Nachruf auf Rudolf Greißl aus Gars

Rudolf Greißl
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Rudolf Greißl

Sein buntes Halstuch trug Rudolf Greißl immer, wenn er keine Feuerwehruniform anhatte. Nun ist der Garser, der früher Kreisbrandmeister war, im Alter von 81 Jahren verstorben. Der Malermeister war sehr beliebt und er galt als Garser Original.

Von Bruno Münch

Gars – Im engsten Familienkreis wurde Rudolf Greißl, Malermeister und ehemaliger Kreisbrandmeister, auf dem Friedhof Gars beigesetzt. Einige Feuerwehrkommandanten aus dem Landkreis waren mit ihren Fahrzeugen gekommen und gaben ihrem früheren Kollegen in Friedhofsnähe ein ehrenvolles Geleit. Erst durch die kürzlich gelockerten Corona-Auflagen war dies möglich.

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Am 18. Januar 1939 wurdeRudolf Greißl als zweites Kind der Eheleute Georg und Lilly Greißl geboren.

Nach einer Malerlehre in München arbeitete er zunächst in der Schweiz und trat nach einem Herzinfarkt des Vaters in den elterlichen Malerbetrieb ein. Seine Meisterprüfung mit Diplom legte er 1961 ab.

Im Jahr 1959 lernte Rudi seine spätere Frau Erna kennen. Sie heirateten 1963 und bekamen drei Töchter, die sie später mit vier Enkeln zu Großeltern und sechs Urenkeln zu Urgroßeltern machten.

„Der Rudi ist da, alles wird gut“

1972 übernahm der Verstorbene den elterlichen Malerbetrieb und führte ihn in vierter Generation weiter. Mit Unterstützung seiner Frau wurde dem Betrieb bald noch ein Farben- und Tapetenladen angegliedert.

Oft zauberte er Farben auf Bestellung in seiner Werkstatt, die auch „Hexenhäusl“ genannt wurde.

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Ein besonderes Anliegen war ihm eine gute Ausbildung seiner Lehrlinge. Im Vordergrund stand für ihn immer der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten. , Zeugnisnoten waren ihm eher zweitrangig. Immer hatte er ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Mitarbeiter, manchen konnte er bis zur Meisterprüfung begleiten und einer verbrachte sogar sein ganzes Berufsleben von der Lehre bis zur Rente in seinem Betrieb. Diesen übergab er im Jahr 2003 an seine Tochter Doris. Mit Herzblut und Freude arbeitete er bis zu seinen Krankheitstagen als einer von vier Beschäftigten mit. Sein buntes Halstuch, ohne das er nicht gesehen wurde, galt als sein unentbehrliches „Markenzeichen“.

Seine berufliche Tätigkeit sah Rudolf Greißl als seine Berufung an. Die hingebungsvolle Beratung und fantasievollen Einfällen des Meisters, dem oft der Schalk im Nacken saß, begründeten seinen Ruf als Garser Original.

Aktiv beteiligte er sich am Leben der Marktgemeinde: So mancher Faschingsball, Umzug oder Theateraufführung kam dank seiner Initiative oder Beteiligung zustande. Ein weiterer Lebensmittelpunkt war für Rudolf Greißl die Freiwillige Feuerwehr, in der er sich von 1955 an engagierte und für die er „brannte“. Nach speziellen Ausbildungskursen wirkte er als Zug- und Truppenführer, im Katastrophenschutz, bei der Atemschutzausbildung und vielem mehr. Von 1973 bis 1999 wurde er mit dem Amt des Kreisbrandmeisters im Landkreis Mühldorf betraut. Viele Rettungseinsätze im Verkehr und bei Bränden hat er in seiner Laufbahn erlebt, und er konnte von manchem erfolgreichen Einsatz bei der Rettung von in Not geratenen Menschen berichten. Aber auch tragische Ereignisse beschäftigten ihn und ließen ihn manchmal nicht mehr los. Seine gute Schulung und seine langjährige Erfahrung brachten es mit sich, dass bei Feuerwehreinsätzen bei Kollegen das geflügelte Wort umging: „Der Rudi ist da, alles wird gut.“ Auch als Organisator von Großübungen, die dann z.B. „Explosion im Bahnhof“, „Brand in Kloster Au, Behindertenheim“ oder „Schulbusunfall an der Brücke“ genannt wurden, machte er sich einen Namen. Dazu holte er alle ins Boot: das Technische Hilfswerk, die Polizei, Feuerwehren aus anderen Landkreisen, Rettungsdienste und manchmal forderte er dazu auch Hubschraubereinsätze an. Erzählt wird, dass sich Rudolf Greißl besondere Verdienste bei der Löschung des großen Brandes der Klosterkirche Au im Jahr 1969 erwarb: Ihm als dem erfahrenen Einsatzleiter hatte man sogar die Koordination des Einsatzes der regionalen Feuerwehren anvertraut. Die Marktgemeinde wird ihrem beliebten und verdienten Mitbürger ein ehrenvolles Gedenken bewahren.

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