Stadt schießt wieder Millionen zu

Muss das Wasserburger Badria gesundschrumpfen?

Ein echtes Familienbad ist das Badria. Doch es hat mit roten Zahlen zu kämpfen.
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Ein echtes Familienbad ist das Badria. Doch es hat mit roten Zahlen zu kämpfen.
  • Heike Duczek
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Die Stadtwerke Wasserburg bekommen eine Finanzspritze aus dem Haushalt der Stadt: 2,5 Millionen Euro. Grund ist das defizitäre Badria, das den kommunalen Eigenbetrieb Stadtwerke in Liquiditätsprobleme bringt. Die Stadt hilft mal wieder mit Geld, doch wie lange geht das noch?

Wasserburg – 2000 war das Familienbad den Stadtwerken angegliedert worden. Zehn Millionen Euro haben diese von 2013 bis 2019 in die Sanierung der Schwimmhalle, des Flachdachs im Innenhof und die Modernisierung sowie Erweiterung der Sauna gesteckt. Zur Finanzierung wurde 2014 ein Darlehen in Höhe von 2,8 Millionen Euro aufgenommen, aus dem Stadthaushalt gab es Zuschüsse in Höhe von 2,9 Millionen Euro. Bleibt eine Liquiditätslücke von 4,3 Millionen. Die Zahlungsfähigkeit der Stadtwerke konnte nach Angaben der Stadtverwaltung nur dadurch sichergestellt werden, dass die im Auftrag der Kommune von den Stadtwerken vereinnahmten Abwassergebühren nicht an den Stadthaushalt weitergeleitet wurden. Aktuell belaufen sich die Rückstände auf rund 4,15 Millionen Euro.

Kölbl: „Geld wandert von der linken in die rechte Tasche“

Die Stadt erhöht deshalb das Eigenkapital des Eigenbetriebs Stadtwerke um 2,5 Millionen Euro – das Geld wandere quasi von der linken in die rechte Tasche, erläuterte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD). Denn die Stadtwerke sind ein kommunaler Eigenbetrieb – nicht gewinnorientiert.

Huber: „Ewig kann es so nicht weitergehen.“

Im Stadtrat fiel ein Satz, der bei einigen Mitglieder Schnappatmung auslöste: Lorenz Huber (Bürgerforum) löste sie aus, weil er findet, es sei an der Zeit, auch laut über ein mögliches Gesundschrumpfen nachzudenken. „Ewig kann es so nicht weitergehen“, findet Huber, der sich ausdrücklich hinter den Beschluss zur Finanzspritze stellte, aber eine Diskussion über die Finanzierung des Bades anregte. Er bekam Schützenhilfe von Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen: Ehrlichkeit sei notwendig – und ein Nachdenken darüber, wie die Zukunft des Badria aussehen könne. Blindlinks durchziehen: Das gehe auf Dauer nicht. „Ist es in dieser Größe noch zu bewältigen? Frisst es die Stadtwerke auf?“ Fragen, die nach Meinung von Stadler eine Antwort benötigen.

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Ein gefährliches Wort sei in den Mund genommen worden, fand Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg). Der Stadtrat habe sich vor Jahren entschieden, das Bad zu vergrößern und zu modernisieren, um es zukunftssicher zu machen. „Soll es jetzt wieder rückwärts gehen?“ Friederike Kayser-Büker, Fraktionsvorsitzende der SPD, verwies darauf, der Stadtrat habe bei den Investitionsentscheidungen nicht planlos drauflos finanziert, sondern ein klares Ziel vor Augen gehabt: die Attraktivität zu steigern und die Energiekosten zu senken. Vom „Gesundschrumpfen“ wolle sie sich deshalb klar distanzieren.

Von sinnvollen Investitionen sprach Stadtwerkereferentin Katharina Hausmann (Grüne). Sie seien in erster Linie in die energetische Sanierung geflossen. Davon profitiere der Stadthaushalt auf Dauer durch geringere Betriebskosten. Auch 2021 werde es deshalb sinnvoll sei, noch einmal das Eigenkapital der Stadtwerke zu erhöhen, so Hausmann.

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) versuchte, die Wogen zu glätten: Der Werkausschuss werde sich demnächst das Badria genau anschauen und prüfen, ob sich die Erwartungen rund um die Investitionen erfüllt hätten, wie es weitergehen solle mit Sauna, Bad und Mehrzweckhalle. Auch Preise und Struktur müssten auf den Prüfstand. Der Stadtrat habe jedoch den Grundsatzbeschluss gefällt, das Badria als bezahlbares Familienbad zu führen.

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So soll es auch bleiben, doch die Probleme sind nicht wegzuwischen – erst Recht nicht im Corona-Betriebsjahr 2020 mit Lockdown und hohen Auflagen für den Betrieb. Kämmerer Konrad Doser wies Befürchtungen, 2020 werde ein finanzielles Desaster auslösen, zurück. „Wir hatten schließlich auch viel weniger Ausgaben.“

Die Fraktionsvorsitzende der CSU/Freie Wähler-Wasserburger Block, Heike Maas, forderte, alle Optionen für das Badria müssten auf den Tisch. Zum möglichen Gesundschrumpfen darf es kein Denkverbot mehr geben, zeigte die Diskussion.

Das sind die Probleme des Familienbades

Die Folgen des Lockdown und des Betriebs in Corona-Zeiten sind noch nicht beziffert. Doch schon vor der Pandemie erwarteten die Stadtwerke für ihr Sorgenkind, das Badria, tiefrote Zahlen. Ein Minus von zwei Millionen Euro wurde für 2020 angekündigt, bevor der Lockdown kam.

176 000 zahlende Besucher gingen 2019 im Badria baden – 9000 weniger als im Erfolgsplan für die Einrichtung veranschlagt. Auch die 2017 sanierte Sauna hat ihr Soll 2019 nicht ganz geschafft: 37 000 schwitzten, die Stadtwerke hatten 42 500 Besucher erhofft.

Das Badria, da sind sich die Experten aus den Stadtwerken und der Kämmerei einig, wird defizitär bleiben. Es hat es nicht leicht: Im Sommer konkurriert das Freibad mit den vielen kostenlosen Seen im Umland. Die im Vergleich relativ moderaten Eintrittspreise sind gewollt, weil das Badria ein Familienbad bleiben soll.

Die umliegenden Kommunen profiteren von der Einrichtung, die finanzielle Last müssen die Stadtwerke, also quasi die Stadt, alleine schultern – und damit die Stadt, die dem Eigenbetrieb, der keine selbstständige Gesellschaft ist, immer wieder durch Defizitausgleich und Eigenkapitalerhöhung, wie jetzt geschehen, unter die Armen greifen muss.

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