Obinger Unternehmer tüfteln an „Bioenergie im kommunalen Konsens“

Die wichtigste Idee für das neue Konzept: Die Anpassung der Anlagengröße an das Ziel, einen Mehrwert für die Region Obing zu schaffen.
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Die wichtigste Idee für das neue Konzept: Die Anpassung der Anlagengröße an das Ziel, einen Mehrwert für die Region Obing zu schaffen.

Unter dem Stichwort „Bioenergie im kommunalen Konsens“ wurde im Obinger Gemeinderat ein von Obinger Unternehmern entwickeltes Konzept für ein neuartiges Projekt zur Nutzung regenerativer Energien zur lokalen beziehungsweise regionalen Energieversorgung vorgestellt.

Von Inge Graichen

Obing – Anlass der Behandlung im Gemeinderat waren Überlegungen zur Wärmeenergieversorgung des künftigen neuen Gewerbegebietes gewesen, doch Marco Luger und Mitarbeiter Maximilian Chemnitz von der Firma Luger-Elektrotechnik, unterstützt von Unternehmensberater Dr. Michael Lache, ging es um mehr: Um eine kommunale Bioenergie-Anlage, mit der die Gemeinde Obing einen großen Beitrag zur Energieerzeugung aus regenerativen Quellen in der Region leisten könnte.

Energie aus regenerativen Quellen

Michael Lache erläuterte den Gemeinderäten zunächst die Ausgangsbedingungen. Gegenwärtig liefere Strom aus erneuerbaren Energien 35 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Deutschland, davon stammten 51,6 Prozent von Windkraftanlagen, 19,5 Prozent von Fotovoltaikanlagen und 20,6 Prozent aus der Nutzung von Biomasse.

Im Einklang mit Marco Luger, der seit 15 Jahren Biogasanlagen in elektrotechnischer Hinsicht betreut, sieht Michael Lache das größte Potenzial für Obing bei der Steigerung der Energieproduktion aus regenerativen Quellen im Bioenergiesektor. Denn über 66 Prozent der Bodenfläche Obings wird landwirtschaftlich genutzt. Allerdings zielt das bisher erst in den Grundzügen erarbeitete Konzept weniger auf Ausweitung der Energiepflanzenproduktion ab, vielmehr auf die Nutzung von alternativen Bio-Ressourcen, nämlich von Bio-Reststoffen, die gerade auch in der Landwirtschaft anfallen.

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Doch darüber hinaus gibt es viele Bereiche, aus denen biogene Reststoffe verwertet werden können, beispielsweise Reste aus der Gastronomie oder die Inhalte der demnächst kommenden Biotonne für alle Haushalte, die nicht selbst kompostieren. Alles zusammengerechnet fallen pro Einwohner und Jahr 125 Kilogramm an Bioresten an, die gegenwärtig vom Landkreis Traunstein aus in erster Linie in einer großen Biogasanlage in Erding landen.

Durch die Bioreste-Entsorgung und deren Umwandlung in Biogas in der Region würde ein Mehrwert für die Region geschaffen, so das Fazit von Michael Lache. Denn daraus entstehen Produkte, die vermarktet werden können. In der von Marco Luger und Michael Lache angedachten Anlage kann das Biogas für die Strom- und Wärmeproduktion genutzt und die Gärreste zu Dünger und Humus oder zu Pflanzenkohle veredelt werden. Gereinigtes Biogas kann ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Saubere Energie aus Resten

So entsteht saubere Energie aus Resten bereits vorher genutzter Stoffe und die Wertschöpfung bleibt in der Kommune und in der Region.

Luger, Chemnitz und Lache haben sich ähnliche Anlagen des auf Reststoffverarbeitung spezialisierten Schweizer Anlagenbauers Thöni bereits angeschaut und sind überzeugt, dass man das Konzept auf Obing und die umgebende Region zuschneiden könnte.

Dabei geht es vor allem um die Größe dieser „Mehrwert-Bioenergie-Anlage“, die nach ihrer Überzeugung etwa 20 000 Tonnen Verarbeitungskapazität im Jahr haben könnte, deutlich mehr wie die durchschnittlichen 2000 Tonnen der Biogasanlagen einzelner Landwirte, aber wesentlich weniger als die bereits arbeitenden großen Anlagen für über 70 000 Tonnen mit industriellem Charakter.

Eine gewisse Größe ist notwendig, um alle Bestandteile des Konzeptes unterzubringen, Hallen zur Annahme etwa von Grüngut und Biotonne, zum Schreddern, für die Hygienisierung, den Fermenter zur Gasproduktion mit Nachgärer und Gärrestetrocknung, das Blockheizkraftwerk und die Gasaufbereitung, als wichtiges Charakteristikum alles geruch- und lärmgekapselt, um Emissionen jeder Art nicht nach außen dringen zu lassen.

Für die Errichtung und die Betreibung einer solchen Anlage sei unter anderem eine Beteiligungsgesellschaft denkbar, in der Stromversorger und Unternehmer, Bürger und Kommunen Mitglied sein könnten.

Regionalwerkins Boot holen

Marco Luger und Michael Lache betonten, man befinde sich momentan noch ganz am Anfang, in der „Prä-Projektentwicklungsphase“. Zunächst solle in Zusammenarbeit mit Anlagenbauer Thöni ein auf die lokalen Verhältnisse in Obing angepasstes detaillierteres Anlagenkonzept erarbeitet werden.

Dann gehe es in die nächste Runde zu weiteren Kontakten mit potenziellen Anlieferern und Betreibern einer solchen Anlage.

Im Obinger Gemeinderat wurde hier eine Aufgabe gesehen, bei der sich das gerade gegründete Regionalwerk von 15 heimischen Gemeinden engagieren sollte.

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