als „Sprungbrett“

Auch Andras König, Leiter der Abteilung Schneesport im Sportverein Wasserburg, hat vor allem Mitleid mit den Sportlern. „Als Profi würde ich da nicht hinfahren“, sagt König. Er hat aber dennoch Verständnis für diejenigen, die es tun. „Viele, gerade diejenigen, die am Anfang der Karriere stehen, brauchen die Spiele als Sprungbrett.“

Auch König will Olympia anschauen. „Es gibt ja zwei Seiten“, stellt er fest, die des Sportlers und die des Fans. Und als Fan sei es für ihn wichtig, die Sportler zu unterstützen.

Unterstützung aus der Heimat trotzdem wichtig

Noch mehr im Zwiespalt ist Matthäus Urban, Vorsitzender des Skiclubs Haag, denn er hat sogar eine eigene Olympia-Athletin, die es zu unterstützen gilt: Die Biathletin Franziska Preuß ist Mitglied im Verein und nimmt an den Spielen teil, deshalb stehe für ihn außer Frage, die Spiele zu boykottieren. „Den eigenen Leuten muss man die Daumen halten“, sagt Urban, denn die Unterstützung aus der Heimat sei viel Wert für die Sportler.

Die Sportler, insbesondere die „eigenen“ wie Franziska Preuß wollen die Vereine in der Region trotz Kontroversen unterstützen.

Dennoch kann sich auch Urban nur eingeschränkt auf die Olympiade freuen. „Ich bin da schon systemkritisch“, stellt er klar. Die Spiele würden mehr und mehr zu einer „Prestigeveranstaltung“ werden, so Urban. „Und das wird auf dem Rücken der Sportler ausgetragen.“

Hans Friedl: „Die Werte der Austragungsorte sollten überprüft werden“

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Der Physiotherapeut Hans Friedl aus Edling hat bereits im Sommer die olympischen Radfahrer betreut, auch im Winter kommen einige Olympiateilnehmer zu ihm, um sich „den letzten Schliff für ihre sportliche und mentale Form zu holen.“ Er erklärt: „Ich persönlich sehe die Olympischen Spiele als die größte und emotionalste Sportveranstaltung der Welt. Seit 2000 bin ich bei allen olympischen Sommerspielen selber dabei gewesen und meine Leidenschaft für dieses Ereignis ist ungebrochen.

Die Spiele polarisieren stark, haben dies immer schon getan. Sie haben eine enorme Reichweite und Medienpräsenz und dadurch wird natürlich auch viel und auf allen Ebenen darüber diskutiert. Ich verstehe absolut, dass hinterfragt wird, warum ein solches Event ausgerechnet nach China vergeben wird, wo weder gesellschaftsstrukturell noch politisch und auch von den natürlichen Gegebenheiten die Olympische Charta nur bedingt oder nicht eingehalten werden kann.

Was ich nicht teile, ist der Zeitpunkt, zu dem diese Diskussionen heiß laufen. Vier Tage vor der Eröffnungsfeier wird medial hochgekocht, welche Fehlentscheidung das IOC getroffen hat. Die Vergabe liegt Jahre zurück. Es ist meiner Meinung nach nicht hilfreich, den Sportlern und Beteiligten jetzt dafür einen Strick draus zu drehen.

Eine gute aber unbequeme Lösung wäre es, für die zukünftige Vergabe der Austragungsorte, die Werte der Olympischen Ziele einzuhalten und genau zu prüfen, ob Wirtschaftlichkeit des IOC und die grundlegenden Prinzipien des Olympismus miteinander zu vereinbaren sind.

Ungeachtet, des Medienrummels und manch negativer Stimmung wünsche ich allen Athleten und Betreuern, allen Funktionären und allen Menschen, die an den Olympischen Winterspielen unter diesen schwierigen Umständen beteiligt sind Kraft, Freude und dass der Funke des olympischen Feuers auf sie überspringt.

Ich persönlich werde auf jeden Fall den ein oder anderen Wettkämpfen „meiner“ Athleten im Fernsehen verfolgen und wünsche ihnen viel Erfolg.“