Verkehrsminister gibt Ortsumgehung Obing frei – und will zu Tempolimit "gar nichts" sagen

 Bei der Eröffnung der Umfahrung für Obing: Dr. Peter Ramsauer (links) und Verkehrsminister Andreas Scheuer. 

Nach einem Ringen von über 10 Jahren ist die 4,7 Kilometer lange Umfahrung für die Gemeinde Obing seit dem 17. Juli eröffnet. Ein Verkehrsprojekt, auf das man stolz ist. Von einem anderen Thema in Sachen Verkehr möchte die Politprominenz vor Ort aber am liebsten nichts wissen. 

Update 17. Juli

Umfahrung wird gefeiert

Drei Jahre Bauzeit, Gesamtkosten in Höhe von rund 16,5 Millionen Euro und eine große Entlastung für Anwohner und Autofahrer: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer haben am 17. Juli die neue Ortsumfahrung der B 304 für den Verkehr freigegeben. Bisher verlief die Bundesstraße durch den Ortskern. „Mit der neuen Umgehung wird Obing nun noch ein Stück lebenswerter“, so Staatsministerin Schreyer.

Mit der Ortsumfahrung wird Obing vom Durchgangsverkehr entlastet. Nur noch rund die Hälfte des bisherigen Verkehrs soll auf der alten Bundesstraße unterwegs sein. Außerdem wird die B 304 als wichtige Ost-West-Achse im Alpenvorland weiter aufgewertet. Knapp drei Jahre nach dem Spatenstich ist die 4,7 Kilometer lange Umfahrung nun für den Verkehr freigegeben. Ministerin Schreyer: „Wir alle sind auf ein modernes, leistungsfähiges und sicheres Straßennetz angewiesen. Dazu gehört, dass wir den Verkehr aus den Orten herausbringen. Denn Staus sind Zeitverschwendung und belasten Menschen und Umwelt.“

Für Dr. Peter Ramsauer, dem früheren Verkehrsminister Deutschlands, war die Eröffnung der Ortsumfahrung von Obing auf der B 304 ein echtes Herzensprojekt, das ihn seit 2007 in all seinen Phasen begleitete. Diese Emotionen waren ihm auch bei seinem Grußwort anzumerken, dass er auch ganz besonders an „seine Obinger Freunde“ richtete.

 „Es war am 11. Oktober 2007 als mir die Bürgerinitiative „Liebens- und lebenswertes Obing“ 2000 Unterschriften mit den Wünschen zu dieser Umgehung vor eurem Rathaus überbrachte. Damals hab ich versprochen alles für diese Umfahrung zu tun. Und heute löse ich dieses Versprechen ein. (...) Andi Scheuer hat dann die Verfahrensbeschleunigung auf den Weg gebracht und heuten können wir Vollzug melden.“ Kritische Worte fand er aber für die lange Zeit, die es brauchte, bis das Projekt schließlich umgesetzt war. 

Lob für die Grundstückseigentümer 

DBundesminister Andreas Scheuer nannte Dr. Ramsauer den Motor der Umfahrung von Obing und zu den Zuhörern gewandt konstatierte er: „Diese hier verbauten Gelder ist die Reinvestition Ihrer Steuergelder. Der Bund investierte in der letzten Zeit Rekordsummen in Bayern. (...).Die täglichen 10.000 Fahrzeuge durch Obing sind Geschichte.“ 

In den nächsten Wochen stehen nun Restarbeiten an. Es müssen noch abschließende Asphaltierungsarbeiten an der Honauer Straße und der Kienberger Straße durchgeführt sowie die provisorische Anbindung der Staatsstraße 2094 an die neue B 304 südöstlich von Obing zurückgebaut werden.

Verkehrsminister Andreas Scheuer zum Tempolimit 

Auf die D iskussi on um ein Tempolimit von 130 auf deutschen Autobahnen angesprochen, wiegelte der Verkehrsminister übrigens ab:  „Das ist wieder etwas für das Sommerloch. Dazu kann ich jetzt gar nichts sagen. Sein Vorvorgänger Dr. Peter Ramsauer wurde da schon etwas deutlicher. "Das ist eine völlig verkehrte Fragestellung. Es darf nicht heißen `Wann kommt die Beschränkung´ sondern ´Wieso sollte die Beschränkung kommen`. Sie bringt keinen Nutzen."

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Update 17. Juli, 13 Uhr: 

Für den Verkehr freigegeben

Obing - Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und einer seiner Amtsvorgänger, Peter Ramsauer, haben die Ortsumfahrung für Obing für den Verkehr freigegeben. Sie durschnitten dazu ein symbolisches Band.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer haben die Ortsumgehung für Obing für den Verkehr freigegeben.

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Update 16. Juli

4,7 Kilometer lange Umfahrung

Obing - Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gibt am Freitag (17. Juli) , um 10 Uhr im Rahmen eines Festakts des Staatlichen Bauamtes Traunstein die Umgehungsstraße Obing für den Verkehr frei. Die 4,7 Kilometer lange Umfahrung samt Anpassung von 3,3 Kilometern Bestandsstrecken an die neue B 304 kostete 16,5 Millionen Euro. 

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kommt am Freitag (17. Juli) nach Obing.

Spatenstich war im Jahr 2017. Die Umfahrung gilt als wichtiger Baustein zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Ost-West-Achse. Für die Entlastung des Ortskerns setzt sich seit 2009 auch die Bürgerinitiative „L(i)ebenswertes Obing“ ein. Die Fertigstellung erfolgte trotz Corona termingerecht. Zum Festakt hat sich auch die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer angesagt.

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Erstmeldung

Obing – „Wir sind voll im Kosten- und Zeitrahmen“, erklärte der leitende Baudirektor des Straßenbauamts Traunstein Christian Rehm den geschätzt über hundert Schaulustigen, die auf Einladung des CSU-Ortsverbands zum Baustellenlager westlich vom Golfplatz gekommen waren, um sich aus erster Hand über die Baufortschritte zu informieren. Sie interessierten sich vorwiegend für den aktuellen Ausführungsstand, dafür, welche Arbeiten derzeit ausgeführt werden und für die geplanten Geh- und Radwege sowie die Situierung von Buswartehäuschen.

Kein Bodenaustausch notwendig

Schon häufiger geäußerte Bedenken, dass im Baufeld schlechter Boden mit zu hohem Lehm- und zu wenig Kiesanteil verwendet worden sei, konnten entkräftet werden. Laut Staatlichem Bauamt wäre ein Bodenaustausch beispielsweise im Bereich des neuen Kreisels unwirtschaftlich. Stattdessen werde in diesem Bereich der Boden mit entsprechenden Maßnahmen verbessert und stabilisiert. Die Tragfähigkeitswerte würden vor dem Weiterbau kontrolliert. „Es läuft gut“, betonte Rehm.

Etwa 100 Bürger besichtigten die neue Trasse der B304 im Bereich Kleinornach. Hier entsteht ein Kreisverkehr sowie die neue Anbindung der Staatsstraße 2094. Auer

Die anvisierten Kosten in Höhe von 16,2 Millionen Euro für die 4,7 Kilometer lange Ortsumfahrung samt notwendiger Anpassung von 3,3 Kilometer Bestandsstraßen an die neue B 304 und auch der Fertigstellungstellungstermin Ende 2020 würden nach derzeitigem Stand wohl eingehalten. Darüber hinaus sei das Straßenbauamt aber noch mit weiteren Großprojekten in der Region beschäftigt. Der Aubergtunnel in Altenmarkt könne wohl Ende 2020 in den Probebetrieb gehen und derzeit erfolgten im Rahmen des zweiten Bauabschnitts wesentliche Schritte zur Erstellung der Unterlagen für das Genehmigungsverfahren. In Trostberg liege der genehmigte Vorentwurf vor, doch derzeit liege die Priorität auf Altenmarkt. Für die angestrebte Entlastungsspange in Seebruck werde derzeit ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Aufgrund der Nutzungsdauer der Brücke bestehe Handlungsbedarf, doch es sei keine schnelle Gesamtlösung in Sicht. Deshalb soll das Bauwerk entsprechend übergangsweise saniert werden. Derzeit gebe es noch keine festgelegte Trassenführung. Dafür müssten erst konfliktarme Korridore gefunden werden und das werde wohl noch einige Jahre dauern, so Rehm.

Ausgleichsfläche für den Kibitz

Obing sei dagegen ein sehr angenehmer Termin, bemerkte der leitende Baudirektor. Die Ortsumfahrung sei schon seit Beginn des planungsrechtlichen Verfahrens ein „Turboprojekt“. Nach dem offiziellen Spatenstich im Juli 2017 sei sofort mit dem ersten Brückenbauwerk in Pfaffing begonnen worden. Daneben seien die aufwendige Bauvorbereitung mit Planungsleistungen und Auftragsvergaben erfolgt und Grunderwerb und Ausgleichsmaßnahmen realisiert worden. Nun nehme die Trasse Gestalt an.

Wo kommt das Buswartehäuschen hin? Diese und viele weitere Fragen wurden vor Ort beantwortet

Vor allem die naturschutzfachlichen Aufgaben im Offenlandbereich der Wiesen und Felder hätten Zeit erfordert, ergänzte Bauoberrat Peter Maltan. So habe man eine Ausgleichsfläche für den Kiebitz schaffen müssen und erst nach einer zeitlichen Auflage von einem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen dürfen. Ebenso hätten Waldausgleichsflächen geschaffen werden müssen – in diesem Fall rund um das Loch 9 des benachbarten Golfplatzes. „Der schonungsvolle Umgang mit Ressourcen war ein großes Ziel“, erklärte Maltan. Deshalb habe man die Arbeiten am Aubergtunnel abgewartet und von den 60 000 Kubikmetern Kiesmaterial etwa 12000 Kubikmeter auf dem rund 1,4 Kilometer langen Teilstück bis zur Brücke wiederverwendet.

Ein wenig Zeit hätten auch die archäologischen Untersuchungen gebraucht, die in dem Bereich einen römischen Gutshof vermuteten und letztlich östlich der Brücke Schalkham auch eine römische Brandstätte offenlegten. Seit 19. Mai werde nun mit Hochdruck gearbeitet und die Erdbauarbeiten, die derzeit im südöstlichen Bereich Obings stattfänden, lägen voll im Plan, resümierte Maltan.

Dazu sei die Vollsperrung absolut notwendig. Kleines Detail am Rande: In Obing werde die Umgehungsstraße streckenmäßig kürzer als die bisherige B 304 durch den Ort. Konkret laufen die Bauarbeiten aktuell im Bereich von Neustadl, Hochbruck beziehungsweise im Bereich der Anbindung des Ortsteils Kleinornach. Hier entstehen auch der Kreisverkehr sowie die neue Anbindung der Staatsstraße 2094 aus Richtung Seeon/Seebruck an die neue B 304. Die bestehenden Einmündungen werden entsprechend umgebaut. Die neue Straßenführung wird an die bestehende B 304 angepasst. Am östlichen Bauanfang entsteht zur Böschungssicherung noch ein Steinversatz als Stützmauer.

Ab Ende September ist dann vorgesehen, dass der Verkehr über die neuen Teile der Ortsumfahrung Obing geführt wird.

Unterschriftenlisten belegen Leidensdruck

Dr. Peter Ramsauer, der in seiner Zeit als Bundesverkehrsminister mit dem vorzeitigen Planungsrecht 2009 den Startschuss für die Obinger Ortsumfahrung gegeben hatte, zeigte sich mit dem bisherigen Ergebnis ebenfalls zufrieden. Vom Interesse der Bürger war er begeistert. Er habe mit etwa zehn Teilnehmern gerechnet und über hundert seien gekommen. Das zeige die Bedeutung der Umgehung für den Ort.

Ab 2005 sei er immer wieder auf die die Verkehrsbelastung der Obinger angesprochen worden. Unterschriftenlisten hätten den Leidensdruck belegt. Er habe damals seine Unterstützung für eine Ortsumfahrung zugesagt und nicht zu viel versprochen. Nach seinem Amtsantritt habe er das Planungsrecht erteilt und trotz Turboplanung dauere es elf Jahre bis zur Fertigstellung. Das zeige, wie schwerfällig Planungsrecht sei, trotz des legiti

men Interesses der Bürger. Über 50 Grunderwerbsverhandlungen hätten geführt werden müssen und ein Klageverfahren sei angestrebt, letztlich aber zurückgezogen worden. „Doch wenn der gute Wille da ist, dann ist die Sache zum Erfolg verdammt“, betonte Ramsauer.

Nun böten sich dem Ort tolle städtebauliche Möglichkeiten. „Obing wird ein wunderbarer Ort mit riesigen gestalterischen Möglichkeiten.“

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