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Nachruf

Gastfreundschaft gab‘s umsonst dazu – Ramerberg und Pfaffing trauern um Metzger Alois Bichler

Mit seinem herzlichen Lachen wird Alois Bichler aus Ramerberg vielen in Erinnerung bleiben.
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Mit seinem herzlichen Lachen wird Alois Bichler aus Ramerberg vielen in Erinnerung bleiben.

Alois Bichler war als Metzgermeister weit über die Gemeindegrenzen von Ramerberg und Pfaffing hinaus bekannt und beliebt. Die Trauer um seinen Tod ist ebenfalls weit über die Gemeindegrenzen hinaus zu spüren, denn er war, so sind sich viele einig, ein „wirklich besonderer Mensch“.

Von Diakon Klaus Vogl

Ramerberg/Pfaffing – Als Alois Bichler am 8. Juli 2022 nach einer schweren Operation wieder nach Hause kam, schien alles langsam seinen gewohnten Gang zu nehmen. Er schaute in der Metzgerei vorbei und saß guter Dinge mit seiner Familie am Stammtisch. Niemand konnte ahnen, dass seine Lebenszeit in dieser Welt schon fast abgelaufen war. Wenige Stunden später erlitt er einen Schlaganfall. Gott sei dank hatte die Familie noch die Möglichkeit, sich von ihm zu verabschieden. Pfarrer Mittermeier mit dem, sie eng verbunden sind, hat sie dabei begleitet. Sie durften mit dabei sein, als Alois ruhig und friedlich eingeschlafen ist.

Mit 17 Jahren den ersten Stier gekauft, mit 81 den letzten

Alois Bichler war wirklich ein besonderer Mensch. Als starke Persönlichkeit hat er seine Familie, ihre Betriebe sowie die Dorfgemeinschaften von Ramerberg und Pfaffing unterstützt und geprägt. Dies spiegelte sich auch bei der übergroßen Trauergemeinde und der herzlichen Anteilnahme an der Trauerfeier wieder.

Sein letztes musikalisches Geleit gaben ihm die Hinterberger Musikanten mit auf dem Weg.

Alois Bichler kam am 9. Juni 1941 in Ramerberg als Erster von vier Brüdern zur Welt. Nach ihm wurden Helmut, Theo und Reinhard geboren. Theo ist bereits 2013 verstorben. Alois wuchs bei der Brandl-Oma in Schalldorf auf. Als er sechs Jahre alt war, zog er mit ihr nach Ramerberg, wo er die Schule besuchte. Hernach absolvierte er eine Metzgerlehre in München und legte als jüngster Teilnehmer mit 21 Jahren seine Meisterprüfung ab.

Zweite Metzgerei in Pfaffing

Beim Tanzen in Ramerberg lernte er seine spätere Frau Marianne kennen und lieben, die bei ihrer Tante Leni Hain gearbeitet hat. 1967 läuteten für die beiden die Hochzeitsglocken. Im gleichen Jahr übernahm Alois mit seiner Marianne die Gastwirtschaft seiner Eltern mit angeschlossener Metzgerei. Aus der Ehe von Marianne und Alois gingen die Töchter Marianne, Brigitte und Luise hervor.

1975 eröffnete Alois eine zweite Metzgerei in Pfaffing. Der Alois war mit Leib und Seele Metzger und Wirt. Das Herstellen verschiedener Wurstwaren, das Hinausfahren zu den Bauern ins Gäu, das Würzen der Braten, die Arbeit in der Küche sowie der Kontakt zu seinen Gästen waren für ihn nicht nur Arbeit, sondern sein Leben. Er ging durch die Wirtschaft, begrüßte die Gäste, wechselte ein paar Worte, fragte, ob alles passt oder ob´s „no bisserl a Sauce“ braucht. So beschrieb es in seiner Grabrede auch einer seiner vielen Stammgäste. „Die Gastfreundschaft und die herzliche Begrüßung gab es beim Alois Bichler immer umsonst zum Essen dazu“, erinnerte er und sprach damit vielen Gästen aus dem Herzen.

Mit siebzehn kaufte der Alois seinen ersten Stier, mit 81 den letzten. 55 Jahre hat er Lehrlinge ausgebildet. Der Letzte ist gerade fertig geworden. Der weiße Metzgerschaber und ab und zu eine gute Zigarre waren typisch für Alois Bichler.

Leidenschaft für Gastronomie ging auf die Töchter über

Die Leidenschaft für die Gastronomie ging auf Alois Töchter über. 1985 wurde der Vogtareuther Hof gekauft, den die älteste Tochter Marianne als Hotel bewirtschaftet. 1987 wurde die Gastwirtschaft in Ramerberg renoviert, die bis heute viele Stammtische und weitere Gäste aus nah und fern anzieht. Einen großen Traum erfüllte sich Alois als er 2001 gegenüber der Metzgerei in Pfaffing den Pfaffinger Hof erbaute, den die jüngste Tochter Luise betreibt. 2009 übernahm Tochter Brigitte den Betrieb in Ramerberg.

Neben der Arbeit freute sich Alois an seiner Familie, an seinen sechs Enkeln und den drei Urenkeln. Alois war lange aktiver Fußballer in Ramerberg. Mitglied war er im Sportverein, bei den Veteranen, der Feuerwehr und dem Schützenverein Pfaffing.

Seine Tenorstimme erklang auch im Kirchenchor

Besonders hervorzuheben sind sein musisches Talent sowie die großartige Tenorstimme, die oft auch im Kirchenchor zum Einsatz kam. Oft hat er zu Hause ein kleines Klavierkonzert gegeben. In geselliger Runde packte er seine Ziach aus und sang dazu.

Alois Bichler war ein fröhlicher und humorvoller Mensch. Immer wieder reiste er für ein paar Tage nach Südtirol. Doch dann zog es ihn schon wieder zurück nach Hause in seine Metzgerei.

Trotz der vielen Arbeit war es ihm wichtig, den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Er hinterlässt eine große Lücke und er wird in den Herzen seiner Wegbegleiter weiterleben.

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