Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Eines der größten Wandgemälde im süddeutschen Raum

Nach niederländischem Vorbild: Einblattholzschnitt bringt Erkenntnisse über Lebensbaum der St. Jakobskirche

Der Lebensbaum an der Choraußenwand der St. Jakobskirche in Wasserburg.
+
Der Lebensbaum an der Choraußenwand der St. Jakobskirche in Wasserburg.

Ein Einblattholzschnitt bringt neue Erkenntnisse über den Lebensbaum der Wasserburger St. Jakobskirche.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg – Der 52 Quadratmeter große „Lebensbaum“ an der Choraußenwand von St. Jakob ist nicht nur eine der besonderen Sehenswürdigkeiten der an Denkmälern reichen Stadt, sondern auch eines der größten Wandgemälde im süddeutschen Raum. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden, gibt es noch immer Rätsel hinsichtlich des Künstlers und seiner Vorlage auf.

Nach vier Renovierungen innerhalb von 150 Jahren lässt das Gemälde nur noch ikonografische, aber keine stilistischen Rückschlüsse zu. Der kunstgeschichtlich korrekte Ausdruck wäre eigentlich „Lebendes Kreuz“, doch hat sich örtlich der Begriff „Lebensbaum“ eingeprägt.

„Als Normaltyp gilt das lateinische Kreuz, aus dessen vier Balkenenden je eine agierende Hand hervor wächst. Am Wasserburger Lebenden Kreuz fehlen der obere und untere Arm, nur am waagrechten Balken sind die segnende und strafende Hand erkennbar. Stattdessen wird das Kreuz durch einen segnenden Gottvater mit dem Reichsapfel in der linken Hand abgeschlossen, während im dichten Gedränge am Kreuzfuß der übliche Arm durch den auferstandenen Christus, das Fegefeuer, die Hölle und die Schriftbänder überdeckt ist.

Die kunstgeschichtliche Forschung listet neun Darstellungen von Lebenden Kreuzen zwischen dem Beginn und der Mitte des 15. Jahrhunderts auf, die allesamt die üblichen vier Arme aufweisen. Die Variante mit dem bekrönenden Gottvater erscheint demnach erstmals auf dem Fresko von Wasserburg (das meist um 1470 datiert wird) und einem deutschen Einblattholzschnitt (entstanden zwischen 1460 und 1470), der heute im Museo Civico von Pavia aufbewahrt wird.

Die Übereinstimmungen zwischen diesem Druck und dem Wasserburger Gemälde sind nicht zu übersehen.

Das kolorierte Blatt dürfte aufgrund des Dialekts der Spruchbänder im bayerisch-österreichischen Raum entstanden sein. Die Übereinstimmungen zwischen diesem Druck und dem Wasserburger Gemälde sind nicht zu übersehen, sodass ein Zusammenhang zwischen beiden bestehen muss, wobei für das untere Drittel des Freskos noch nach einer anderen Vorlage gesucht werden muss.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Der Verfasser des „Handbuch(s) der Holz- und Metallschnitte des XV. Jahrhunderts“ geht davon aus, dass es zu dem anonymen Einblattholzschnitt in Pavia (als Datierung wird auch 1465 angegeben) ein niederländisches Vorbild gegeben haben könnte, das dementsprechend früher entstanden ist. Mit diesem Ansatz käme man in jene Jahre, als zwischen 1447 und 1452 der Chorneubau in Wasserburg erfolgte – man wäre damit unmittelbar am Ursprung des monumentalen Gemäldes und einen Schritt näher an einer sicheren Datierung. Leider haben die bisherigen Untersuchungen zur ikonografischen – ikonologischen Herkunft des spätmittelalterlichen Bildtypus des Lebenden Kreuzes diese Spur nicht weiter verfolgt, sodass wieder auf einen Zufallsfund gewartet werden muss, der die Übereinstimmung zwischen einem niederländischen Holzschnitt und dem Wasserburger Gemälde belegt.

Mehr zum Thema

Kommentare