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Unsere Wälder leiden: Das wollen Experten tun

Öko-Desaster: Warum Bäume im Wasserburger Land ihre Blätter jetzt schon verfärben

Holzfällarbeiten werden jetzt immer öfter im Ebersberger Forst zu sehen und zu hören sein, denn die Trockenheit und Wärme bieten den Schädlingen wie dem Borkenkäfer beste Wachstumsbedingungen.
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Holzfällarbeiten werden jetzt immer öfter im Ebersberger Forst zu sehen und zu hören sein, denn die Trockenheit und Wärme bieten den Schädlingen wie dem Borkenkäfer beste Wachstumsbedingungen.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Dieser Sommer war sehr heiß und trocken. Das hat auch Folgen für die Gesundheit der Bäume. Der Hitzestress geht an ihnen nicht spurlos vorüber. Die Wälder sind angeschlagen, berichten Forstexperten aus dem Wasserburger Land. Das wollen sie jetzt für die Fitness der Bäume tun.

Wasserburg – Frauke Holland ist Servicestellenleiterin beim Forstbetrieb Wasserburg, der für den Ebersberger Forst zuständig ist. Es ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. „Die letzten vier, fünf Wochen waren sehr trocken und vor allem auch heiß, da sieht man jetzt durchaus schon Spuren von Erschöpfung bei den Bäumen“, so die Expertin von den bayerischen Staatsforsten in Wasserburg.

Der Ebersberger Forst sei sehr geprägt von der Fichte und gerade hier würden sich für den Waldbesucher die Schäden sogleich mit einem Blick ablesen lassen. „Die Fichte hat heuer im Frühjahr stark geblüht, das kostet den Baum viel Kraft und die Trockenheit in diesem Jahr zeigt sich an diesem Baum sehr deutlich mit gelblich bräunlicher Farbe“, so die Waldexpertin.

Käfersucher sind bereits im Einsatz

„Das ist aber nicht unser einziges Problem im Moment mit der Fichte“, berichtet Holland weiter, „gerade in den vergangenen zwei Wochen haben die Schäden von Buchdrucker und Kupferstecher enorm zugenommen“. Die beiden Borkenkäferarten zwingen die Forstleute zu raschem Handeln.

Frauke Holland.

So sind im Wald mehrere Forstwirte unterwegs, die die geschädigten Bäume ausfindig machen, in einer App markieren. Da es so viele Bäume sind, wird es laut Holland wohl meist der Harvester sein, eine spezielle Holzernte-Maschine, die den Schaden schnell und effizient aus dem Wald holt. Sogar externe Käfersucher wurden engagiert, um ja keinen Baum zu übersehen, breiten sich die Schädlinge doch gerade bei diesem Wetter schnell aus.

Es waren aber nicht nur die zurückliegenden Wochen stressig für den Wald. „Wir haben ja schon die vergangenen zwei bis drei Jahre zu wenig Niederschlag“, beschreibt Holland die Lage. Obwohl der Ebersberger Forst von der Trockenheit eher im Mittelfeld liegt, gibt es auch hier Tage und Phasen, an denen einfach zu wenig Wasser im oberen Bereich des Bodens für die Pflanzen vorhanden ist. Dies ist vor allem für die schon erwähnte Fichte schwierig, weil sie ein Flachwurzler ist, aber auch für den natürlichen Aufwuchs, auf den die bayerischen Staatsforsten setzen, wie Holland erläutert.

Die bayerischen Staatsforsten mit Sitz in Wasserburg setzen auf Naturverjüngung. Hier ein kleiner Buchenkeimling, der aussieht wie eine Orchidee. Vor Ort geboren, ist er gegen Umwelteinflüsse besser gewappnet als sein Kollege aus der Baumschule.

Die Naturverjüngung habe gegenüber der Baumschulware den Vorteil, dass die Feinwurzeln durch die Verschulung nicht zweimal abgeschnitten würden, „sprich die Wurzel konnte sich vor Ort an die Bodengegebenheiten anpassen“. Außerdem habe sich ein genetisches Potenzial vor Ort besser bewährt gegenüber Umwelteinflüssen. Baumschulware tue sich in trockenen Phasen nach der Pflanzung mitunter schwer, das Feinwurzelwerk auszuprägen. Aber gerade dieses sei wichtig für die Wasser- und Nährstoffaufnahme.

Der letzte Schritt vor dem Vertrocknen: Bäume werfen Laub ab

Im Wald herbstelt es bereits. Das Laub färbt sich, manche Bäume werfen schon Blätter ab, weil sie es wegen der Trockenheit nicht mehr halten können. Das ist übrigens die erste Maßnahme, die der Baum ergreift, um besser zu überleben – der letzte Schritt vor dem Vertrocknen. „Gut zu sehen ist dies im Moment bei den Buchen“, erzählt Holland, „die haben im oberen Bereich der Krone Blattwerk abgeworfen und so sieht man jetzt hier nur noch Äste, teilweise auch dürres Material“.

Regen verzweifelt erhofft

Vergangene Woche Freitag und Samstag war für Bayern Starkregen angekündigt, der für manche Gebiete Erleichterung der Dürre versprach, aber nicht überall. In der Waldklimastation Ostersseon bei Kirchseeon wurden am Samstag 90 Millimeter pro Quadratmeter gemessen „und das ist schon ordentlich, das haben die Böden sehr gut vertragen können“. Das langfristige Mittel im August schätzt Holland bei 100 Millimeter ein, aktuell ist es durch den Starkregen bei 120 Millimeter angelangt.

Erleichtert ist man bei den bayerischen Staatsforsten auch, dass sich durch den Regen der vergangenen Tage die Waldbrandgefahr reduziert hat. Bei diesem Thema setzten die Forstleute aus Wasserburg auch auf den Waldumbau. Denn ein mehrstufig aufgebauter Forst, mit mehreren Generationen an Pflanzen, mit Jung- und Altwald, vermindere auch die Waldbrandgefahr. „Der junge Wald enthält mehr Wasser in den Blättern und Nadeln, es herrscht ein feuchteres Klima und auch die Bodenbedeckung hält den Boden feucht, da ist alles nicht so leicht entzündlich“, erläutert Frauke Holland.

So ist die Lage im Stadtwald

Tobias Büchner, Förster des Stadtwaldes von Wasserburg, schaut besorgt auf den Baumbestand in seinem Bereich. Bis zum vergangenen Wochenende, als es erstmals wieder nennenswerte Niederschläge gegeben habe, sei eine große Trockenheit zu verzeichnen gewesen. Doch die scheint noch anzudauern. „Je nach Standort und Waldboden leiden die Bäume an Wassermangel“, so Büchner. Dadurch sei der Befall mit Schädlingen – vor allem durch den Buchdrucker, aber auch durch den Kupferstecher – auf dem Vormarsch. „Waldbesitzer sollten daher befallenes Holz so schnell wir möglich aufarbeiten, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen.“

Tobias Büchner.

Nicht nur Nadelholz, sondern auch Laubbäume seien von der Trockenheit betroffen – und zwar im ganzen Gebiet der Innleite, von Attel bis Mühldorf, sagt der Forstexperte. Die Blätter von Buchen, Birken und Linden würden sich schon gelb verfärben und zu Boden fallen. Besonders kritisch, so Büchner, sei die Lage in Nordbayern und Franken mit Niederschlagsmengen in der Größenordnung von 400 Millimetern und weniger.

„Da gelangt der Wald, so wie wir ihn kennen, an seine Grenzen.“ In Oberbayern betrage die Regenmenge immerhin noch etwa 1000 Millimeter. Gerade im Sommer, in der Vegetationszeit, bräuchten die Bäume viel Wasser. „Und gerade in dieser Zeit treten die Dürreperioden auf.“ Auch Büchner setzt als Gegenmaßnahme auf den Umbau des Waldes – dabei komme vor allem die Eiche zum Zug.

Das sagt der Holzhandel

„Naturverjüngung ist das Beste, was wir haben. Wenn der Sturm kommt und die großen Bäume umhaut, wächst darunter trotzdem die nächste Waldgeneration weiter“, erklärt Tristan Scharf, Geschäftsführer der WBV-Holzhandel GmbH, einer Tochterfirma der Waldbesitzervereinigung Wasserburg Haag.

Tristan Scharf.

Der Forstingenieur sieht in den steigenden Durchschnittstemperaturen, den verlängerten Trockenperioden und den starken Stürmen wie beispielsweise in Halfing und Ebersberg ein Problem für den Wald. Er plädiert deshalb vor allem für eine gute Mischung. „Wer in den letzten Jahren allein auf die vielversprechende Esche gesetzt hat, ist jetzt natürlich vom Eschensterben stark betroffen“, macht er deutlich. Ein Wald, indem auch Ahorn und eventuell Erle gepflanzt worden sei,, stehe heute einfach deshalb besser da, weil nicht alle Bäume absterben würden. „Wichtig ist, dass das sehr wichtige ‚Binnenklima‘ im Wald erhalten bleibt“, betont der Waldfachmann. Das Blätterdach sorge für einen Innenraum im Wald, der vor Sonneneinstrahlung und Wind geschützt sei, darunter würden Bodenvegetation, Sträucher und die jungen Bäume wachsen. Nicht alle problemlos: Die Fichte sieht Scharf als sehr gefährdet an. „Sie wird wohl die erste Baumart sein, die ausfällt“, fürchtet er. Sie sei aber auch inzwischen an Orten zu finden, wo sie ursprünglich gar nicht hingehöre. „Eigentlich ist sie ja ein Baum der Berge“, macht der Forstingenieur deutlich.

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