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Demenzspezialistin am Inn-Salzach-Klinikum

Neue Chefärztin in Wasserburg ist Expertin für das spannendste Organ des Menschen

Neue Chefärztin im Zentrum für Altersmedizin: Professorin Janine Diehl-Schmid.
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Neue Chefärztin im Zentrum für Altersmedizin: Professorin Janine Diehl-Schmid.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Milliarden Nervenzellen arbeiten in einem komplexen System: Kein Wunder, dass Professorin Janine Diehl-Schmid findet, das Gehirn sei das spannendste Organ des Menschen. Zwei Jahrzehnte lang hat sie es erforscht. Seit dem 1. Februar bringt sie ihr Wissen als neue Chefärztin am Inn-Salzach-Klinikum ein.

Wasserburg – „Das Herz ist – eigentlich – ein ganz simples Organ“, erklärt Professorin Janine Diehl-Schmid. Es pumpe Blut, mehr nicht. „Das Gehirn dagegen ist das, was uns ausmacht – unseren Charakter, unsere Art“, findet die 49-Jährige. Werde das Gehirn krank, „verlieren wir uns“. Dann kann aus einem aktiven, intelligenten Mann ein antriebsloser verwirrter Mensch werden oder aus einer zugewandten, freundlichen Frau eine aggressive Person, die ihren Ehemann nicht mehr erkennt.

Patienten und Angehörige finden Hilfe im Zentrum für Altersmedizin am Inn-Salzach-Klinikum (ISK). Hier will Diehl-Schmid als Chefärztin den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Diagnostik und Therapie Betroffener in allen Krankheitsstadien legen. Der Ärztliche Direktor des ISK, Professor Dr. Peter Zwanzger, betont die internationale Erfahrung der Spezialistin für Gedächtnisstörungen. Mit Diehl-Schmid sei es gelungen, eine ausgewiesene Demenzexpertin nach Wasserburg zu holen. Sie habe zum Thema viel geforscht und viel publiziert, so Zwanzger – und sei trotzdem stets ganz nah am Patienten gewesen als Leiterin des Zentrums für Kognitive Störungen am Klinikum Rechts der Isar, wo eine der größten Gedächtnisambulanzen in Deutschland ansässig ist. Diehl-Schmid hat über 200 Veröffentlichungen als Erst- und Co-Autorin zu demenziellen Erkrankungen verfasst.

Sitzgymnastik in einem Seniorenheim: Auch solche Beschäftigungen tragen zur Zufriedenheit von Demenzkranken bei.

Ziel: eine bessere Lebensqualität

Auch hier lag der Fokus nach ihren Angaben auf der Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen. Dabei würden Medikamente zwar eine Rolle spielen, jedoch nach wie vor keine entscheidende, bedauert Diehl-Schmid. Der Traum der Mediziner, demenzielle Erkrankungen medikamentös zu heilen, habe sich bisher nicht erfüllt. Trotzdem gebe es Möglichkeiten, die Lebensqualität der Erkrankten zu verbessern. Erster Schritt: eine möglichst frühe Diagnose. „Denn es gibt viele Möglichkeiten, Erleichterungen zu erreichen.“ Ein wichtiges Instrument sei die Information, sagt die Chefärztin der fünf alterspsychiatrischen Stationen des Klinikums. Gut aufgeklärte Betroffene und pflegende Angehörige könnten besser mit der Erkrankung umgehen. Dabei unterstützen nach Erfahrungen von Diehl-Schmid auch Pflegestützpunkte und Organisationen wie die Alzheimer Gesellschaft. Sie würden ein dicht geknüpftes Netzwerk an Beratungsstellen und Hilfsangeboten vorhalten.

Im Fokus stehe stets der zufriedene Patient. Sei er unruhig oder antriebslos, leide auch das Umfeld. Deshalb sei es wichtig, ein Therapiekonzept zu entwickeln, das stabilisierend wirke. Diehl-Schmid legt von daher auch Wert auf die sogenannte „aufsuchende Behandlung“ bei Heim- und Hausbesuchen. Auch tagesklinische Behandlungsmöglichkeiten will Diehl-Schmid installieren – und die ambulante, interdisziplinäre Gedächtnissprechstunde ausbauen.

Sie stellt immer wieder fest, wie positiv sich die richtige Behandlung und Betreuung auf die Zufriedenheit der Patienten auswirken. „Sehr gut aufgestellt“ sei diesbezüglich das Pflegepersonal in den Heimen, stellt sie immer wieder fest – „einfach fantastisch, wie herzlich und offen mit Demenzkranken umgegangen wird“.

Junge Mediziner tun sich schwer

Fachpersonal fehlt nach ihren Erfahrungen vor allem im ärztlichen Bereich. Die junge Generation der Mediziner tue sich schwer mit der Spezialisierung auf demenziellen Erkrankungen. „Das ist schließlich sehr belastend. Wir Ärzte wollen heilen, doch wenn wir Menschen mit demenziellen Erkrankungen begleiten, wissen wir, dass diese sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden und die Krankheit nicht heilbar ist.“

Grundsätzlich ist die Altersmedizin in ihren Augen eine Sparte der Zukunft. Denn die Menschen werden immer älter, wer 90 Lebensjahre erreiche, müsse zu 50 Prozent damit rechnen, an Demenz zu erkranken. Auch deshalb müsse weiter viel getan werden für die Versorgung der Patienten und für ihre Angehörigen – der gemeinsame Neubau mit der Romed-Klinik stelle hierfür den idealen Rahmen, sagt Diehl-Schmid.

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