Nach der Corona-Pause: Der Wasserburg Lotsendienst im Bürokratiedschungel startet wieder durch

Berät wieder persönlich: auf Abstand und mit Maske:_ Ethel- D. Kafka, Leiterin des Bürgerbahnhofs.
+
Berät wieder persönlich: auf Abstand und mit Maske:_ Ethel- D. Kafka, Leiterin des Bürgerbahnhofs.

Es ist eine besondere Serviceleistung der Stadt Wasserburg: Der Bürgerbahnhof steht als Anlaufstelle allen zur Verfügung, die beim Kontakt mit Behörden Hilfe benötigen – nun auch wieder mit persönlicher Beratung.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg – Kompetent und souverän weist ihnen Ethel-D. Kafka den Weg durch den Dschungel der Bürokratie – kostenlos und niederschwellig, 20 Stunden in der Woche. Mittlerweile ist ihr Beratungsdienst nach der coronabedingten Unterbrechung wieder angelaufen.

„Eine ganze Zeit lang war es sehr ruhig, das direkte Gespräch im Bürgerbahnhof war nicht möglich“, sagt die 42-Jährige. Aber telefonisch sei sie immer zu erreichen gewesen. Zusätzlich hat Kafka seit Anfang Mai die bisher von Erika Pohl geleistete Familienberatung übernommen.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

Jetzt haben die Anfragen derart zugenommen, dass es ohne Terminvergabe nicht mehr geht. In der Regel sind es pro Woche ein paar Dutzend Menschen, die bei ihr Auskunft einholen. Wobei es im einen Fall in wenigen Minuten getan ist, im anderen aber auch schon mal länger dauert. „Dann nämlich, wenn ich einen ganzen Arbeitslosengeld-2-Antrag ausfüllen muss“, so Kafka.

Oft muss sie erst einmal das Problem einkreisen, was Zeit in Anspruch nimmt. Kafka stellt klar, dass das Ausfüllen von Formularen nicht ihre eigentliche Aufgabe sei. Vielmehr sei sie – im übertragenen Sinn – für den Lotsendienst zuständig. „Die Menschen kommen zu mir in den Bürgerbahnhof, und ich sage ihnen, welchen Zug sie nehmen müssen.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Und wo besteht der größte Beratungsbedarf? „Die soziale Landschaft ist sehr breit gefächert“, lautet Kafkas Antwort. Zwangsläufig wird da der eine oder andere überfordert. Ohnehin geraten Menschen in einer Krise nach ihrer Erfahrung leicht in eine Situation, in der sie Orientierungshilfe brauchen, um den Überblick zu behalten. Genau diese Hilfe könne der Bürgerbahnhof bieten.

Geholfen wird Bürgern etwa bei der Wohnungssuche, beim Schriftwechsel mit dem Jobcenter oder bei der Formulierung eines Bewerbungsschreibens – für viele mühsame und schwierige Aufgaben. Häufig geht es auch darum, einen geeigneten Ansprechpartner zu vermitteln.

Das könnte Sie auch interessieren: Chance für Geringverdiener und Bezieher kleiner Renten: der Wasserburg-Pass kommt

Die Sozialpädagogin betont, sie sei auch für diejenigen da, die einfach mal ihre Gedanken sortieren müssten. Die Arbeit macht ihr erkennbar Freude. „Jemandem helfen zu können, gibt mir Motivation“, sagt Kafka. „Der Bürgerbahnhof ist mein Herzensprojekt.“ Auf jeden Fall ist es ein Service, der immer häufiger in Anspruch genommen wird.

Kommentare