Nach dem Ende der Trinkwasser-Chlorung in Soyen geht die Ursachenforschung weiter

Wasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel, auch deshalb fiel die Verkeimung in Soyen sofort auf und ist jetzt beseitigt. dpa
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Wasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel, auch deshalb fiel die Verkeimung in Soyen sofort auf und ist jetzt beseitigt. dpa

Das Soyener Trinkwassers muss, wie berichtet, nicht mehr länger gechlort werden. Doch die Sorgen um die Trinkwasserversorgung sind damit nicht vom Tisch. Bürgermeister Karl Fischberger beantwortet die wichtigsten Fragen – zur Forschung nach den Ursachen für die Keime und zum weiteren Vorgehen.

– Warum musste gechlort werden?

Die Chlorung wurde vom Landratsamt Rosenheim angeordnet, da bei der routinemäßigen monatlichen Wasseruntersuchung vom 24. Juni in der Quellfassung drei coliforme Keime festgestellt wurden, erinnert der Bürgermeister. Die Keime seien auch im Leitungsnetz an zwei Probenentnahmepunkten nachgewiesen worden. Vor der Inbetriebnahme der Chlorungsanlagen seien am 29. Juni nochmals an allen Messpunkten Wasserproben entnommen worden – mit dem Ergebnis, dass die Quelle wieder keimfrei, aber an zwei Messpunkten noch eine geringe Anzahl von Keimen festzustellen gewesen sei.

Warum dauerte die Chlorung so lange?

Die unmittelbar nach der mündlichen Anordnung durch das Gesundheitsamt eingeleitete Chlorung dosiert über drei, durch eine Fachfirma installierte Pumpen, das Chlor in das Leitungsnetz. Die über die Pumpen abgegebene Menge richte sich nach der Durchflussmenge, also dem Verbrauch von Wasser, um eine Überdosierung zu vermeiden. Nach den Vorgaben des Gesundheitsamts werden dem Wasser 0,3 Milligramm Chlor zugesetzt, was einer gesundheitlich unbedenklichen Menge entspricht, so Fischberger weiter. Die Chlorung sei jedoch solange aufrecht zu halten, bis an allen Endpunkten des Leitungsnetzes von etwa 60 Kilometern ein Wert von 0,1 Milligramm Chlor nachgewiesen werden könne. Sei dies der Fall, könne als erstes die Abkochverfügung aufgehoben werden. Die Chlorung sei dann noch mindestens zwei Wochen weiter zu führen, erläutert er.

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Die Gemeinde Soyen habe in dieser Zeit zweimal wöchentlich das Wasser vom Brunnen und der Quelle beprobt und untersuchen lassen. Mit dem Ergebnis, dass alle Proben seit Anfang Juli negativ, also absolut keimfrei seien.

Wie verläuft die Ursachenforschung?

Die Experten von Gesundheitsamt, Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt haben in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Soyen mögliche Ursache für die Keime in der Quelle untersucht, teilt der Bürgermeister mit. Auch im Jahre 2017 sei die Ursache der aufgetretenen Keime in der Quelle nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausfindig zu machen gewesen. „Warum jetzt, nachdem zwei Jahre lang alle Untersuchungsergebnisse der Quelle negativ ausfielen, wieder Keime aufgetreten sind, ist auch den Experten der Ämter nicht erklärbar. Ein denkbares Szenario wäre der am Samstag, 22. Juni, über Kirchreit und Strohreit nieder gegangene Platzregen, der auch im Bereich der Inn-Leite zwischen Rieden und Zell für Ausspülungen und Erdrutsche sorgte“, berichtet Fischberger.

Hier bestünde, so die Meinung des Gesundheitsamts, die Möglichkeit, dass über Wurzeln verschmutztes Regenwasser bis in den Quellbereich eingedrungen sein könnte, teilt der Soyener Bürgermeister außerdem mit.

Wie wird jetzt saniert?

In einem Sanierungskonzept soll nun bis Anfang September zusammen mit dem von der Gemeinde beauftragten Ingenieurbüro, dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt nach Lösungen gesucht werden, um einerseits die Ursache der sporadisch auftretenden Keime zu erforschen und andererseits ein Konzept zu erarbeiten, nach dem das Problem beseitigt werden kann, erläutert der Bürgermeister.

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Denkbare Ansätze wären nach seinen Angaben die Sanierung der Quellfassung, was jedoch einen unkalkulierbaren Eingriff in den sehr sensiblen Quellbereich bedeuten würde, oder der Einbau einer UV-Anlage im Bereich des Pumphauses in Zell. Derzeit werde auch die Möglichkeit geprüft, südlich des bestehenden Brunnens eine weitere, eventuell tiefere Bohrung durchzuführen – als Ersatz für die Quellfassung.

Wie steht es um die Versorgung?

Auch wenn nun zum dritten Male in der langen Geschichte der Trinkwasserversorgung Soyen aus Sicherheitsgründen eine Chlorung durch das Landratsamt Rosenheim angeordnet worden sei, könnten die Verbraucher im Gebiet Soyen sicher sein, dass die Gemeindeverwaltung alles unternehme, um die Qualität des wohl am meisten kontrollierten Lebensmittels zu gewährleisten, so Fischberger. Er würdigt den „herausragenden Einsatz“ von Wasserwarts Sepp Eberl, der sich mit großem Engagement fast Tag und Nacht für seine Wasserversorgung einsetze. Mit Erfolg, zeige die Tatsache, dass bereits wenige Keime innerhalb kürzester Zeit festgestellt und gezielt bekämpft worden seien. Das sei bei einem Wassernetz von etwa 60 Kilometern Rohrleitungen mit einem täglichen Wasserdurchsatz von 500 000 bis 600 000 Litern eine Herausforderung.

Wo besteht Handlungsbedarf?

In den vergangenen Jahren seien jedes Jahr mehrere hunderttausend Euro in den Ausbau und die Sanierung der Wasserversorgung investiert worden, betont Fischberger. „Dass es noch Handlungsbedarf gibt, ist unbestritten, dies auch vor dem Hintergrund der immer wieder auftretenden Wasserrohrbrüche, besonders in den Bereichen, wo die Leitungen schon in die Jahre gekommen sind.“ Der Bürgermeister appelliert auch an die Hausbesitzer, den Umgriff um ihr Anwesen im Hinblick auf plötzlich auftretende feuchte Stellen im Haus oder im Garten zu beobachten. Dahinter könne ein Wasserrohrbruch stecken, warnt er. re/duc

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