Obings neuer Diakon fordert: „Wir müssen die Gläubigen mitnehmen“

Freut sich auf die neue Aufgabe: der neue Diakon im Pfarrverband Obing, Georg Oberloher.
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Freut sich auf die neue Aufgabe: der neue Diakon im Pfarrverband Obing, Georg Oberloher.
  • vonChristl Auer
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In seinem ersten Berufsleben war er Banker, jetzt ist er neuer Diakon im Pfarrverband Obing. Georg Oberloher hat sich damit einen Traum erfüllt. Er darf Gläubige durch ihr Leben begleiten.

Obing – Georg Oberloher muss sich – räumlich gesehen – nicht besonders eingewöhnen im Pfarrverband Obing. Denn der neue Diakon stammt gebürtig aus Seebruck, war 17 Jahre lang im Pfarrverband Seeon tätig.

„Ich freue mich, hier zu sein“, betonte Diakon Georg Oberloher bei seinen ersten Gottesdiensten im neuen Pfarrverband. Obing, Pittenhart und Kienberg seien ihm nicht fremd. Quasi „back tot he roots“, sagte der gebürtige Fembacher (Gemeinde Seebruck).

Berufung gefunden, Weichen neu gestellt

Natürlich kenne er die Region und im weitesten Sinne sei es auch eine Rückkehr, denn schließlich habe er elf Jahre lang bei der Raiffeisenbank in Pittenhart gearbeitet und dort auch schon seine Ausbildung gemacht. Später sei er dann Filialleiter bei der Sparkasse in Eggstätt gewesen.

Beruflich habe er immer schon mit Menschen zu tun gehabt und das habe ihm auch großen Spaß gemacht. Irgendwann habe er aber gemerkt, dass Geld allein nicht alles sei. 1995 begann Oberloher gemeinsam mit seiner Ehefrau nebenher Theologie zu studieren. Fragen, die er bis dahin mit dem Herzen beantwortet hatte, hätte er nun mit dem Kopf beantworten können, erzählt der 58-jährige. Durch das Studium habe er seine Berufung gefunden und die Weichen in seinem Leben neu gestellt.

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Nach der einjährigen pastoralen Ausbildung in Benediktbeuern wurde der Vater zweier erwachsener Töchter im September 2003 von Kardinal Wetter zum Diakon geweiht. Die Entscheidung, die von nicht wenigen aus seinem persönlichen Umfeld kritisch beäugt wurde, hat er nach eigenen Angaben nie bereut. „Ich darf beruflich das machen, was mir am meisten Freude bereitet“, betont der Schorsch, wie er in seinem alten Pfarrverband von allen genannt wurde. Menschen durch die Höhen und Tiefen des Lebens begleiten, mit ihnen freudige Ereignisse wie Hochzeit oder Taufe feiern und ihnen in der Trauer beistehen, empfindet Oberloher als eine Bereicherung.

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In den vergangenen 17 Jahren hat er im Pfarrverband Seeon viele eindrucksvolle Begegnungen erlebt und eine Menge seelsorgerischer Erfahrung gesammelt. Die persönlichen Worte und Dankeskarten zum Abschied habe er als Bestätigung seiner Arbeit gesehen, berichtet der Geistliche, der sich auch nicht scheut, Kirchenfragen kritisch zu beleuchten und schon mal über den Tellerrand zu schauen. In seinen Augen braucht es vor allem einen konsequenten Umgang mit den Skandalen der Vergangenheit und eine Stärkung der Ehrenamtlichen, so Oberloher.

„Wir müssen die Gläubigen mitnehmen“, so der neue Diakon. Man dürfe nichts von oben herab überstülpen. „Es gibt so viele Zugänge zu Gott, wie es Menschen gibt“ – ein Zitat Papst Benedikts hat ihn geprägt. Der Diakon sieht sich als „Episode“. Sein Bestreben sei es, etwas dafür zu tun, dass der Glaube an Jesus Christus lebendig bleibe, sagt der Geistliche.

Mit 58 noch einmal ein neues Kapitel aufschlagen

Im Pfarrverband Seeon habe ihn diese Aufgabe erfüllt. Der Abschied sei ihm sehr schwergefallen, denn er habe viel zurückgelassen. Mit 58 Jahren habe er jedoch die Chance ergreifen wollen, noch mal ein neues Kapitel aufzuschlagen. Seiner Firma sei er treu geblieben, aber der Standort und die Kernaufgaben seien neu. Nun freue er sich auf seine neue Wirkungsstätte.

Kennenlernphase mit Maske

„Weit habe ich es nicht gebracht“, stellte der Neue augenzwinkernd fest. Von Seeon nach Obing seien es gerade mal ein paar Kilometer. Aber schon jetzt könne er sagen, dass der Start in Obing sehr herzlich verlaufen sei, bestätigt Oberloher. Das pastorale Team sei eingespielt und er fühle sich gut aufgenommen. Noch befinde er sich in der Kennenlernphase – und das sei mit Maske gar nicht so einfach, doch er wolle sich bemühen, allen Menschen gerecht zu werden und möglichst schnell die Namen zu lernen. „Aber bitte seid‘ s geduldig mit mir“, bittet Oberloher.

Im Pfarrverband Obing ist Georg Oberloher neben den allgemeinen Seelsorgeraufgaben wie Gottesdienste, Beerdigungen oder Taufen, hauptsächlich für Caritas und Seniorenarbeit zuständig. Auf die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen freue er sich besonders.

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