Wasserburger Läden nach Corona-Pause: Freude und ein Polizeieinsatz

„Meine Kunden haben gestrahlt“, sagt Anne Donath vom wundersamen „Pfeiffer am Rathaus“ am Tag der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown.
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„Meine Kunden haben gestrahlt“, sagt Anne Donath vom wundersamen „Pfeiffer am Rathaus“ am Tag der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown.
  • Andrea Klemm
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  • Winfried Weithofer
    Winfried Weithofer
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Das Wasserburger Innkaufhaus hat Ärger mit dem Landratsamt. Kurz nach der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown, schloss die Polizei das Geschäft. „Das ist Schikane“, sagt der Inhaber. Ein Resümee der Einzelhändler.

Wasserburg – Ein herber Schlag für die Familie Schuhmacher, die das Innkaufhaus in der Ledererzeile betreibt. Nach einigem Hin und Her im Vorfeld, ob sie wegen der Größe der Pachtfläche nun öffnen dürfen, oder nicht, musste der Laden kurz nach 12 Uhr zugesperrt werden. Die Polizei stand im Geschäft und ordnete die Schließung an.

Betreiber von Innkaufhaus fühlen sich schikaniert

Endlich wieder in den schönen Wasserburger Läden stöbern – das ist seit gestern offiziell wieder erlaubt. Geschäfte bis 800 Quadratmeter durften nach der Corona-Zwangspause aufsperren auch in Mühldorf. Die Rückmeldungen der Einzelhändler sind sehr unterschiedlich.

Sehr verärgert ist man im Innkaufhaus. Kurz nach 12 Uhr – der Laden mit seinen 30 Arbeitsplätzen hatte am gestrigen Montag erst drei Stunden geöffnet – mussten die Inhaber schon wieder schließen. Das Problem lag offenbar in der Größe des Geschäfts. Völlig konsterniert äußerten sich Sibylle und Tobias Schumacher am Eingang gegenüber unserer Zeitung über den Vorgang. Zwei Polizisten hatten die behördliche Verfügung durchgesetzt. Kurz zuvor waren die Beamten schon einmal im Laden gewesen, doch bald wieder abgerückt.

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Die Schumachers erklärten, sie hätten ihren Laden Anfang April verkleinert. „Jetzt liegen wir mit unserer Verkaufsfläche unter der erlaubten Grenze von 800 Quadratmeter, es sind 685.“ Die Kunden seien am Montagvormittag echt happy gewesen, sagte Sibylle Schumacher. „Und wir haben alle Vorschriften zur Hygiene eingehalten.“ Was jetzt passiert sei, sei aber reine Schikane. „Man will uns kaputt machen.“

Sibylles Mann Tobias ergänzte, dass der Mietvertrag zum 1. April geändert worden sei. „Weil wir nicht mehr schaffen.“

Es sei eine Verfügung des Landratsamts gekommen, das, so Tobias Schuhmacher, die Änderung des Mietvertrags nicht anerkennen wollte: Das sei „fadenscheinig“, sei ihm beschieden worden. „Wir kriegen jetzt eine Anzeige, wir werden aber klagen. Wir kämpfen.“ Er fühlt sich ungerecht behandelt, auch die Baumärkte dürfen ja öffnen.

Stellungnahme vom Landratsamt steht noch aus

Eine Stellungnahme vom Landratsamt steht noch aus. Die Polizei Wasserburg sagt auf Nachfrage der Zeitung: „Das Landratsamt hat den Fall geprüft und entschieden, dass es (das Geschäft) nicht gemäß der Vorgaben ist, und wir haben im Rahmen der Amtshilfe den Laden geschlossen.“

„Erstaunlich gut angelaufen“, ist der Tag bei Anne Donath vom „Pfeiffer am Rathaus“. Das Geschäft ist wie ein Wunderland – nicht nur die Kleinen bekommen wie große Augen, auch die großen Kunden stöbern hier gerne. „Viele Stammkunden sind gekommen und haben sich total gefreut, dass sie endlich wieder selbst auf Entdeckungsreise gehen können und Geschenke aussuchen können. Jeder Kunde bekam einen Piccolo-Prosecco zum Mitnehmen. Die Leute haben gestrahlt“, freut sich Donath.

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Das „Oberhaus“ des Gewandhaus Gruber ist zu groß und fällt nicht unter die 800-Quadratmeter-Regelung. So haben seit Montag nur die Sportlerei, das Unterhaus und das Männerunterhaus geöffnet. Der Sportladen hat etwa 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, wie Arthur Bosch erklärt. „In der Früh dachte ich noch: Es wird eh nix los sein“, so Bosch, der dann eines Besseren belehrt wurde.

Leute kaufen Gymnastikmatten und Radsportartikel

Es kamen Kunden, die gezielt nach Produkten fragten, aber keine Flanierer: Gymnastikmatten und Radsportartikel. „Die Leute radeln derzeit wie die Narrischen. Und weil die Fitness-Studios zu haben, machen viele übers Internet daheim ihre Gymnastikübungen und brauchen eine Matte.“ Sein Fazit für den ersten Tag: Die Leute sind diszipliniert und halten sich an die Regeln.

Moritz Hasselt, Inhaber des Schmuckladens InnTime in der Gerblgasse sagt mit Blick aus seiner Ladentür: „Es kommt wieder Leben in die Stadt, das ist ein gutes Gefühl.“ Die Bürger seien alle brav mit Maske unterwegs, vor den Läden stehen wieder Waren. Er erkenne eine gewisse Normalität, die sich wieder einstelle. Über die Resonanz in seinem Laden sagt er, er könne „nicht meckern“. Überrannt werde er nicht, aber er sei zufrieden. Die Leute kommen, um Reparaturen abzuholen oder Geschenke einzukaufen. „Wir sind ein Laden, der Produkte hat, die der Mensch nicht unbedingt braucht. Uhren und Schmuck sind ja eher Luxus. Ich hab das, was man haben will. Darauf mussten die Leute warten und das holen sie sich eben jetzt.“

Einzel-Termine in Zero-Boutique

Die Boutique Zero in der Ledererzeile, die zum Modehaus Eberl in Haag gehört, hat nach fünf Wochen Corona-Pause auch wieder auf. „Großen Umsatz machen wir noch nicht“, sagt Filialleiterin Joanna Ziegler. „Die Damen kommen eher zum Ratschen, fragen, wie es uns geht und was wir Neues haben“, so Ziegler, die sich freut, wieder im Geschäft stehen zu dürfen. Während des Lockdowns war sie öfter im Laden, um das Schaufenster umzudekorieren. „Man muss den Kunden ja auch was fürs Auge bieten, wenn schon zu ist.“ Als besonderen Service bietet das Geschäft Einzel-Termine vor oder nach Ladenschluss für Kunden, die Angst vor Ansteckung bei regulärem Betrieb haben.

Geöffnet hat auch wieder das Lokal „Boulevard 10“ – allerdings nur für Speisen zum Mitnehmen. In der Mittagszeit hatte Inhaberin Christine Heuer nur drei Kunden. „Die Leute sind noch verhalten, die Parkplätze draußen noch leer. Aber: Geduld bringt Rosen“, sagt sie zuversichtlich. Die leichten Speisen, etwa sous vide gegartes Fleisch, Vegetarisches oder Ramen Nudeln und Salate werden frisch zubereitet. „Wir müssen alle durch durch diese Ausnahmesituation. Jammern nutzt nix, eine positive Einstellung ist gefragt“, so Heuer.

Mehr Hygiene wegen Corona

Einen ruhigen Geschäftsauftakt erlebte am Montag der Inhaber des Bettengeschäfts Klobeck, Christoph Klobeck. Einige Beratungsgespräche hätten stattgefunden. „Aber ich habe jetzt auch nicht den großen Ansturm erwartet.“ Die Bettenreinigung sei erfreulicherweise bereits „sehr stark frequentiert“ – offenbar werde in der Coronakrise die Hygiene wichtiger genommen. Auch der Zustell- und Abholservice werde viel in Anspruch genommen, berichtet Klobeck. Bis sich das Geschäfte normalisiert, werde es schon „einige Wochen“ dauern, vermutet er.

Seine Gefühle erst noch sortieren musste am Montagmorgen der Buchhändler Matthias Lehmann von der Wasserburger Bücherstube. „Ich bin aufgeregt und besorgt. Es lässt sich aber schon ganz gut an und ich hoffe, dass es bald wieder ganz normal weitergeht.“ Mit Blick auf die zurückliegenden Wochen der Schließung sagte er, dass der Buchhandel nicht den extremen Einbruch wie andere Branchen erfahren habe.

„Wir waren in den vergangenen Wochen auch immer handlungsfähig.“ Mit der Auslieferung von Lesestoff an seine Kunden in der Region habe es insgesamt gut geklappt.

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