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Dubioser Pflegeservice

Neue Abzock-Masche in Wasserburg: Bei diesem Anruf sollten alle Alarmglocken schrillen  

Mit immer neuen Maschen versuchen Betrüger, vor allem Senioren am Telefon abzuzocken.
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Mit immer neuen Maschen versuchen Betrüger, vor allem Senioren am Telefon abzuzocken.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Über 6000 Euro aus der Pflegekasse: Das klang für eine 94-Jährige aus dem Raum Wasserburg verlockend. Doch dahinter steckte eine fiese Betrugsmasche.

Wasserburg – 6.280 Euro von der Pflegekasse: Das klang für eine Seniorin aus dem Wasserburger Land fast wie ein Sechser im Lotto. Doch das Versprechen per Telefon und Brief erwies sich als fiese Betrugsmasche. Dass sie nicht funktioniert hat, verdankt die 94-Jährige ihren Nichten, die den Trick erkannten.

Per Telefon hatte die betagte Dame zum ersten Mal Kontakt mit einem angeblichen Pflegeservice. Am Telefon verwickelte sie ein Unbekannter in ein Gespräch. Ob sie Interesse an Informationsmaterial zu ihren Ansprüchen habe? Die Seniorin sagte ja. Am 7. Juli flatterte der vielversprechende Brief bei der daheim lebenden und dort auch betreuten betagten Dame ein.

Die Gebühr von 129 Euro ist eine Falle

Sie habe aufgrund ihres Pflegegrads einen gesetzlichen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Das Geld bekomme sie, wenn sie zuvor eine Servicegebühr von 129 Euro bezahle, hieß es darin. Absender: ein „Pflegeservice Smart“ in der Schweiz.

Mit drängenden Worten wurde im Schreiben ein Nerv getroffen: Jahrzehntelang sei eingezahlt worden in die Krankenversicherung, jetzt bestehe Gefahr, dass Ansprüche verloren gehen würden. „Lassen Sie sich Ihr Geld nicht nehmen!“ Damit dies nicht geschehe, müsse jedoch eine Servicegebühr bezahlt werden. Ein Überweisungsschein lag bei. Die Seniorin ging jedoch nicht zur Bank, sondern sprach ihre Nichten auf die Post an. Diese erkannten die Masche sofort. Am 22. Juli kam dann jedoch der zweite Brief – mit seitenweisen „Informationen“ und einer „Zahlungserinnerung“. Mehrfach erfolgt hier die Aufforderung, möglichst schnell zur Bank zu gehen.

Die Verwandten der alten Damen entschlossen sich, den Fall bei der Polizeiinspektion Wasserburg anzuzeigen. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat das Ermittlungsverfahren mittlerweile eingestellt, doch die Angehörigen der 94-Jährigen möchten trotzdem, dass die Bevölkerung gewarnt wird. Sie haben sich an die Redaktion der OVB-Heimatzeitungen gewandt, an die Leiterin des Bürgerbahnhofs Wasserburg, Ethel- D. Kafka, und an Seniorenreferentin Friederike Kayser-Büker. Bei Seniorentreffs in der Stadt wird die Telefonabzocke derzeit thematisiert.

Denn es sei eine perfide Masche. Es werde mit den Gefühlen der Menschen gespielt, die Pflege bekämen. „Meine Tante hat sich narrisch gefreut“, berichten die Nichten des Opfers, die alte Dame habe noch lange gehofft, dass es sich nicht um einen Betrug handelt.

Diese Betrugsmasche ist neu im Dienstbezirk der Polizeiinspektion (PI) Wasserburg, sagt PI-Chef Markus Steinmaßl. In den Datenbanken der bayerischen Polizei seien jedoch etwa 140 ähnliche Vorgänge bekannt. Auch die Verbraucherzentralen warnen seit Juni vor der Telefonabzocke eines vermeintlichen Pflegeservices. Er rufe ältere Menschen an, deren Namen vermutlich aus dem Telefonbuch gesucht würden, verschicke dann Rechnungen über „Servicegebühren“, obwohl keine Verträge abgeschlossen worden seien, warnt unter anderem die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Wasserburgs Polizeichef Steinmaßl rät grundsätzlich: „Niemals sofort überweisen.“ In diesem Fall hätten die Angehörigen genau richtig reagiert, auf ihre Alarmglocken im Kopf gehört und die Polizei verständigt. Denn es sei absolut unüblich, dass Stellen wie die Pflegekasse für Leistungen, auf die ein Anspruch bestehe, im Vorfeld Bearbeitungsgebühren einfordern würden. Außerdem sei es wichtig, einen genauen Blick auf den Absender zu werfen: „Öffentliche Einrichtungen melden sich nicht aus Malta“, nennt Steinmaßl als Beispiel. Auch ein Pflegeservice aus der Schweiz kümmere sich nicht um die Ansprüche deutscher Bezieher von Leistungen. Es biete sich deshalb an, die Adresse der eigenen Versicherung oder Pflegekasse herauszusuchen, anzurufen und sich zu erkundigen.

Polizei: Betrüger rhetorisch geschickt

Das empfehle die PI auch immer allen, die von falschen Polizisten aufgefordert würden, ihren Schmuck herauszugeben oder Bargeld abzuheben: bei der Inspektion nachzufragen, ob das sein könne.

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Kann es natürlich nicht, doch die Betrüger arbeiten nach Erfahrungen von Steinmaßl mit perfiden Mitteln und sind in der Regel rhetorisch sehr geschickt. Opfer würden sich oft, wenn sie die Masche durchschaut hätten, so schämen, dass sie sich nicht trauen würden, sich jemandem zu offenbaren. „Das ist Blödsinn, es kann jeden treffen. Schämen muss sich niemand, der auf eine solch perfide Masche hereingefallen ist“, sagt Steinmaßl.

Das passiere vor allem Senioren selten, die in ein Umfeld eingebunden seien, das aufpasse. So wie im Fall der 94-jährigen. Sie vertraute sich den pflegenden Angehörigen an. Diese schritten ein und verhinderten, dass die Masche aufging.

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