80 Figuren auf 5 Meter

Margarete Kölbl liebt ihre prächtige neapolitanische Krippe, in der eine Figur schwer zu finden ist

Margarete Kölbl vor ihrer 5 Meter langen neapolitanischen Krippe in Wasserburg.
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Margarete Kölbl vor ihrer 5 Meter langen neapolitanischen Krippe in Wasserburg.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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So stellt man sich gemeinhin eine Krippe vor: Ein Neugeborenes auf Stroh gebettet, links und rechts Maria und Josef, davor die Heiligen Drei Könige, dahinter Ochs und Esel, drumherum ein paar Hirten und Schafe: ein christliches Symbolbild, das die Armseligkeit des Stalls von Betlehem zum Ausdruck bringt. Es geht aber auch ganz anders: Die neapolitanische Darstellung einer Krippe gleicht einem rauschenden Fest, bei dem sich Lebensfreude pur entfaltet.

Wasserburg – Masken aus der italienischen Commedia dell’arte Margarete Kölbl hat ein solches Kunstwerk in ihrem Haus aufgebaut, ein prächtiges Werk, das den Betrachter in eine opulente Welt entführt. Was für eine Augenweide!

Hier ist die Frau des Bürgermeisters in ihrem Element und kann ihre Liebe zum Detail zum Ausdruck bringen. Den staunenden Besucher lässt sie gern an ihrem Fachwissen teilhaben: „Die große Zeit der neapolitanischen Krippe war der Barock.“ Diese Krippen mit den charakterstarken Köpfen erinnern sofort an die Masken der italienischen Commedia dell’arte. Die Szene der Geburt Christi wird dort oft in äußerst aufwendige und fein gestaltete Straßen- und Marktszenen eingebettet, sodass die Darstellung der Geburt Jesu oft nur noch nebensächlich erscheint.

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In der Neapolitanischen Krippe ist Jesus schwer zu entdecken

Im Barock wurden in Österreich und Süddeutschland (Bayern, Schwaben, Allgäu) viele Krippen in unterschiedlichen Stilrichtungen geschaffen.

Prächtig und detaillreich sind die Figuren der neapolitanischen Krippe der Wasserburgerin Margarete Kölbl.

Das Jesuskind mit Maria und Josef muss man auch in Kölbls Hauskrippe lange suchen: „Hier tut man sich schwer, diese Figuren zu finden“, sagt die Sammlerin und lächelt: „Sie erkennen vor allem das alte Neapel, wie es leibt und lebt, Sie sehen das pralle, volle Leben im historischen Ortskern. Sie sehen die alten Gassen, Leute, die an reich gedeckten Tischen sitzen, Bauern mit Schubkarren, Bäckerinnen hinter Körben mit Brot, mit Obst überladene bunte Marktstände.“

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80 Krippenfiguren auf 5 Metern

Die Tomaten und die Weintrauben sind übrigens aus Wachs gefertigt – und sehen total realistisch aus. Das Auge springt von Szene zu Szene – hier ein Spaßmacher, dort ein Bettler, Verkäuferinnen in bunter Tracht, junge und alte Leute. Harmonisch hat Kölbl bayerische Elemente hinzugefügt – Hirten treiben Kühe und Esel voran, ein Hund – er stellt den gestorbenen Golden Retriever der Familie Kölbl dar – sitzt vor einem gut gefüllten Fressnapf.

Insgesamt sind gut 80 Figuren auf fünf Metern ums Eck versammelt und etwa ebenso viele Tiere. „Das ist meine religiöse Puppenstube“, sagt die Kunsthandwerkerin und lächelt. Eine Stube ganz nach ihrem Stil. Die in St. Petersburg gekaufte Silberschale kommt hier ebenso zur Geltung wie die Baumwurzeln, die sie von Wanderungen mitgebracht hat.

Viele Krippen im Bayerischen Nationalmuseum

Und wie ist sie zum diesem Hobby gekommen? „Mein Vater war Kunsterzieher, und als Kind habe ich regelmäßig das Bayerische Nationalmuseum besucht und mich dort inspirieren lassen.“ Dieses Museum besitzt die künstlerisch wertvollste Krippensammlung der Welt. Gezeigt werden mehr als 60 figurenreiche Weihnachtsszenen, die im Alpenraum und in Italien zwischen 1700 und dem frühen 20. Jahrhundert entstanden sind.

Die Krippe spiegelt das Leben in der Stadt Neapel, etwa einen Marktstand.

Ab 1995 machte Kölbl aus ihrem Faible für Krippen ein echtes Hobby, sie besuchte Krippenvereine, in denen sie das Handwerk lernte. Und der CSU-Politiker Marcel Huber, ein großer Krippenfreund, gab ihr einst den Tipp, nach Neapel zu fahren. 1999 war sie zum ersten Mal in der Stadt am Vesuv, und mit jedem Besuch bei den dortigen Krippenbauern wird ihre Tonfiguren-Sammlung größer.

Abgebrochene Finger zu ersetzen, ist eine Filigranarbeit

Mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl werden sie gefärbt, angekleidet und repariert. Abgebrochene Finger zu ersetzen ist eine Filigranarbeit. „Das ist schwierig, eine regelrechte Wissenschaft“, so die Krippenexpertin. Mittlerweile beherrscht sie ihr Handwerk perfekt.

Besteht die Möglichkeit, das Kunstwerk im Klosterweg zu besichtigen? Leider nein. „Normalerweise freue ich mich über Besucher, aber wegen Corona geht es heuer nicht“, bedauert Kölbl. Doch eins steht fest: Ihre neapolitanische Krippe ist unvergänglich.

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