Murks beim Abriss der Klosterschänke in Attel

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Das Amtsgericht Rosenheim hat einen 43-jährigen Bauunternehmer und einen 75-jährigen Bauträger aus dem Raum Rosenheim wegen des fahrlässigen Umgangs mit gefährlichen, zum Teil asbesthaltigen Abfällen zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Von Christa Auer

Wasserburg – Der Abbruch der ehemaligen Klosterschänke in Attel und die geplante Bebauung des Areals mit drei Dreispännern hatten im vergangenen Jahr die Gemüter erhitzt und zur Gründung einer Bürgerinitiative geführt. Nun beschäftigte sich auch das Amtsgericht Rosenheim mit dem Abriss des alten Gebäudes.

Laut Anklage hat der Eigentümer den Bauunternehmer mit der Durchführung der Entkernungs- und Abbrucharbeiten beauftragt. Sowohl die Fassadenplatten des Anwesens als auch die Dachplatten des Stalls waren asbesthaltig. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass dies den Angeschuldigten nicht zuletzt wegen ihrer beruflichen Erfahrung in der Baubranche klar war. Im Übrigen sei allgemein bekannt, dass Asbest hochgradig krebserregend sei und es sich deshalb um gefährlichen Abfall handelt, stellte die Anklagevertretung klar. Der Bauherr hätte eigentlich ohnehin sensibilisiert sein müssen. Bereits 2018 war er in ähnlicher Sache zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Sorgloser Umgang mit kontaminiertem Material

Auf der Baustelle in Attel herrschte dennoch ein sorgloser Umgang mit dem kontaminierten Material, stellte sich vor Gericht heraus. Mitglieder der Bürgerinitiative hatten deshalb Alarm geschlagen und die Behörden informiert. Demnach führten Mitarbeiter des Bauunternehmers im April Abbrucharbeiten auf dem Gelände durch. Fenster und Türen samt Rahmen, die Bodenaufbauten im Obergeschoss, Treppen und Sanitäreinbauten wurden entfernt und Gerüste errichtet. Dabei wurden das Asbestzementdach des Stalls und die asbesthaltigen Dach- und Fassadenplatten des Hauptgebäudes teilweise zerstört. Bei der Nachschau entdeckte das Gewerbeaufsichtsamt frische Asbestbruchstücke von den Zzementwellplatten und den Fassadenplatten – auf dem Gelände verteilt und im Gebäude. Unter dem Bauschutt befanden sich auch Mineralwolle und Teermaterialien, die nicht vorschriftsmäßig entsorgt worden seien, berichtete der Sachverständige. Die Arbeiten seien weder ordnungsgemäß angekündigt noch ausgeführt und ohne Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplan, Sachverständigen vor Ort und Unterweisung des Personals durchgeführt worden. Technische Schutzmaßnahmen wie Folien am Boden oder gekennzeichnete Bigpacks zum Verpacken von Asbest und Mineralwolle waren demnach vor Ort nicht vorhanden.

Aus Sicht des Sachverständigen stammten die Beschädigungen am Dach vom Gerüstaufbau. Der Ausbau der Fenster habe zu den Schäden an den Fassadenplatten geführt. Die Bruchspuren zeugten von einer unsachgemäßen Arbeitsweise, sagte der Sachverständige.

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Bauherr und Bauunternehmer vermuteten dagegen Vandalismus oder einen Sabotageakt und beriefen sich im Übrigen darauf, eine Fachfirma für die Arbeiten mit kontaminierten Materialien beauftragt zu haben. Über die genauen Abläufe auf der Baustelle seien sie nicht informiert gewesen, weil Arbeiten an Subunternehmer weitergegeben worden wären.

Für den Verteidiger fehlten letztlich stichhaltige Beweise für ein Fehlverhalten. Bestenfalls seien es Indizien, die aber nicht ausreichen würden, um die Anklage zu untermauern. Sein Mandat habe darauf vertraut, auf mögliche Gefahren aufmerksam gemacht zu werden und darauf, dass beim Gerüstaufbau nichts passiert. Deshalb forderte der Verteidiger Freispruch für den Bauunternehmer. Der Bauherr schloss sich dieser Argumentation an und plädierte auch für sich auf Freispruch.

Gesundheitsgefährdung billigend in Kauf genommen

Für die Anklagevertretung gab es dagegen keine Zweifel an der Schuld der beiden Angeklagten. Der Bauunternehmer habe keine Gefahrenanalyse beauftragt, Mitarbeiter und Subunternehmer nicht ausreichend instruiert und überwacht. Der Bauherr sei seiner Verpflichtung, die ausführenden Firmen zu überwachen, nicht nachgekommen. Beide hätten so eine Gesundheitsgefährdung und Umweltschädigung billigend in Kauf genommen.

Für den Bauunternehmer wurden als Ersttäter 80 Tagessätze zu je 150 Euro gefordert, für den Bauherrn 150 Tagessätze in selber Höhe. Richterin Bärbel Höflinger blieb mit ihrem Urteil bei der Tagessatzanzahl zwar unter dieser Forderung, dennoch war sie überzeugt, dass die beiden Angeklagten mit dem Gefahrenpotenzial durchaus vertraut gewesen seien. Vandalismus schloss die Richterin aus.

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