Nach 38 Jahren ist Schluss mit „ba“

Max und Sophia spielen künftig die Hauptrollen im Leben der Großeltern Helga und Eberhard Basler. c.Basler
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Max und Sophia spielen künftig die Hauptrollen im Leben der Großeltern Helga und Eberhard Basler. c.Basler

„Fotografiert hab ich schon immer gerne“, erzählt Eberhard Basler amüsiert. Gars.

Und wenn man auf dem Dorf lebt, dann passiert es schon mal, dass das Bild eines Hobbyfotografen in der Zeitung landet. Dass daraus fast vier Jahrzehnte als Berichterstatter für die Wasserburger Zeitung werden, das ist die Ausnahme.

– Im Moment ist Eberhard Basler mit seiner Helga im Weihnachtsurlaub. Und wenn er zurückkommt, hat er Dauerurlaub. Denn nach dem Schuldienst quittiert Basler nach Jahrzehnten nun auch den Zeitungsdienst. Nicht, weil ihn die Redaktion verärgert hätte oder ihm schreiben und fotografieren keinen Spaß mehr macht. Nein, Baslers ziehen nach München. In die Stadt, in der Eberhard Basler aufgewachsen ist.

Aus der Großstadt ging es vor vier Jahrzehnten nach Gars, der junge Lehrer blieb – Helga, eine Garserin, war Schuld. Die sollte in den folgenden Jahrzehnten immer mal wieder einspringen, wenn der Berichterstatter Basler auf zwei Terminen gleichzeitig hätte sein müssen. „Mir warn a guads Team – sind wir aber immer“, sagt Eberhard Basler.

1977 war das erste Mal „Foto: Basler“ in der Wasserburger Zeitung und in den Waldkraiburger Nachrichten zu lesen. Unter dem Bild eines Fahrradturniers. In den Jahren danach gab es einen fließenden Übergang mit Erich Kotalla als Berichterstatter aus der Marktgemeinde mit ihren knapp 3800 Einwohnern. Und auch für die Kollegen der Sportredaktion war Basler im Einsatz.

So sehr, dass er sich im Elternhaus seiner Frau ein Fotolabor im Keller einrichtete. „1981, nach dem großen Hagel, war‘s dann fällig“, erinnert er sich. Es sollten noch etliche Ereignisse folgen, bei denen Basler über sein eigenes Labor heilfroh war: der Panzerunfall, als zwei Amerikaner, von der B 12 Richtung Ort fahrend, die letzte Kurve nicht kriegten und ihre M 113s ins Gelände kippten, bei den Feiern zur Seligsprechung Kaspar Stanggassingers – als Baslers Berichte aus Gars überregional zu lesen waren – oder bei den diversen Kommunalwahlen zum Beispiel. Bilder entwickeln, Abzüge machen und dann mit Bildern und Manuskript ab nach Wasserburg in die Redaktion, das ging einfach schneller.

Vier Bürgermeister hat Basler in seiner Zeit als freier Mitarbeiter erlebt, den Bau des neuen Rathauses, die Umgestaltung des Marktplatzes, den Wiederaufbau und die Sanierung der Auer Klosterkirche, die Dorferneuerung in Mittergars, die Sanierung der Garser Klosterkirche, die Sanierung der Innbrücke und vieles andere infrastrukturelle begleitet, aber auch das Sterben der Gastwirtschaften, vor allem in den kleineren Ortsteilen, mitverfolgt.

Im Großen und Ganzen habe er schon das Gefühl, dass seine Berichterstattung aus Gars in Gars anerkannt worden sei, meint Basler im Rückblick. Offene Kritik sei selten gewesen. Einen anonymen Brief aber, den gab‘s. Basler hatte ein Foto von einer mit fliegenden Beinen tanzenden Garde gemacht – „tolles Foto, sehr lebendig“, findet er heute noch. Das Foto wurde auch veröffentlicht – lebendige Bilder sind in Redaktionen von Sylt bis Berchtesgaden gerne gesehen. Entstanden war es beim Pfarrfasching. Da fragte der anonyme Briefeschreiber, wie man nur ein so unziemliches Bild von einer kirchlichen Veranstaltung bringen könne. „Danach war ich mit der Bildauswahl etwas vorsichtiger“, gesteht Basler.

Richtig schwierig wurde es, als Eberhard Basler 1990 für den Gemeinderat kandidierte. Dass er neutral berichten würde, das war im Vorfeld mit der Redaktion abgesprochen, diese traute ihm das auch zu. Die Auseinandersetzung der Anwärter um das Bürgermeisteramt machte dem Ganzen ein vorrübergehendes Ende. Bis die Wahl vorbei war, gab Basler die Berichterstattung über die Kommunalpolitik ab. Auch den Ortsvorsitz seiner Partei ließ er zugunsten der Zeitungsarbeit bleiben. TSV-Vorsitzender aber blieb er zwölf Jahre lang. Und auch bei der Partnerschaft mit Azay-le-Ferron ist er von Anfang an aktiv. „Wie ich Schule, Zeitung, Azay und Sportverein unter einen Hut gebracht habe, das weiß ich nicht so recht. Denn bei mir ist es so, dass ich alles tausendprozentig mache“, wundert er sich im Rückblick.

Vielleicht, weil er nicht nur gerne fotografiert, sondern auch immer gerne geschrieben hat? Auch wenn es in Deutsch immer gerade so zur 3 reichte? Weil er von seiner Oma erblich vorbelastet ist? Denn die schrieb vor einem Jahrhundert schon für eine Bremer Zeitschrift? Weil Kommentare, Glossen und die vielen Geschichten zum 1. April Würze in den Alltag der Bauanträge und Vorstandsberichte brachten? Weil er die Entwicklung der Lokalzeitung bis heute – aktueller, straffer in der Berichterstattung, mehr Hintergrund, weniger „XYZ war da“ – miterleben und mitmachen konnte? Letzlich egal, „es hat unheimlich Spaß gemacht.“

Jetzt stehen meterweise Aktenordner mit Berichten und Fotos von „ba“ im Gemeindearchiv, die Nachfolge für die Berichte aus dem Gemeinderat ist geregelt. Seit Wochen, ach: seit Monaten, durchforsten Helga und Eberhard Basler ihren Haushalt, packen in Kisten, verschenken und verkaufen nicht mehr Benötigtes. Auch das Haus in der Rosenstraße ist verkauft, an eine Familie mit zwei Kindern. Zwei Kinder sind es auch, denen künftig noch mehr von Eberhard Baslers Zeit gilt. Die beiden heißen Max und Sophia und freuen sich drauf, dass Oma und Opa bald ganz in ihrer Nähe wohnen.

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