Mobile Postfiliale stoppt nicht in Haag

Die Haager Post war schon vor über 100 Jahren mobil. Das Bild zeigt die letzte Fahrt der Postkutsche nach Soyen im Jahr 1918. Im Hintergrund sind links der Gasthof zur Post und rechts die Konditorei Kuchler/Wanger zu sehen.
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Die Haager Post war schon vor über 100 Jahren mobil. Das Bild zeigt die letzte Fahrt der Postkutsche nach Soyen im Jahr 1918. Im Hintergrund sind links der Gasthof zur Post und rechts die Konditorei Kuchler/Wanger zu sehen.

Nach einer Testphase verstärkt die Postbank ihren Service in Mühldorf. Haag wird von der mobilen Postfiliale nicht angefahren. Dabei zeigt ein Blick in die Haager Geschichtsbücher, dass die Post bereits seit 1664 in der Marktgemeinde präsent war.

Von Ludwig Meindl

Mühldorf/Haag– Änderungen gab es schon etliche bei der Haager Post. Letzte Neuerung war eine mobile Filiale der Postbank – allerdings nur als Testprojekt. Zu Beginn des Projektes wurden in der Region 5 verschiedene Standorte angefahren, darunter auch einmal eine Haltestelle in Haag. Mit dem 1. Juli 2020 aktualisiert die Postbank die Route der mobilen Filiale und passt sie den Bedürfnissen der Kunden an – Haag ist dann nicht dabei.

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„Leider wurde das Angebot in Haag nicht in ausreichendem Umfang angenommen. Da in Mühldorf sehr reges Interesse am Angebot der mobilen Filiale herrscht, werden die Services dort in Zukunft verstärkt. Um dies möglich zu machen, zieht sich die mobile Filiale aus Haag zurück“, so Anna Amerstorfer von der Zentrale in Berlin. Für Postbank-Kunden der Post-Partnerfiliale in der Rainbachstraße 9a stehen alle Services weiterhin zur Verfügung.

Die Haager Post besteht seit 1664, als Postmeier Öxle die Station mit Pferdestallung und „Hotel“ auf der Strecke Augsburg-München-Haag-Wien verwaltete. Der Standort wechselte vom heutigen „Valentino“ über das Milchwerk Jäger bis zum ehemaligen Bahnhof, heute „Haags Café & Mehr“, und schien der Bevölkerung damals etwas ausgelagert vom Zentrum.

Der Wechsel 1955 war durch Raummangel im Hause Georg Jäger bedingt. Die Post konnte den Umbau nicht alleine finanzieren und ließ sich vom Münchner Begräbnisverein unter die Arme greifen. So begann man im September zu bauen und hielt schon im November in der Bahnhofsrestauration Georg Maier die Hebfeier.

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Es folgte die Außenverzierung in Bronze mit der Inschrift „Post“, einer Kutsche, Postillon und 4-er-Gespann. Die Gemeindeverwaltung verkündete stolz: „Es ist wohl selten, dass ein Postgebäude in ländlicher Gegend so großzügige künstlerische Ausgestaltung erfährt.“ Zur Eröffnung bewunderte die Bevölkerung, die sich nach der offiziellen Feier „an beiden Schaltern mit großem Andrang“ einstellte, das „reliefartige Wandbild in Keramik“ aus der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Es zeigte die Gründung der Grafschaft Haag mit ihren Grenzen.

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So war der Amtsvorsteher und Oberpostverwalter Schwarz mit Betriebsleiter Peschky stolz, dem „Herrn Präsidenten“ zur Eröffnung eines der repräsentativsten Gebäude des Ortes vorstellen zu können. Er dankte dem Begräbnisverein und der Oberpostdirektion für die Verwirklichung. Vieles sei schöner geworden als erhofft. Den „chronischen Mittelmangel“ habe man kaum bemerkt. Er hoffe, dass „von diesem Hause möglichst nur gute und frohe Botschaften hinausgehen“.

Der Vizepräsident der Post bedauerte die Auslagerung, lieber wäre man im Zentrum geblieben. Die Baukosten wurden auf 200.000 Mark beziffert. Der Architekt übergab den Schlüssel mit rot-weißem Band in den Haager Farben.

Den Neubau bezeichnete Landrat Neuburger aus Wasserburg als Symbol für die „Entwicklung des aufstrebenden Marktes Haag“. Den Ansprachen folgte ein Rundgang der geladenen Gäste „mit den Herren der Presse“ und ein Frühstück im Café des Bürgermeisters Preßl.

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Während die Honoratioren feierten, konnte die Bevölkerung die neuen Räume besichtigen. So wurde aus der ehemaligen Postexpedition ein Postamt. Die Bedeutung wuchs von Jahr zu Jahr, stellte der „Haager Bote“ fest.

Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung des „emporstrebenden Marktes und seinem bedeutenden Hinterland“ umfasse diese neue Zentrale alle Außenstellen von Maitenbeth bis Reichertsheim.

So verließen das Postgebäude damals jährlich 130.000 „gewöhnliche Briefe“, 6.000 „eingeschriebene“ und 12.000 Pakete. Nach Haag kamen pro Jahr 25.000 Pakete, weswegen man Haag damals ein „Empfangsgebiet“ nannte.

Daneben holten 1.400 Rentner ihr Geld ab und zahlten 1.650 Bürger Rundfunkgebühren ein. Darauf folgte der „Versandprofi“ Stefan Gartner.

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