Müll, Kot, Gestank: Messiewohnung macht Griesstätter Vermieter fassungslos

Vermieter Hubert Stephan steht ratlos in Bergen von Müll.
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Vermieter Hubert Stephan steht ratlos in Bergen von Müll.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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  • Karheinz Rieger
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Undefinierbare Gerüche, Müll, Katzenkot: Nur mit Vorsicht kann man sich durch die „Wohnung“ in der Rosenheimer Straße 33 in Griesstätt bewegen – und das auch nur bei weit geöffneten Fenstern. Kaum vorstellbar, dass in diesen Verhältnissen eine Frau gewohnt hat, die das Chaos freiwillig nicht verlassen wollte.

Griesstätt – Vermieter Hubert Stephan fragt sich seit Monaten, wie er die drei Zimmer im ersten Stock seines Hauses überhaupt wieder bewohnbar machen soll. Das Mietverhältnis für seine Wohnung hatte vor gut 20 Jahren begonnen. Und sich bereits nach kurzer Zeit problematisch entwickelt. Denn die Bewohnerin erwies sich als Katzenliebhaberin. Allerdings begnügte sie sich nicht mit einem oder zwei Stubentigern. Bis zu 30 Exemplare hausten zeitweise mit ihr zusammen in der kleinen Wohnung, Ende 2019 waren es dann noch drei. Offensichtlich waren jedoch auch die noch zu viel gewesen, denn die Hinterlassenschaften der beim Auszug abgemagerten und verwahrlosten Tiere sind noch heute auf den Möbeln im Schlafzimmer zu sehen.

Katzenkot sorgt für einen unangenehmen Gestank.

Horten von Gegenständen ist kein Kündigungsgrund

Stephan ringt beim Bericht über sein desaströses Mietverhältnis sichtlich um Fassung. Denn er habe zu spät gemerkt, dass er es mit einer Mieterin mit Messie-Syndrom zu tun hatte. Als Eigentümer seien ihm die Hände gebunden gewesen, da das Mietrecht ihm zunächst nicht die Mittel zur Verfügung gestellt hätte, eine schnelle Zwangsräumung zu betreiben. Denn das alleinige Horten von Gegenständen sei rechtlich noch kein Grund zur Kündigung und rechtfertige nicht ohne Weiteres, jemanden vor die Tür zu setzen. Vermieter könnten nur etwas gegen Messie-Mieter unternehmen, wenn diese andere Mieter oder die Bausubstanz schädigen würden, habe er erfahren. Das bedeutet: Ein Mieter kann so viele Dinge in seiner Unterkunft aufbewahren, wie er möchte, solange es nicht modert, stinkt oder fault.

Eine Abmahnung, die bereits vor 15 Jahren erfolgte, hatte jedenfalls keinen Erfolg, so Stephan, ebenso wenig wie weitere Versuche von ihm, das Mietverhältnis zu beenden, denn das Haus steht allein. Unmittelbare Nachbarn gab und gibt es nicht, damit auch keine Beschwerden über Geruchsbelästigungen.

Erst im vergangenen Jahr, erzählt Stephan, sei nach Selbstgefährdungsäußerungen der Mieterin die Sache ins Laufen gekommen. Da habe sie eine Betreuung bekommen und das Mietverhältnis sei Ende 2019 offiziell beendet worden.

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Das habe zwar das Problem der Mieterin gelöst, die jetzt unter ordentlichen Bedingungen mit Betreuung wohne, sagt Stephan, aber nicht sein eigenes. Denn eine erste Beurteilung durch einen Bausachverständigen habe ergeben, dass eine normale Grund- und Bodenreinigung mit Entsorgung der Möbel und des Unrats wohl nicht ausreiche, da die Wohnung generell als kontaminiert, das Schlafzimmer gar als extrem mit Katzenkot verunreinigt eingestuft worden seien. Inklusive Messungen, Ausrüstungen der Reiniger mit Atemschutz, Entrümpelung und Entsorgung sieht sich Stephan derzeit Kosten in Höhe von einem hohen vierstelligen bis fast fünfstelligen Betrag konfrontiert.

Fühlt sich alleingelassen: Vermieter Hubert Stephan.

Entsorgung ist nicht ohne Atemschutz möglich

Alle Versuche, nicht auf diesen Kosten sitzenzubleiben, waren bisher erfolglos. Das frustriert Stephan in seiner Rolle als Vermieter, da er sich komplett mit diesem Problem allein gelassen fühlt. Denn der Winter naht, die Fenster können nicht mehr dauernd offenbleiben. Und nach und nach alles selbst entsorgen? Gar nicht so leicht. Ohne Schutzkleidung und Atemschutz dürfte eine Beseitigung des Unrats derzeit kaum möglich sein.

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Nach dem kurzen Fototermin blieb der seltsame Geruch trotz weit geöffneter Fenster noch gut eine Stunde an der Kleidung haften. Dabei wurde in der Wohnung nichts bewegt und auch kein Staub aufgewirbelt.

Das sagt der Haus- und Grundbesitzerverband

Bis zu 30 Katzen haben in der Wohnung gelebt.

Vermieter bleiben in Fälle wie jenen, den Hubert Stephan aus Griesstätt erlebt hat, auf den Kosten der Sanierung einer vermüllten Wohnung sitzen, bedauert Monika Frisch, Geschäftsführerin des Haus- und Grundbesitzervereins Rosenheim und Umgebung e. V. . Der Wohnungseigentümer müsse die Folgen alleine ausbaden, Zuschüsse oder Zuwendungen gebe es nicht. Auch mit einer Rechtsschutzversicherung könne sich der Vermieter nicht gegen Sanierungskosten nach Auszug aus einer vermüllten Wohnung schützen. Die große Mehrheit aller Mietverhältnisse verlaufe reibungslos, so Frisch, doch Messiewohnungen wie jene in Griesstätt gebe es hin und wieder schon. Oft habe der Eigentümer bereits monatelang auf Mieteinnahmen verzichtet, was kleine Vermieter oft finanziell stark belaste. Dann müsse der Eigentümer, wenn es gelungen sei, das Mietverhältnis zu beenden, oft noch die Entmüllung veranlassen und bezahlen.

Ein ähnliches Problem erleben Vermieter nach Angaben von Frisch häufig, wenn Mieter sterben und die Erben ihre Erbschaft nicht antreten oder keine Erben vorhanden sind. Auch dann heißt es : selber ausräumen und renovieren.

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