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Festakt in Wasserburg

Neuer Kultur-Preisträger des Landkreises: Darum erhält Peter Ludwig den „regionalen Oskar“

Kulturpreisträger Peter Ludwig an seinem geliebten Klavier: Er spielt täglich.
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Peter Ludwig, Kulturpreisträger
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Komponist, Pianist, Arrangeur, Filmemacher: Peter Ludwig aus Wasserburg ist ein Tausendsassa. Jetzt hat der vielfach Ausgezeichnete auch noch den Kulturpreis des Landkreises erhalten. Warum er sich darüber besonders freut.

Wasserburg - Hier zu arbeiten - über den Dächern der Stadt - muss inspirierend sein. Kein Wunder, dass Peter Ludwig, der seit 30 Jahren in Wasserburg lebt, so voller Ideen sprüht. Er wohnt und arbeitet auf der Burg, mit Traumblick Richtung Innschleife, Tonstudio hinter dicken Festungsmauern, viel Platz für ihn und weitere Musikerfreunde. Hier hat der 71-Jährige seine Ruhe, um zu komponieren, zu schreiben, zu spielen. Hier hat er ausreichend Platz in der großen, auf mehreren Etagen verteilten Wohnung, um sogar kleinere Orchester zu versammeln. Hier hat er die Möglichkeit, laut aufspielen zu lassen, ohne dass Nachbarn gestört werden. In dieser „faszinierenden Stadt“ wird ihm am Dienstag, 22. November, der Kulturpreis des Landkreises verliehen. „Eine große Ehre“, sagt er, „ich sehe in der Auszeichnung eine Art regionalen Oskar für mein Lebenswerk“, ergänzt er schmunzelnd beim Gespräch mit der Wasserburger Zeitung, zu dem es eine Schale frisch aufgebrühten Tee gibt.

Nur vier dicke Steinstufen entfernt vom Esszimmer steht das Klavier, an dem Ludwig täglich spielt. Daneben: ein Schreibtisch mit Notenblättern - neue Kompositionen. Und die Kamera, die der Kulturpreisträger einsetzt wie ein Musikinstrument: Seit 2008, als er seinen ersten Film gedreht hat, erzählt er nicht nur mit dem Klavier seine Geschichten, sondern auch mit der Kamera. Seine Werke für die Kinoleinwand sind eine Reminiszenz an den französischen Film noir der 40er und 50er-Jahre. Ludwigs Geschichten: eher morbid, wie etwa bei „Blind date“, einem Film über Mord als Dienstleistung, dokumentarisch wie bei „Corona Wasserburg 2020“, ein Film, der die düstere Stimmung in der Stadt beim ersten Lockdown einfing, oder „Paris“, ein differenziertes Bild der Metrepole jenseits der Prachtboulevards.

Hochglanz à la Hollywood interessiert ihn nicht

Hochglanzfilme à la Hollywood interessieren Ludwig nicht. Ihn faszinieren die Schattenseiten des Lebens - er zeigt gerne, was paradox klingt, aber nicht ist -, „was man noch nicht sieht“. Kurzum: Er liebt das Geheimnisvolle, traut sich auch, zu provozieren, den Weg des Mainstreams zu verlassen. Das gilt auch für seine Musik: Sein Tango kann sich schon einmal bis zu einer „teuflischen Raserei“ entwickeln, berichtet Ludwig schmunzelnd. „Ich mach, was ich will“, bringt er diese Eigenwilligkeit auf den Punkt. Noch nie habe er sich gefragt, ob eine Komposition, ein Film, ein Text funktionieren oder ein Konzert ankommen, in die Zeit passen, gefallen würden. Oft sei er sogar ausgestiegen, wenn es gerade besonders gut lief: etwa nachdem er in der Zeit der Liedermacher seinen Hit „Kieselsteine“ platziert hatte und Produzent Ralf Siegel auf ihn aufmerksam wurde. Er ließ Ludwig einen LP aufnehmen - und wurde „ganz blass“, als er feststelle, wie experimentell Ludwig die Aufnahmen umgesetzt hatte, berichtet er lachend.

Ein großer Erfolg war auch Ludwigs Zeit als einer der ersten Musiktherapeuten. Er arbeitete zehn Jahre mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Mit dieser Arbeit gewann er Preise und spielte sogar auf dem Odeonsplatz in München.

60 Auftritte mit Iris Berben

Ludwig trat auch mit Berühmtheiten auf: Mit der Schauspielerin Iris Berben stand er 60 Mal auf der Bühne - bei einer Lesung mit Musik, die die Tagebücher von Anne Frank und des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels gegenüberstellte. Gemeinsam füllten sie große Säle. Trotzdem liebt Ludwig eigentlich die kleinen Bühnen: Clubs wie das Le Pirate in Rosenheim oder das legendäre „Barabarossi“ in Wasserburg, in der Künstler früher live auftraten - vor kleinem Publikum, das früher noch neugierig war auf neue Musik, sich freute, wenn der Künstler nur wenige Meter entfernt quasi hautnah zu erleben war.

Hier geht es zu Ludwigs Webseite:

Ludwig hat diese Glanzzeiten der Kultur, als die Menschen noch hungrig waren, erlebt. Nicht erst seit der Pandemie, in der die Künstler stark gelitten haben, sei es anders geworden. Konzerte werden zu Events in Fußballstadien, Ausstellungen zu Spektakeln. Ein klassisches Trio wie „Tango à Trois“ mit Ludwig (Piano), Arben Spahiu (Violine) und Peter Wöpke (Cello), in dem Ludwig derzeit die „Besten der Besten“ versammelt hat, wie er schwärmt, tue sich ebenso schwer wie ein kleines Theater oder ein Programmkino. „Ich will mich nicht beklagen, aber die Probleme beim Namen nennen“, sagt Ludwig, „ich bin so froh, dass ich das Andere auch erlebt habe.“ Heute sind die Menschen seiner Erfahrung nach oft satt, manchmal nicht mehr bereit, vom Sofa aufzustehen, sich einzulassen auf Neues, sich Zeit zu nehmen für Darbietungen abseits des Mainstreams. Auch deshalb freut er sich so sehr über den Kulturpreis der Landkreises. Denn dieser würdige ein Lebenswerk, das geprägt sei vom Bedürfnis „Geschichten zu erzählen“. Mit dem Klavier, der Kamera und seit Neuestem auch mit dem Stift: Denn Ludwig schreibt Kurzgeschichten, „die auf eine Seite passen“. Ob er auch damit Erfolg haben wird? „Egal, ich mach das sowieso“, sagt er. „Tja, ich mach, was ich will. Dass ich das kann und darf und jetzt dafür sogar ausgezeichnet werde in meiner Heimatstadt, das ist wunderbar.“

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