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Exklusiv: Einmalige Einblicke

Nach 20 Jahren: Neue Eigentümer hauchen Haager Traditionswirtschaft „Zeller“ wieder Leben ein

Der alte Ross-Stall ist zwar verstaubt und nicht gepflegt, aber in dem Zustand, als die letzten Rösser herausgetrieben wurden.
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Der alte Ross-Stall ist zwar verstaubt und nicht gepflegt, aber in dem Zustand, als die letzten Rösser herausgetrieben wurden.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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  • Ludwig Meindl
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Seit über 20 Jahren steht das Gebäude des einstigen Gasthauses Zeller an der Kreuzung Hauptstraße, Wasserburger Straße in Haag bereits leer. Nun haben die neuen Eigentümer erstmalige und einmalige Einblicke in den Untergrund der alten Haager Häuser um das Jahr 1850 und den aktuellen Baufortschritt des einstigen Gasthofs Zellers gegeben.

Haag – In Zusammenarbeit mit den Denkmalämtern bemüht sich der neue Eigentümer, die „Tavernwirt Kaspar Zeller GmbH“, um den Wiederaufbau der Traditionswirtschaft. Bernd und Andreas Furch, Christian und Jakob Dimpflmeier, die hinter der „Tavernwirt Kaspar Zeller GmbH“ stehen, sind seit Juni vergangenen Jahres dabei, das Gasthaus zu restaurieren. Vier Jahre sollen die Arbeiten in Anspruch nehmen. Konkrete Pläne für das Wirtshaus selbst gibt es deshalb noch keine. Dafür ist es noch viel zu früh, denn noch ist nicht einmal klar, in welchem Umfang hier Gäste bewirtet werden können. Zunächst muss restauriert werden. Doch allein die Baustelle ist einen Anblick wert. Denn sie ist wohl einzigartig in der Region.

Rückbau ermöglicht Einblick in ursprüngliche Architektur

Für den ersten Bauabschnitt vereinbarten die Furchs mit den Behörden des Landratsamts und Denkmalamts den Rückbau aller Moderne seit 70 Jahren. „Das hat uns die ursprüngliche Architektur gezeigt“, erklärt Bernd Furch. So ist eine Erweiterung zwischen ehemaligem Nebenzimmer und Gaststube zu vermuten, da sich zwei Öffnungen für den Gassenausschank erkennen lassen.

Die Treppe ins Obergeschoss ist im Original aus dem Jahre 1850, als die Familie Haltenberger das Traditionsgasthaus nach dem Haager Brand neu aufbaute, erhalten. Sie wurde abgedeckt, um nicht beschädigt zu werden. Das Sollenhubener Pflaster wurde für die Bauphase abgetragen, um nichts zu beschädigen.

Neuer Besitzer schwärmt: „Das ist traumhaft“

Im zweiten Bauabschnitt ging man mit dem Bodendenkmalamt und dem Archäologen Dr. Simm in den Haager Untergrund. Die Grundrisse der Häuser vor 1849 kamen zum Vorschein, dabei das Pflaster des „Kirchengasserl“ unter dem Nebenzimmer. Die Häuser waren eng aneinander gebaut, von kleinerem Ausmaß mit Zufahrt und Hinterhof. So beschränkte sich der alte „Grießböck“, der Name für den „Zeller“ vorher, ebenfalls auf eine geringere Fläche.

Die Katakomben von Haag geben nun den Blick unter Küche, Gaststube und Hof frei auf zwei normale Keller und drei Weinkeller auf Originalpflaster. „Das ist traumhaft, das wird ein Juwel“, schwärmt der Chef des Ingenieurbüros Furch.

Die „Tavernwirt GmbH“ wolle später per Aufzug auch Behinderten den Zugang ermöglichen. Zu sehen sind neben der Öffnung für das Herablassen der Fässer auch die Ablagen für die Weinfässer an den Wänden.

Im Kuhstallgewölbe mit vier Granitsäulen war der unfachmännisch angebrachte Kunststoffputz zu entfernen. An den Wänden kamen Nischen für Wandleuchten zum Vorschein.

Eine Überraschung ergab die Untersuchung der Südseite nach der einstigen Küche, wo sich ein Wasch- und Schlachthaus befand. Haken sind noch vorhanden und die alte Selch. Bernd Furch meint: „Die hatten nur einen großen Kessel. In dem wurde gewurschtelt und gewaschen.“ Darunter liegen zwei Keller untereinander, daneben gab der Rückbau eine einstige Einfahrt frei.

Selbst der Ross-Stall ist ästhetisch

Der Ross-Stall ist zwar verstaubt und nicht gepflegt, aber in dem Zustand, als die letzten Rösser herausgetrieben wurden. Wohnstil genossen die „Zeller“-Rösser mit Holzboxen und zierlichen Eisengittern. „Selbst bei Pferden achtete man früher auf Ästhetik. Das ist es, was ich heute in der Architektur vermisse“, so Furch.

Der Hof hat auf der Westseite zwei Remisen für die Kutschen. Ein „feudal gebautes“ Treppenhaus führt in den ersten Stock, wo sich die Gästezimmer befanden. Ein repräsentativer Raum nach Osten mit Erker wurde größer und höher gestaltet und mit Stuckarbeiten geschmückt.

Bernd Furch am alten Kachelofen.

Der Erker zeigt über den Rundfenstern im Gewölbe das Gemälde eines „Eros“, darunter liegen jetzt die Bodenbalken des Jahres 1850 frei. Weitere Böden zeigten nach Entfernen der Überbauten verschiedene farbige Muster. Ein originaler Kachelofen aus dem Jahr 1850 ist Zierstück eines Gästezimmers, die alle mit Kachelöfen bestückt waren.

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