Öl-Alarm am Staudhamer See: Badegäste fühlen sich vergrämt – Behörden sagen, das ist erlaubt

Umgefallene Bäume erschweren den Zugang zum See, doch das Baden ist hier nach wie vor erlaubt.
+
Umgefallene Bäume erschweren den Zugang zum See, doch das Baden ist hier nach wie vor erlaubt.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
    schließen

Fans des aufgelösten Badeplatzes am Staudhamer See bleiben dabei: Die am Ufer aufgetragenen öligen Mittel stinken nach Meinung vieler zum Himmel – im wahrsten und im übertragenen Sinne.

Wasserburg/Edling – Eine Welle der Empörung hat die Tatsache ausgelöst, dass der klebrige Stoff am Zugang zum See aufgebracht wurde. Der Verdacht: So sollten Badegäste vertrieben werden.

Offizieller und nicht offizieller Badeplatz am Privatsee

Am See zwischen Wasserburg und Edling gibt es den offiziellen Strand „Seewies“ mit Badeordnung, Parkplatz, Steg und Liegewiese auf Reitmehringer Seite und einen inoffiziellen, 2015 aufgelösten Badeplatz auf Staudhamer Seite, ohne Parkplatz, eher der Natur überlassen. Versuche, die Pachtverträge mit dem Eigentümer von See und Umgriffen zu verlängern, waren hier gescheitert.

Klebrige, stinkende Mittel vermiesen den Aufenthalt

Auf Staudhamer Seite schlagen sich trotzdem nach wie vor Badegäste durch das Gebüsch und an im Weg liegenden Baumstämmen vorbei, um am flachen Ufer ins Wasser zu steigen und zu schwimmen. Das dürfen sie auch, denn der Naturgenuss ist laut bayerischer Verfassung und der Wassergesetze sogar an Privatseen jedem erlaubt – auch im Landschaftsschutzgebiet am Staudhamer See. Hier werde ein Bürgerrecht durch das Ausbringen von „stinkendem Dreckszeug“ vereitelt, findet Leser Markus Huber aus Edling.

Eingesetzt in der Eigenjagd

Schon 2019 war vielen Badegästen der Aufenthalt vermiest worden, weil klebrige, ölige Stoffe auf der Wiese zum Ufer aufgetragen worden waren. Heuer wiederholte sich dies.

Werner Fröwis, zuständiger Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Wasserburg, hatte sich ein Bild vor Ort gemacht. Und mitgeteilt, bei dem aufgetragenen Stoff handele es sich um ein Wildlock- oder Wildvergrämungsmittel – ordnungsgemäß eingesetzt, um den Wald vor Verbiss oder das Land vor Wildschäden zu schützen. Hier gebe es eine Eigenjagd.

Lesen Sie auch: Falscher Öl-Alarm am Staudhamer See – warum ein aufgelöster Badeplatz zum Himmel stinkt

Das sehen viele Fans des aufgelösten Badeplatzes anders. Huber beispielsweise hat sich – ausgelöst durch den Bericht der Wasserburger Zeitung – mit langen Hosen als Schutz gegen die Zecken im Brennnessel- und Springkrautgestrüpp auf die Suche nach schützenswerten Bäumen gemacht und ist nach eigenen Angaben zum Ergebnis gekommen, auf dem Gelände seien „genau 0 Bäume gepflanzt worden“. „Das stinkende Zeug“ sei trotzdem „auf dem Weg und auf den paar verbliebenen Quadratmetern Freifläche“ ausgebracht worden. „Warum gerade dort und zu dieser Jahreszeit?“, fragt sich auch Wolfgang Tauber, der sich zuerst mit seinem Protest an die Redaktion gewandt hatte, nachdem er vor gut einer Woche in die öligen Batzen hineingetreten war.

Vermutung: Stoff, der Schwarzwild anlocken soll

Als Folge einer Nachfrage der Wasserburger Zeitung hat sich am Mittwoch auch Korbinian Wolf von der Abteilung Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim auf den Weg nach Staudham gemacht. Er hat die öligen Flecken am Ufer ebenfalls entdeckt. „Aus meiner Sicht handelt es sich nicht um ein Vergrämungsmittel, sondern aufgrund des Rauchgeruchs um Buchenholzteer – einen Lockstoff für die Jagd etwa auf Schwarzwild.“ Außerdem würden Vergrämungsmittel in der Regel direkt auf den Jungpflanzen aufgestrichen, nicht auf Wiesenflächen aufgetragen.

Aufforstung findet in diesem Bereich nicht statt

Eine Aufforstung finde im entsprechenden Gebiet nicht statt, bestätigt Wolf die Vermutung von Badegast Huber. Hier werde nicht aktiv angepflanzt. Bäume, die sich ansiedeln würden, täten dies im Rahmen einer natürlichen Sukzession – also durch Verbreitung von Samen ohne menschlichen Einfluss. Der Einsatz des Mittels auf der Wiese am Ufer sei nicht sachgemäß, findet Barbara Reinelt aus Edling. Sie und ihr Mann befürchten, dass der ölige Stoff am Ufer bei Gewitterregen in den See gespült wird. Die Gefahr einer Umweltverschmutzung im Landschaftsschutzgebiet vermutet Huber.

Das ölige Mittel reicht nach Buchenholzteer – ein Wildlockstoff.

Das könnte Sie auch interessieren: Ab an den See: 14 Empfehlungen für schöne Badeplätze in der Region

Ob das Lockmittel am Ufer jagdlich korrekt angewandt wurde, entscheidet die Untere Jagdbehörde beim Landratsamt Rosenheim. Diese teilt auf Nachfrage mit, dass die Aufbringung des Mittels, das Schwarzwild, also Wildschweine anlocken soll, eine gängige Praxis und hier zulässig sein. „Das gehört zur Jagdausübung“, so Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes. Die in der Behörde ebenfalls ansässige Untere Naturschutzbehörde habe außerdem bestätigt, dass in der Landschaftsschutzverordnung für Staudham die Land- und Forstwirtschaft sowie Jagdausübung erlaubt sei. Im Flächennutzungsplan der Stadt ist das Areal als Bereich für die Landwirtschaft dargestellt, der Badeplatz ist nach wie vor eingetragen, informiert auf Anfrage das Bauamt Wasserburg.

Ziel: Status quo erhalten, um Zugang zum See zu ermöglichen

Die Reinelts aus Edling, deren Sohn im flachen Wasser Schwimmen gelernt hat und die sich 2015 intensiv für eine Verlängerung des Pachtvertrages und eine Weiterführung des Badeplatzes eingesetzt hatten, appellieren an die Stadt Wasserburg, das Gespräch mit dem Grundeigentümer zu suchen. Ziel müsse es sein, „dass zumindest der Status quo geduldet wird, also einheimische Badende die Stelle mit dem Rad aufsuchen könnten“. Bürgermeister Michael Kölbl teilt auf Nachfrage mit, im September finde ein Treffen mit dem Grundeigentümer statt. Dabei gehe es zwar darum, eine Zwischenbilanz zu den beiderseitigen Erfahrungen mit den vertraglichen Vereinbarungen beim offiziellen Badeplatz Seewies zu ziehen. „Ich gehe aber davon aus, dass auch das Thema des anderen, aufgelösten Badeplatzes angesprochen wird“, so Kölbl.

Der Grundeigentümer will sich zur Sache grundsätzlich nicht äußern.

Kommentare