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Chefarzt am kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg im Interview

„Neurologie ist die Medizin der Zukunft“: Dr. Tobias Winkler über neue Ansätze bei Long-Covid

Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Klinik für Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum.
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Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Klinik für Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Als damals erste und einzige Klinik für Neurologie zwischen München und Salzburg wurde im Juli 1971 die Neurologische Klinik des damaligen „Bezirkskrankenhauses Gabersee“ in Betrieb genommen. Chefarzt Dr. Tobias Winkler im Interview, wie sich die Neurologie entwickelt hat und wie der neue Behandlungsansatz der Tagesklinik für Menschen mit Post- und Long-Covid aussieht.

WasserburgKeiner geht gerne zum Arzt, doch der Besuch beim Neurologen bereitet vielen Menschen besonders viel Sorgen. Schließlich geht es meistens um mögliche schwere Krankheiten wie Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose. Doch hier hat sich in den vergangenen Jahren in Diagnostik und Therapie viel getan. Woher rührt dieser Entwicklungssprung?

Dr. Tobias Winkler: Die heutige Neurologie hat sich Mitte des 20. Jahrhunderts aus der Psychiatrie und der Inneren Medizin heraus entwickelt. Seitdem haben enorme medizinische Fortschritte sowohl bei bildgebenden Verfahren (Computertomografie, Kernspintomografie, Nuklearmedizin), als auch in labor-basierten Disziplinen wie Biochemie oder Genetik zu einem besseren Verständnis unseres Nervensystems geführt. Darauf aufbauend konnten dann gezielt Medikamente und andere wichtige Therapieformen entwickelt werden, die einen Großteil neurologischer Erkrankungen heute sehr gut behandelbar gemacht haben. In den nächsten Jahren werden wir eine weitere Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten, aber auch der Anzahl neurologisch Erkrankter Menschen erleben – Neurologie ist also die Medizin der Zukunft.

Beim Schlaganfall kommt es ja auf jede Sekunde an. Denn die Hälfte aller Menschen, die heute einen schweren Schlaganfall erleiden, innerhalb kürzester Zeit notfallmedizinisch versorgt werden und danach eine optimale Therapie erhalten, kann wieder ein selbstständiges Leben führen. Bei welchen Symptomen sollte die Alarmglocke schrillen und der Notarzt gerufen werden?

Winkler: Ganz allgemein gilt: Jedes plötzlich neu aufgetretene neurologische Symptom kann Zeichen eines Schlaganfalles sein. Das kann also ein hängender Mundwinkel, ein schwacher Arm, Probleme beim Sprechen oder eine plötzliche Sehstörung sein. Auch plötzlich neu aufgetretener Schwindel kann Zeichen eines Schlaganfalls sein. Die wichtigste Grundregel in der Schlaganfall-Medizin lautet: „Zeit ist Hirn“. Und daher darf man beim Verdacht eines Schlaganfalls keinesfalls zögern oder abwarten, sondern sollte sofort den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

In der Neurologie im kbo-Inn-Salzach-Klinikum ist seit diesem Jahr ein neuer Behandlungsansatz beheimatet: die Tagesklinik für Menschen mit Post- und Long-Covid. Wie ist der Start verlaufen? Wie können Sie Betroffenen dieser in vielen Punkten noch unbekannten Erkrankung helfen?

Winkler: Wie Sie richtig sagen handelt es sich noch um ein nicht vollständig verstandenes Krankheitsbild, das aber ausgesprochen viele Menschen betrifft. Daher ist unsere Tagesklinik seit dem Start im März auch durchgehend voll belegt. Trotz derzeit fallender Fallzahlen bricht die Nachfrage nach Plätzen in unserer Tagesklinik nicht ab. Ganz wesentlicher Punkt der Behandlung hierbei ist eine korrekte Diagnosestellung. Erst wenn wir wissen, dass es sich nicht um eine andere Erkrankung handelt, können wir gemeinsam mit den Betroffenen ein individuelles Therapiekonzept erarbeiten, welches die Alltagsfähigkeit verbessern soll.

Ein neuer Ansatz steht auch im Fokus des wissenschaftlichen Teils beim Festakt am Mittwoch, 21. September: die Immuntherapie bei Multiple Sklerose. Was ist darunter zu verstehen? Gibt es neue Hoffnung, die Krankheit mit den 1000 Gesichtern zu bekämpfen?

Winkler: Die Multiple Sklerose ist eine sehr häufige neurologische Erkrankung, die meist in jungen Jahren erstmals in Erscheinung tritt. Glücklicherweise konnten hier in den vergangenen 15 Jahren viele neue Medikamente entwickelt werden, welche die Behandlungsmöglichkeiten ganz enorm verbessert haben. Dadurch können heute viele unserer Patientinnen und Patienten ohne Beeinträchtigungen leben. Eine Heilung der Erkrankung ist jedoch noch nicht möglich. Immer mehr Menschen werden jedoch durch immer bessere Behandlungsoptionen profitieren können.

Die Neurologie zieht als eine der ersten Abteilungen in den gemeinsamen Neubau von kbo-Inn-Salzach-Klinikum und Romed Wasserburg um. Was verbessert sich im Neubau? Wird das Leistungsspektrum weiter ausgebaut?

Winkler: Im gemeinsamen Klinikneubau des kbo-Inn-Salzach-Klinikums und der RoMed-Klinik Wasserburg werden nicht nur sehr schöne und moderne Räume zur Verfügung stehen, sondern wir werden auch gemeinsam mit unserem Kooperationspartner die medizinische Versorgung für die Menschen in unserer Region verbessern können. In erster Linie kommt dies durch die räumliche Nähe aller medizinischen Disziplinen zustande. Moderne Medizin ist eben Teamarbeit, von der alle profitieren. Für unsere Klinik für Neurologie werden wir durch Kooperationen mit den RoMed-Kollegen aus Neuroradiologie, Kardiologie, Gefäßchirurgie und Intensivmedizin vor allem auf dem Gebiet der Schlaganfallmedizin neue Behandlungsoptionen anbieten können.

Wohin entwickelt sich die Neurologie? Was sind die Herausforderungen der Zukunft?

Winkler: Es gab vielleicht keine bessere Zeit, Neurologie zu erleben als heute. Wir erleben in atemberaubender Geschwindigkeit bahnbrechende medizinische Fortschritte, die allen Menschen zugutekommen. Wir werden in den nächsten Jahren erleben, dass weitere Krankheiten beherrschbar werden, die heute als unheilbar gelten. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Therapien auch allen unseren Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen. Dabei kommt uns neben unseren eigenen Behandlungsmöglichkeiten auch unsere gute Vernetzung mit den Münchner Universitätskliniken zu Gute.

Im Neubau ist die Neurologie top untergebracht und hochmodern ausgestattet. Doch der Fachkräftemangel bereitet Sorgen. Wie werben Sie um Ärzte, Therapeuten sowie Pflegepersonal?

Winkler: Der Fachkräftemangel bereitet natürlich allen Bereichen des Gesundheitssystems große Sorge. Wir sind überzeugt davon, dass unser eigenes Neuro-Team aus medizinischem, pflegerischem, therapeutischem und technischem Personal dabei die beste Werbung ist. In der Klinik für Neurologie gibt es einen großartigen Zusammenhalt - ein „Wir“-Gefühl, auf das ich sehr stolz bin. Und wer gerne mit uns arbeitet, Sinn in der Arbeit sieht und Wertschätzung erfährt, wird auch neue Interessenten überzeugen können.

Zum 50. Jahrestag lädt das kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg mit coronabedingter einjähriger Verspätung zum Festsymposium am kommenden Mittwoch, 21. September, ab 16 Uhr ein. Es wird um zeitnahe Anmeldung gebeten. Die Veranstaltung wird nach dem 2G-Prinzip geplant.

50 Jahre Klinik für Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum

Eröffnung: 5. Juli 1971

Erste neurologische Klinik zwischen München und Salzburg. Damals ausgerichtet auf 1.000 Patienten jährlich. (2019 werden doppelt so viele Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie ursprünglich angenommen in der Klinik behandelt.)

1974: Einführung von nuklearmedizinischen Untersuchungen und 1976: Der erste Computertomograf wird in Betrieb genommen.

2007: Eröffnung der Stroke-Unit für Schlaganfallpatienten.

2017: Beitritt zum Schlaganfallnetzwerk in Südost-bayern.

2019: Einführung der multimodalen Schmerztherapie.

2020: Einführung der Schluckdiagnostik.

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