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Mühlthal oder Königswart? Funkmasten sorgen in Soyen für Aufruhr

Eine Alternative:Mit Mühlthal im Rücken sind hier Kläranlage, Wertstoffhof und Brücke über die Gleise in der Nähe. Ein geeigneter Standort laut Anwohner und Räte.

Die Gemeinde Soyen ärgert sich über zwei geplante Funkmasten, die in Mühlthal und an der Königswarter Brücke aufgestellt werden sollen – in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern. Die 35-Meter hohen Pfeiler plant die Deutsche Bahn, genehmigen soll sie das Eisenbahn-Bundesamt. In einer Stellungnahme spricht sich die Gemeinde gegen die beiden Standorte aus und schlägt Alternativen vor.

Soyen – Die Gemeinde Soyen ärgert sich über zwei geplante Funkmasten, die in Mühlthal und an der Königswarter Brücke aufgestellt werden sollen – in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern. Die 35-Meter hohen Pfeiler plant die Deutsche Bahn, genehmigen soll sie das Eisenbahn-Bundesamt. In einer Stellungnahme spricht sich die Gemeinde gegen die beiden Standorte aus und schlägt Alternativen vor.

Standorte zehn Meter von Wohnhäusern entfernt

Idyllisch liegt Mühlthal nördlich der Gemeinde Soyen in einer Senke. Vogelgezwitscher ist fast das Einzige, was zu hören ist. Gleich einer Sackgasse ist das 100-Seelen-Dorf von lautem Autoverkehr abgeschirmt. In der Ferne brummen einige Baufahrzeuge: Sie bereiten den Bau der Brücke über die Bahngleise vor. Hinter einer Reihe von Büschen verläuft die Bahnstrecke zwischen Rosenheim und Mühldorf. Leise gleiten die Triebwagen an dem Ort vorbei. Hier – rund zehn Meter von zwei Wohnhäusern entfernt – soll ein 35-Meter hoher Mast gebaut werden. Wenn es nach den Plänen der Deutschen Bahn geht.

Masten für neue Funktechnik notwendig

Die Deutsche Bahn projektiert und baut derzeit sogenannte GSM-R Basis-Funkstationen an ihren Bahngleisen. Eine Entscheidung über die Maststandorte treffe das Eisenbahn-Bundesamt, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Bahn. Demnach soll ein lückenloser Funkkontakt zwischen Lokführer und Fahrdienstleiter im Stellwerk gewährleistet werden. Nach Aussagen des Bahn-Sprechers sei die Abstrahlung im Vergleich zum herkömmlichen Mobilfunk sehr gering. So erfolge die Abstrahlung mit Richtungsantennen in einem 30 Grad-Winkel gezielt in Richtung Gleise. Zudem werde lediglich auf einer Frequenz gesendet, da die Technik ausschließlich der Sprachübermittlung diene. Im Gegenzug sei übrigens geplant, zwei 14 Meter hohe Funkanlagen in Hörgen und Königswart abzubauen. Ein Sprecher der Deutschen Bahn verweist darauf, dass sich die Standortsuche in einem sehr frühen Planungsstadium befinde.

Erst Mitte Juni hatte die Gemeinde Soyen davon erfahren und fünf Wochen Zeit, auf ein Schreiben des Eisenbahn-Bundesamtes zu antworten. Reagiere die Kommune nicht, so Bürgermeister Karl Fischberger (GWS) in der Gemeinderatssitzung, „gelten die Standorte vonseiten der Gemeinde als akzeptiert“.

Zweifel am sogenannten Screening

Das Bundesamt schreibt dazu auf Anfrage der Wasserburger Zeitung: „Im planrechtlichen Verfahren werden alle Betroffenen im gesetzlich vorgesehenen Rahmen eingebunden.“

Fischberger und Gemeinderat Frieder Meidert (GWS) bezweifeln außerdem das sogenannte Screening, welches das Eisenbahn-Bundesamt der Gemeinde vorgelegt hat. Für den Gemeinderat ist es offensichtlich fehlerhaft: So seien – anders als in der Aussage des Screenings – beide Masten in einem Radius von 500 Metern hinaus sichtbar. Besonders von der Straße zwischen Soyen nach Lengmoos sei der Ortsteil Mühlthal und auch ein Mast über weite Strecken zu sehen.

Fischberger ärgert außerdem, dass der Faktor Mensch in den Gutachten für die beiden Standorte wenig berücksichtigt worden sei: Lediglich zwei Zeilen würden im sogenannten landschaftspflegerischen Fachbeitrag gewidmet, so die Anmerkung der Gemeinde in ihrer Stellungnahme an das Eisenbahnbundesamt. „Die Masten sollen einen ‚mittleren ästhetischen Eigenwert‘ haben“, zitiert Fischberger aus dem Schreiben des Eisenbahn-Bundesamtes und interpretiert: „Die sagen doch damit, dass es nicht schön aussieht.“

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Garade dieser Behörde sei die Nähe zu Wohnhäusern bereits negativ aufgefallen, so Fischberger. So habe sie bereits im März 2019 der Deutschen Bahn ihre Bedenken diesbezüglich mitgeteilt.

Das Bundesamt habe „auf mögliche optische Beeinträchtigungen der anliegenden Bewohner durch die Nähe der Masten hingewiesen und eine genauere Erläuterung der gewählten Standorte sowie der Alternativen von der Vorhabenträgerin (Deutsche Bahn) gefordert“, lautet die Antwort des Eisenbahn-Bundesamtes auf Anfrage.

Doch nicht nur Standorte und Gutachten versetzten den Gemeinderat in Aufruhr: Ohne Einbeziehung von Gemeinde und Anwohnern seien die Standorte ausgesucht worden, kritisierte Fischberger.

Denkmalgeschützte Kapelle beeinträchtigt?

Martin Krieg warf ein, dass eventuell auch der Denkmalschutz befragt werden muss, da eine denkmalgeschützte Kapelle in Königswart an der Zuglinie steht – auf der anderen Seite des geplanten Mastenstandorts. Auch das Wohngebäude neben Kapelle und Bahngleisen sei denkmalgeschützt, berichtet ein Anwohner. Er und der Gemeinderat wünschen sich den Masten um rund 150 Meter nach Süd-Westen versetzt, an einen Waldrand, der „aus naturschutzfachlicherer Sicht den Eingriff ins Landschaftsbild (…) minimieren würde“, schreibt die Gemeinde in ihrer Stellungnahme.

Und auch in Mühlthal sind besonders die vom geplanten Standort direkt betroffen Anwohner nicht begeistert. Sie vermuten, dass ein Stromanschluss am ehemaligen Bahnübergang der Grund für die jetzige Standortwahl ist. Die Anwohner sind jedoch zuversichtlich, dass ein anderer Platz an der künftigen Bahnbrücke, dem Wertstoffhof und dem Soyener Klärwerk gefunden wird. Dieser ist rund 200 Meter in westlicher Richtung vom aktuell geplanten Standort entfernt.

Gemeinderat hat Alternativvorschläge eingereicht

Auch der Gemeinderat hat in seiner Stellungnahme an das Eisenbahn-Bundesamt diesen Standort vorgeschlagen. Bei der Behörde ist die Stellungnahme bereits eingegangen. Sie hat nach eigenen Angaben die Deutsche Bahn bereits Ende Juni aufgefordert, „zu allen durch die Gemeinde Soyen angemerkten Punkten Stellung zu nehmen.“

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