Minister werben für Soja-Anbau

Sehen im Soja-Anbau ein großes Potenzial: die Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (unten links) und sein bayerischer Kollege Helmut Brunner (rechts), die sich an einer Demofläche der Stadlhuber Agrarservice GmbH in Aschau, bayernweit einer der Vorzeigebetriebe in Sachen Soja-Anbau, informierten (von links): BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer, Alfons Fischer vom Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung, Minister Schmidt, Matthias Stadlhuber, Bezirksrätin Claudia Hausperger, Johann Kreitmeier (Landeskuratorium) und Minister Brunner.  Fotos hg
+
Sehen im Soja-Anbau ein großes Potenzial: die Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (unten links) und sein bayerischer Kollege Helmut Brunner (rechts), die sich an einer Demofläche der Stadlhuber Agrarservice GmbH in Aschau, bayernweit einer der Vorzeigebetriebe in Sachen Soja-Anbau, informierten (von links): BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer, Alfons Fischer vom Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung, Minister Schmidt, Matthias Stadlhuber, Bezirksrätin Claudia Hausperger, Johann Kreitmeier (Landeskuratorium) und Minister Brunner. Fotos hg

Eine steigende Zahl von Landwirten im Freistaat setzt auf Soja. Die Anbaufläche ist in Bayern seit 2010 um rund 80 Prozent auf 4300 Hektar gestiegen.

Das machte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner beim "Soja-Feldtag" in Aschau deutlich. Mit seinem Kollegen auf Bundesebene, Christian Schmidt, war er sich bei der Veranstaltung allerdings einig, dass noch große Anstrengungen erforderlich sind, um die bestehende Abhängigkeit von Importen auch nur zu reduzieren.

Aschau - Die Ausweitung des Soja-Anbaus ist Teil des "Aktionsprogramms Heimische Eiweißfuttermittel", das der bayerische Landwirtschaftsminister 2011 gestartet hatte. Ein Jahr später wurde diese Initiative mit der Eiweißpflanzenstrategie auf Bundesebene aufgegriffen. Ein bundesweites Soja-Netzwerk hat das Ziel, nicht nur den Anbau auszuweiten, sondern auch die Verwertung von Sojabohnen in Deutschland zu verbessern.

Federführend bleibt der Freistaat Bayern. Wie Experten bei dieser Tagung des Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. vor rund 200 Teilnehmern in der Gemeindehalle ausführten, gibt es in Norddeutschland Grenzen der Wirtschaftlichkeit des Soja-Anbaus. Die klimatischen Voraussetzungen im Süden der Republik sind deutlich günstiger: In Bayern könne Soja auf vielen Standorten mit guten Erträgen angebaut werden, hieß es.

Einer der Betriebe, die schon seit Längerem den Beweis dafür angetreten haben, liegt in Aschau. Bereits vor 20 Jahren brachte der Sojapionier Werner Stadlhuber die ersten Bohnen aus Kanada auf bayerischen Feldern aus. Der Betrieb, den sein Sohn Matthias mittlerweile übernommen hat, zählt zu den Vorzeigebetrieben der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, die den Feldtag mitveranstaltete und das Programm koordinierte.

Der ehemalige Ackerbauer hat sich zum Dienstleistungsunternehmen entwickelt, bietet die komplette Kette von der Aussaat, Anbau und Ernte bis hin zur Aufbereitung an. Und liefert Soja-Saatgut für insgesamt 300 Hektar an 80 verschiedene Anbauer. Über den Bestand, Säverfahren, Sorten, Saatgut-Impfung und Erntemaschinen konnten sich die Teilnehmer zum Abschluss der Tagung auf einer Demofläche vor Ort informieren. In Vorträgen hatten zuvor Fachleute und Praktiker über Anbautechniken, Aufbereitung und Absatz, über den aktuellen Forschungsstand und Fragen zur Wirtschaftlichkeit informiert.

Die Politik sieht ein enormes Potenzial in der Sojabohne. Das machten in einem Diskussionsforum Staatsminister Helmut Brunner und Bundesminister Christian Schmidt deutlich. Die beiden Fachminister betonten, dass der Ausbau der Eigenversorgung mit Eiweißpflanzen nicht zuletzt ein wichtiger Beitrag zur Erzeugung gentechnikfreier Lebensmittel sei. Denn noch werden nach den Worten Brunners jährlich rund 800000 Tonnen Soja als Eiweißfutter für Rinder, Schweine und Hühner allein nach Bayern importiert. Die Einfuhren kommen vor allem aus Südamerika und den USA, ein erheblicher Teil davon gentechnisch verändert.

Zwar hält Bundesminister Schmidt es auch langfristig nicht für realistisch, den bundesdeutschen Bedarf vollständig auf heimischen Flächen zu decken. Die erfolgreiche Entwicklung einer eigenen Eiweißstrategie hält er gleichwohl für eine existenzielle Frage. Zehn bis 20 Prozent des Netto-Imports "müssen unser Ziel sein".

Soja, der in Deutschland angebaut wird, werde nicht gentechnisch verändert sein, betonte Schmidt. Auch auf Bundesebene werde das Anbauverbot für genveränderte Organismen umgesetzt.

"Die große Mehrheit in Bayern, Erzeuger wie Verbraucher, will keine gentechnisch veränderten Produkte", plichtete Staatsminister Brunner bei. Nicht nur vor dem Hintergrund der Diskussion um die Gentechnik gelte es, die Weichen rechtzeitig in Richtung der Erwartungen in der Gesellschaft zu stellen. Der Trend gehe zu regionalen Produkten, Gesundheit und Nachvollziehbarkeit der Nahrungsmittel bekomme immer größere Bedeutung. Immer mehr Verbraucher seien bereit, mehr für ihre Lebensmittel auszugeben, ist Brunner optimistisch. Die Ausweitung des Anbaus von Soja und anderer Eiweißpflanzen stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und dient dem Klimaschutz. Neben der Intensivierung der Forschung gelte es ein Netzwerk aufzubauen, das Verarbeitung und Vermarktung einbindet, "damit es kein schwaches Glied in der Kette gibt".

Brunner sieht Anzeichen für eine europäische Anbaustrategie. Gemeinsam mit Österreich hat Bayern 2012 die Initiative "Donau-Soja" gestartet, der mittlerweile sieben europäische Staaten beigetreten sind. Für das kommende Jahr erwartet Brunner einen weiteren Schub. Dann können auf Initiative des Freistaats die von Brüssel geforderten ökologischen Vorrangflächen auch für den Anbau von Soja genutzt werden.

Zudem wird ab 2015 im Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm der Anbau von Soja finanziell gefördert. hg

Kommentare