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Junger Soyener lebt seinen Weltreise-Traum

Mit dem Fahrrad nach Singapur: Wo steckt Zeno?

Mit 40 Kilo Gepäck auf dem Rad von Wasserburg  bis nach Singapur.
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Mit 40 Kilo Gepäck auf dem Rad von Wasserburg bis nach Singapur.
  • VonKatharina Vähning
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Für Zeno Kern ist es das Abenteuer seines Lebens, für die Familie das erste Weihnachten ohne ihren ältesten Sohn: In Wasserburg ist der 19-Jährige auf seine Reise nach Asien aufgebrochen. Eine Entscheidung, die nicht von ungefähr kam.

Wasserburg/Soyen - „Ich radel nach Singapur“. Es war keine Überraschung, als Zeno Kern, damals noch 17 Jahre alt, seinen Eltern eröffnete, dass er nach seinem Abitur mit dem Fahrrad nach Singapur fahren will. „Den Drang hinaus in die Welt hatte er schon immer“, erzählen seine Eltern Martin und Eva-Maria Kern aus Soyen. „Die Lockdowns waren für Zeno nur schwer auszuhalten“, sagt seine Mutter. Davor war er viel unterwegs – Wandern, auf Skitouren. In den Osterferien 2021 radelte er gemeinsam mit einem Freund an die Ostsee: Schlafen im Zelt, auch bei Minusgraden, genügsam leben: „Diese Art zu reisen hat ihm gefallen“, erinnert sich Eva-Maria Kern.

Dass ausgerechnet Asien sein Ziel werden würde, kam nicht von ungefähr: Mit dem Gymnasium Gars war er über ein Schüleraustauschprogramm in China und Indien gewesen: „Im Flieger habe ich beim Blick aus dem Fenster gedacht, wie cool es wäre, all diese Länder kennenzulernen“, so Zeno.

Herbst in der Türkei: Nur noch wenige Radler sind unterwegs.

Ein Auto war zu teuer, ein Motorrad kann er nicht reparieren, blieb nur noch das Fahrrad: So begründet Zeno seine Entscheidung fürs Velo. Als er das erzählt, ist es bereits Anfang Dezember. Er hat sein kleines Zelt im Süden der Türkei nahe der syrischen Grenze, irgendwo im Nirgendwo, aufgeschlagen. Es hat fünf Grad Minus, der Handyempfang ist erstaunlich gut.

Weniger ist mehr

Seinen robusten Drahtesel aus Stahl mit Getriebeschaltung kaufte er gebraucht über ebay. Die zwölf Gänge kann er auch im Stehen schalten. Ein Benzinkocher, der noch aus Altbeständen seines Vaters stammt, reicht für einfache Gerichte. Das Handy lädt er wahlweise mit dem Dynamo oder einem kleinen Solarpanel auf. Das Rad wiegt mit Gepäck um die 60 Kilo.

Losgeradelt ist er Ende Juli gemeinsam mit seinem Freund Adrian. Für die rund 15 000 Kilometer bis Singapur wollten sie sich ein Jahr Zeit nehmen. 200 Tage radeln, pro Tag etwa 70 Kilometer, bleiben 155 Tage, um Land und Leute zu erkunden. Leider wurde Adrian in der Nähe von Thessaloniki so krank, dass er die Reise abbrechen musste.

Zeno Kern entschied, allein weiterzureisen. „Das war gewöhnungsbedürftig, aber ich wollte auch die Erfahrung machen, allein zu sein“, räumt er ein. Dass er nach drei Wochen dann doch über weite Strecken Mitradler hatte, verdankt er der Whats-App-Gruppe „Seidenstraße“. Die Gruppe kannte er von einem Vortrag in Regensburg, den er 2019 besuchte. Ein Abenteurer erzählte von seiner Radtour nach China und von verschiedenen Gruppen. „Das ist quasi mein Reiseführer und die beste Informationsquelle“, so der mittlerweile 19-Jährige.

Einen Platz für die Nacht finden: Sein Zelt hat er schon im Wald, in der Wüste und auch am Berghügel wie hier im albanischen Patos, Ruzhdie, aufgebaut.

Geschlafen hat er im Wald, in der Wüste, in einer Felsenhöhle, in einem verlassenen Haus oder auch in einer kleinen Moschee am Straßenrand: „Wir haben jemanden getroffen, der deutsch spricht, und der uns genau erklärt hat, wie wir uns dort zu verhalten haben.“ „Wir“ sind meist Radler, die er aus der Gruppe kennt und mit denen er sich unterwegs verabredet hat: ein Pärchen aus Frankreich, ein Israeli, zuletzt Pete aus Deutschland.

Lauernde Straßenhunde

Von den anderen Abenteurern hat er auch erfahren, wie er sich am besten verhält, wenn Straßenhunde hinter dem Rad herlaufen. „Davon berichten fast alle Radler“, so Zeno Kern. Anhalten, ruhig bleiben, sich beschnuppern lassen: „Dann verlieren sie schnell das Interesse.“ Seine Erlebnisse, von Fahrradpannen, Gewittern oder dem älteren Mann, der ihm im Taurus-Gebirge einfach so eine gebratene Kartoffel schenkte, erzählt Zeno in seinem Blog „Where is Zeno?“

Gastfreundschaft

Als Zeno eine Nachricht auf Türkisch in seinem Insta-Account postete, bat seine Mutter eine Frau, die aus der Region Kapadokien stammt, und auf dem Markt in Wasserburg einen Stand betreibt, ihr das zu übersetzen: „Die Frau hat leuchtende Augen bekommen, weil sie genau aus dieser Gegend kommt. Sie hat sich von Herzen gefreut, dass jemand dort unterwegs ist. Für uns sind das schöne Momente, die Zeno uns schenkt.“

Die Gastfreundschaft, der Zeno so oft begegnet, bewegt auch die Kerns: „Wir hatten spontan die Idee, über die einschlägigen Radler-Gruppen jemanden einzuladen, der hier in der Region unterwegs ist und Weihnachten gerne bei einer Familie verbringen möchte.“

Gemischte Gefühle

Dass er oft nicht allein radelt, beruhigt seine Eltern. „Am meisten Angst habe ich davor, dass er einen Unfall hat und einfach übersehen wird“, gibt sein Vater zu. Denn wie wertvoll ein Freund sein kann, zeigte sich auch, als Adrian die gemeinsame Reise abbrechen musste. Martin und Eva-Maria Kern kennen meist Zenos genauen Aufenthaltsort. Ihr Sohn hat ihnen über eine App seinen Standort freigegeben: „Die Verbindung funktioniert nicht immer, aber meistens sehen wir, wo er nachts schläft.“ Doch aller Technik zum Trotz: „Als Eltern muss man das aushalten, dass man nicht eben in den nächsten Flieger steigen und helfen kann, wenn etwas passiert.“

Wunderbare Ruhe in der Moschee Kirkkuyu Cami in der Türkei.

Zeno Kern hat noch drei jüngere Geschwister. Für die Eltern gab es neulich einen Vorgeschmack darauf, wie es ist, wenn es ruhiger wird daheim: „Eine herausfordernde Situation“, räumt Martin Kern ein. Die älteste Tochter Frida (14) war in Frankreich auf einem Schüleraustausch, ihr Sohn Vitus (16) reiste ebenfalls nach Frankreich, Zeno radelte. Die Eltern und die jüngste Tochter Miriam (11) waren allein daheim. Ein familiäres Weihnachtsglück zu sechst wird es dieses Jahr nicht geben: „Das wird sicher anders werden. Aber wir wünschen uns nur, dass es ihm gut geht“, betonen beide.

Weihnachten in Bangkok

Die Feiertage verbringt Zeno in Bangkok. Wegen der Unruhen im Iran musste er seine Route ändern. Der Flug war nicht geplant. Für Notfälle hat er ein kleines finanzielles Polster, für das er neben dem Abi in einer Zimmerei gejobbt hatte. Ab Januar geht es dann weiter durch Südostasien. Sobald es das Wetter erlaubt, will  er auf dem Rückweg Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan bereisen.  

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