AUS DEM GERICHTSSAAL

Nach Machetenangriff am Viehhauser See: Azubi nutzt die Bewährung nicht

Justizia zeigte ein zweites Mal Gnade: Ein junger Mann erhielt erneut eine Bewährungsstrafe, obwohl er gegen Auflagen verstoßen hatte.
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Justizia zeigte ein zweites Mal Gnade: Ein junger Mann erhielt erneut eine Bewährungsstrafe, obwohl er gegen Auflagen verstoßen hatte.

Ein Azubi hatte 2017 betrunken und im Drogenrausch am Viehhauser See mit einer Machete bewaffnet einen jungen Badegast bedroht und verfolgt. Jetzt stand der Täter erneut vor Gericht, denn er hatte die Bewährungsauflagen mehrfach missachtet.

Von Theo Auer

Wasserburg/Edling –Im Februar 2018 hatte sich Jugendrichterin Bärbel Höflinger gnädig gezeigt. Sie stellte zwar die Schuld des Angeklagten nach der Macheten-Attacke am Edlinger See fest, aber setzte gemäß Jugendgerichtsgesetz eine mögliche Strafe zur Bewährung aus. Das bedeutet, dass das Verfahren wieder aufgenommen wird, sofern der Verurteilte eine neuerliche Straftat begeht oder sich nicht an die festgelegten Bewährungsauflagen hält.

So kam es, ein Nachverfahren vor dem Jugendschöffengericht Rosenheim unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur war notwendig. Wie sich dabei herausstellte, hatte der Angeklagte es nicht nur versäumt, sich regelmäßig bei der Bewährungshelferin zu melden. Er war auch drei Mal bei den angeordneten Drogenscreenings mit positiven Ergebnissen erwischt und einmal sogar mit Cannabis von der Polizei aufgegriffen und beim Amtsgericht in Miesbach deswegen verurteilt worden.

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Dies fällt ins Gewicht, weil er nach dem Gutachten der Psychiater im Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg unter dem Einfluss dieser Droge nicht nur kognitiv geschädigt sei, sondern auch zu erhöhter Aggressivität mit schizophrenen Tendenzen neige. Dies hatte zum Ausraster im Juli 2017 am Viehhauser See geführt.

Doch die Bewährungshelferin gab zu bedenken, dass der junge Mann, der in früheren Zeiten eine Ausbildung nach der anderen abgebrochen hatte, seit zwei Jahren kontinuierlich in einer Ausbildung zum Kochgehilfen stehe und sich auch um eine Fortführung seiner ambulanten psychologischen Therapie bemüht habe. Sie bestätigte zwar möglicherweise noch vorhandene schädliche Neigungen, schlug aber vor, eine zu verhängende Jugendstrafe nochmals zur Bewährung auszusetzen. In ähnlicher Weise argumentierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Weil der psychiatrische Gutachter eine eingeschränkte Schuldfähigkeit nicht ausschließen konnte, beantragte sie, eine Einheitsjugendstrafe zu verhängen, die dennoch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Auflagen einhalten, sonst ist die Strafe abzusitzen

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Stephan Theurer, schloss sich der Argumentation von Bewährungshilfe und Staatsanwältin an. Er stellte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichtes. Das Schöffengericht verhängte eine Jugendstrafe von elf Monaten und erlegte erneut ein Drogenverbot auf. Das sollte er tunlichst befolgen, weil er sonst die Jugendstrafe absitzen müsse, warnte das Gericht.

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