Nach tödlichen Unfällen: Brückeneinweihung ist lang ersehnter Feiertag für Soyen

Pfarrer Ibalayam Hippolyte segnet die Brücke, jetzt kann der Verkehr fließen. Weithofer
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Pfarrer Ibalayam Hippolyte segnet die Brücke, jetzt kann der Verkehr fließen. Weithofer
  • Winfried Weithofer
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Zwölf Jahre hat es gedauert, bis die Genehmigung da war, nur zwölf Monate, bis das Bauwerk stand: Die Brücke über die Bahn im Soyener Ortsteil Mühlthal ist ein Beispiel dafür, dass Kommunen oft einen sehr langen Atem benötigen, bis ein Großprojekt durchgeführt wird. Doch nun ist das Werk vollbracht.

Soyen – Pünktlich zum Festakt hat sich an diesem grauen Tag dann doch für einige Momente die Sonne blicken lassen: Rund 50 Gäste versammelten sich zur feierlichen Einweihung der Brücke über die Bahnstrecke Rosenheim-Mühldorf im Ortsteil Mühlthal. Über ein Jahr war dort eine Großbaustelle. Ab sofort fließt der Verkehr von der östlich gelegenen Schlichter Seite über die neue Brücke in Richtung Kreisstraße. Auf diesen Moment mussten die Soyener zwölf Jahre warten.

Drei Bürgermeister – ein gemeinsames Ziel

Es ist ein Bauwerk, dessen Fertigstellung die Gemeinde seit Langem herbeigesehnt hat – und dem Anlass entsprechend erschien Bürgermeister Thomas Weber im dunkelblauen Anzug mit mit Amtskette. Zu Beginn seiner Ansprache prangerte er die lange Planungsphase bei dem Projekt an: „Berücksichtigt man, dass es mit mir bereits der dritte Bürgermeister ist, der sich für die Umsetzung eingesetzt hat, so darf man die Beschreibung ‚lange‘ nutzen.“

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Seit 2008 und damit zwölf Jahre seiner Amtszeit habe sich sein Vorgänger Karl Fischberger mit den Planungen beschäftigt. „Er hat sich nicht entmutigen lassen“, lobte Weber. Erste Schritte habe bereits Bürgermeister Lorenz Kebinger 2007 eingeleitet. Doch im Nachhinein sei der Zeitaufwand vielleicht sogar sehr wichtig gewesen, um wirklich alle Belange zu berücksichtigen, so Weber.

Im Juni 2019 konnte endlich der Bau starten, der in nur 15 Monaten abgeschlossen wurde und unter dem Strich 3,5 Millionen Euro kostete. Allein die wuchtige Betonkonstruktion für die Brücke schlug mit 1,1 Millionen Euro zu Buche. Am Rande des Festakts sagte Weber, dass nun noch Landschaftspflege geleistet werden müsse. Zudem werden laut Weber die alten Bahnübergänge Hörgen und Mühlthal planmäßig zurückgebaut.

Mehrere Todesfäle an Soyener Bahnübergängen

„Ich kann der Gemeinde nur gratulieren zu dieser Maßnahme“, erklärte der stellvertretende Landrat Josef Huber in seinem Grußwort und sprach von einem „Feiertag für Soyen“.“Leider ist es so, dass erst Menschen zu Tode kommen müssen, bis man in die Gänge kommt“, so Huber mit Blick auf die tödlichen Unfälle, die sich an den Soyener Bahnübergängen ereignet haben. So wurde im Februar 2016 das Auto eines jungen Zahnarztes aus Gars von einem Zug erfasst, 2007 starb ein Milchfahrer am Übergang Hörgen.

Zwölf Jahre bis zur Genehmigung

Auch Altbürgermeister Fischberger beklagte bei der Feier den hohen Zeitaufwand: „Was mich an dem Ganzen nachdenklich macht, ist die Frage, warum alles so furchtbar lang dauert. Warum brauche ich zwölf Jahre für eine Genehmigung und zwölf Monate zum Bauen?“ Und er erinnerte an den Bau der Bahnstrecke Mühldorf-Rosenheim, der zügig vonstatten ging: Sie sei 1873 gebaut worden, „und 1876 war man fertig“. Trotz allem sei die Einweihung der Brücke ein Grund zum Feiern.

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„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Alexander Reindl vom Mühldorfer Ingenieurbüro Behringer & Partner, das die Bauleitung innehatte. Er dankte für die Geduld der Anwohner in Mühlthal mit der Großbaustelle und die konstruktive Kritik an der Zufahrtstraße, „die nicht zu jedem Zeitpunkt optimal war“. Insgesamt habe es sich um ein „aufwendiges Projekt“ gehandelt. .

Drei Bürgermeister als „Brückenbauer“: Lorenz Kebinger, Thomas Weber und Karl Fischberger (von links).

Das Bauwerk in Zahlen

Die Brücke wurde ab Juni 2019 in nur 15 Monaten erstellt. Gesamtkosten: etwa 3,5 Millionen Euro

Die Spannweite der Brücke beträgt etwa zwölf, die Breite zehn Meter, die Fahrbahn ist 6,50 Meter breit.

Materialaufwand:

227 Meter Bohrpfähle

106 Tonnen Bewehrungsstahl

660 Kubikmeter Ortbeton

5 Betonfertigteile, jeweils 25 Tonnen schwer

27 400 Kubikmeter Schüttmaterial

6000 Kubikmeter Frostschutzschichten

8900 Kubikmeter Asphalt

30 Meter Wellstahldurchlass und eine Stützmauer

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