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Der Bräu z’Loh mit dem absoluten Gehör stirbt mit 74 Jahren

So kannte man ihn: Nikolaus Lohmeier im Verkaufsraum seiner Brauerei, wo er gerne mit den Kunden ratschte.
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So kannte man ihn: Nikolaus Lohmeier im Verkaufsraum seiner Brauerei, wo er gerne mit den Kunden ratschte.

Der Bräu z’Loh ist über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt für sein gutes Bier. Er selbst trank am liebsten Helles und zwischen Weihnachten und der Fastenzeit Bock. Zwei Tage nach seinem 74. Geburtstag starb Nikolaus Lohmeier am 14. Februar an den Folgen seiner Krebserkrankung dort, wo er auch geboren wurde – in Loh.

Isen/Dorfen – Aufgewachsen ist er mit zwei älteren Schwestern. Schon als kleiner Bub musste er zuhause mithelfen. Sein Vater erkannte jedoch früh das musikalische Talent seines Sohnes und stellte den damals Zehnjährigen 1957 bei den Regensburger Domspatzen vor. Er wurde sofort genommen, seine Wäsche-Einmerknummer war 111 – dreimal die Eins.

Dazu meinte der Vater, dass er, wenn diese Ziffern auch in seinem Zeugnis stünden, zufrieden sei. Daran hat sich laut Tochter Barbara Lohmeier-Opper ihr Vater gehalten. Weil er einer der wenigen Schüler auf der Realschule war, musste er mit der Straßenbahn zur Schule fahren. Vom Vater erhielt er dafür Geld, das er aber lieber für Eis ausgab.

Nach Schule und Lehre übernahm er den elterlichen Betrieb

Nach dem Schulabschluss machte Nikolaus Lohmeier eine Lehre zum Brauer und Mälzer. Um den elterlichen Betrieb führen zu können, besuchte er noch die Schule für Braumeister in Gräfelfing, Er schloss sie als Innungsbester ab, übernahm bald die elterliche Brauerei und formte sie nach seinen Vorstellungen.

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1977 baute er unter anderem ein neues Sudhaus und heiratete Josefa, mit der er eine Familie gründete. Er wurde Vater von vier Töchtern, die ihm elf Enkel schenkten, für die der Opa zeitlebens der Größte gewesen sei, sagt Barbara.

Musik, Brauereigeschichte und Skifahren waren seine Hobbys

Die Liebe zur Musik blieb Lohmeier. „Mein Vater beherrschte viele Instrumente, am liebsten spielte er Geige und Kontrabass. Er war einer der wenigen Leute mit absolutem Gehör“, so seine Tochter. Das „Musispuin“ habe ihm große Freude bereitet, vor allem die Auftritte mit der Band Lonk und Co. bei der Dorfener Maschkera-Versammlung.

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Der Bräu lebte für seine Brauerei. Bis 2013, als er seine erste Krebsdiagnose erhielt, hat er jeden Sud selbst gemacht. „Darauf war er besonders stolz“, weiß Tochter Barbara. Hauptsächlich war er in der Brauerei. Oft habe er dort auch geschlafen. „Mit Vorliebe im Stüberl auf‘m Kanapee.“ Stundenlang stand er am Füller. Er sei immer für die Brauerei und die Mitarbeiter da gewesen, habe stets ein offenes Ohr gehabt. In seiner knapp bemessenen Freizeit habe er sich gerne der Erweiterung seiner Sammlung rund um Brauereigeschichte und die dazugehörigen Relikte wie Flaschen und Krüge gewidmet.

Er war ein leidenschaftlicher und begnadeter Skifahrer. „Aus Kindersicht waren die gemeinsamen Skitage stets das Highlight im Jahr, da hatten wir ihn endlich für uns“, erinnert sich Tochter Barbara, an die er im Januar 2020 die Brauerei übergab. „Schweren Herzens“, sagt die 42-Jährige, selbst gelernte Braumeisterin „Ich musste ihm richtig verordnen, dass er zusammen mit meiner Mutter die freie Zeit genießt.“

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Im April bekam Lohmeier die erneute Krebsdiagnose. Um noch schöne Tage zu erleben und durch die Medikamente nicht zu sehr geschwächt zu werden, entschied er sich gegen eine Chemotherapie.

„Bis Weihnachten ging es ihm auch relativ gut“, sagt seine Tochter, doch dann verschlechterte sich sein Zustand rapide. „Um zwei Uhr morgens ist er gestorben. Wir waren alle da und haben ihm sein Lieblingslied ,Maria durch ein Dornwald ging‘ gesungen. Daraufhin konnte er uns verlassen.“

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