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Aus dem Gemeinderat

„Nicht zu träumen gewagt“: Die Untersuchungen der Haager Burg bringen Erstaunliches zutage

Die Geschichte der Haager Burg reicht über 800 Jahre zurück. Das zuständige Ingenieurbüro hat bei bauhistorischen Untersuchungen Erstaunliches entdeckt.
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Die Geschichte der Haager Burg reicht über 800 Jahre zurück. Das zuständige Ingenieurbüro hat bei bauhistorischen Untersuchungen Erstaunliches entdeckt.
  • VonAnja Leitner
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Christian Kayser stellte im Gemeinderat die bauhistorischen Untersuchungen der Haager Burg vor. Das hat das Ingenieurbüro entdeckt.

Haag – „Befunde, von denen wir nie zu träumen gewagt hätten“: So charakterisierte Dr. Christian Kayser vom Ingenieurbüro Kayser, Böttges, Barthel und Maus die Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchungen der Haager Burg. Im Juni 2018 hatte der Gemeinderat die Analyse in Auftrag gegeben, die das Ingenieurbüro „in einem dicken Telefonbuch“ zusammengetragen und die Kayser dem Gremium in der jüngsten Sitzung vorgestellt hat.

Aufwendige Ausstattung im Spätmittelalter

Dabei gab er einen Einblick in die Geschichte der Haager Burg, die über 800 Jahre zurückreiche. Um 1200 hätten die Gurren die Anlage übernommen, 1265 sei das Anwesen an die Fraunberger gegangen. Die wohl größte und bedeutendste Ausstattung der Burg – mit äußeren Ringen, Halbschalentürmen, Wehrgang, Palast, Vorburg und Vortürmen und mit Toranlagen – wäre im Spätmittelalter vonstattengegangen, wie Kayser dem Gemeinderat berichtete. Zu dieser Zeit sei auch der Zehentstadel entstanden.

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Nach 1500 war „die Burg wehrtechnisch hoffnungslos veraltet“, berichtete Kayser in seinem Vortrag, „der Kanonenstock – vier Feldgeschütze auf Rädern – wurde errichtet, diente aber eher als Machtgeste als zur Verteidigung, denn damit hätte man einer belagernden Armee wenig Angst gemacht“, erklärte der Ingenieur.

1567 sei die Haager Burg an die Wittelsbacher gegangen, 1752 wäre die Löwen- und 1754 die Freitreppe errichtet worden. 1803 sei beim Zehentstadel im westlichen Teil ein Neubau hinzugekommen, 1864 hätten die Maria-Ward-Schwestern den barocken Speisesaal erworben und ein Institut eingerichtet. Auch die Brauerei habe zu der Zeit ihren Platz gefunden: im Zehentstadel, so Kayser.

Die Burg sei in vielerlei Hinsicht spannend, so befinde sich dort einer der ältesten Mantelkamine überhaupt, was ein „ganz bedeutendes und wichtiges Denkmal“ darstelle, betonte der Ingenieur.

Zudem sei in der Burg eine Fallgatter-Anlage zu finden, was laut Kayser „eine Sensation“ sei. „Fallgatter-Anlagen sind im 12. Jahrhundert aufgekommen und müssen zu dieser Zeit sehr faszinierend gewesen sein“, meinte Kayser. In Haag könne das Fallgatter von der Größe her „nicht sehr beeindruckend“ gewesen sein, dafür sei es zu schmal. Die Bedeutung lag damals darin, überhaupt eine solche Anlage zu haben, „um so mit anderen Burgen wetteifern zu können“, erklärte er. Auf Bildern veranschaulichte der Ingenieur, wie das Fallgatter funktionierte.

Zum Hofgartenkomplex, der heute ein beliebter Aussichtspunkt ist, gehöre ein großes Dach, „dass fantastische Befunde zur Außenseite des Grafenstocks“ liefert, unter anderem durch die Holzbalken, die um 1600 verbaut worden sind. Oberhalb der Decken des Hofgartenkomplexes würden sich weitere Decken befinden, „mit den wahrscheinlich einzigen spätgotischen Verkleidungen, die hier mit außerordentlicher Qualität erhalten geblieben sind. Das sind Befunde, von denen wir nie zu träumen gewagt hätten“, verdeutlichte der Ingenieur.

Der Gemeinderat zeigte sich von dem Vortrag begeistert. Hans Urban (CSU) regte an, dass der Vortrag von Kayser im Bürgersaal erneut vorgetragen werden sollte, um die Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit darzulegen. Der Ingenieur zeigte sich bereit, seinen Bericht „gerne zu wiederholen“.

Putz an der Löwenbrücke bröckelt

Florian Haas (PWG) wies darauf hin, dass der Putz der Löwenbrücke, die 2006 schon saniert wurde, bröckele. Kayser erwiderte, dass er darüber Bescheid wisse, es allerdings ein schwieriges Thema sei. „Damals gab es eine große Debatte mit dem Landesamt für Denkmalpflege, ob die Brücke noch mal verputzt werden sollte. Das war ursprünglich geschehen – vermutlich mit Kalkmörtel. Offenkundig ist mittlerweile im Mauerwerk so viel Salz enthalten, dass das Material nicht mehr hält oder es ist bei der Sanierung 2006 nicht gelungen, dieselbe Qualität herzustellen“, vermutete der Ingenieur.

Bernhard Grabmeyer (FWG) schlug vor, die Neuerkenntnisse über die Haager Burg in der Bücherei auszustellen, da die Analyse „viele Lücken schließt und Zusammenhänge herstellt, sodass man richtig Lust kriegt, sich mit der Geschichte zu befassen.“ Kayser meinte, dass dies „für geringes Geld“ möglich wäre, auch mit Unterstützung des Landesamts.

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