Weinanbau in Rechtmehring? Das ist die Idee eines "Zauberers" während der Corona-Zeit

Jakob Lipp in seinen kleinen „Weinbergen“: Regelmäßig prüft er, ob die Rebpflanzen gut gedeihen. Irmi Günster
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Jakob Lipp in seinen kleinen „Weinbergen“: Regelmäßig prüft er, ob die Rebpflanzen gut gedeihen. Irmi Günster
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Von Beruf ist er Mentalist, doch Corona bescherte Jakob Lipp aus Rechtmehring eine Zwangspause. Er hat sie genutzt und sich einen Traum erfüllt: einen eigenen Weinberg.

Rechtmehring – „Ich habe eine riesengroße Freude“, erzählt Jakob Lipp aus Brandmeier bei Rechtmehring, als er auf die Reihen von Weinreben schaut, die er in der letzten Aprilwoche auf seinem Grundstück eingesetzt hat. Die Corona-Pause hat demVortragsredner und Querdenker einen Strich durch seine beruflichen Pläne gemacht, sodass er nun die Zeit und Muße hatte, seinen eigenen Wein anzubauen. Er wollte die Zeit nutzen und „nicht nur rumsitzen und jammern“, erklärt er.

Wein anzubauen macht zwar viel Arbeit, aber es bedeutet auch viel Freude, wenn die Pflanzen gedeihen, stellt der Neu-Winzer Jakob Lipp fest.

Weinanbau ist Neuland

50 Pflanzen aus 15 verschiedenen Sorten setzte Lipp zusammen mit der Hilfe eines Freundes in die Erde ein. Bisher seien alle Rebpflanzen gut angewachsen und hätten ausgetrieben, freut er sich. Ein klassischer Winzer habe fünf bis sieben Sorten. Warum also wählte er so viele verschiedene Arten? Fast alle – fast alle mit wohlklingenden Namen, wie Johanniter, Scheurebe und Regent, seien pilzresistent; nichtsdestotrotz gelte der Grundsatz: Je breiter gestreut die Auswahl sei, desto mehr werde der „Krankheitsdruck gemindert“. Oder, vereinfacht ausgedrückt: Sollten ein paar Pflänzchen eingehen, ist es nicht so schlimm, weil ja noch genügend andere vorhanden sind.

Lipp, für den der Weinanbau nach eigenen Angaben „komplettes Neuland ist“, las sich viel Wissen an und setzte sich mit erfahrenen Winzern in Verbindung. Druck mache er sich indes keinen, vielmehr gelte für ihn das Motto: „Alles kann, nichts muss.“

Wuchshüllen schützen vor den Feinschmecker-Rehen

Die Weinreben werden mit Wuchshüllen vor besonders zudringlichen Feinschmecker-Rehen geschützt, die man häufig auf den weitläufigen Flächen rund um das Haus beobachten kann.

Die Rebpflanzen erhalten Wuchshüllen, damit sich die Rehe am Garten von Jakob Lipp nicht an ihnen schadlos halten können.

Glücklicherweise habe im Mai das Wetter gut gepasst, sodass er bisher nicht habe bewässern müssen, erzählt Lipp. Aber er habe Vorkehrungen getroffen, damit dies während längerer Trockenphasen dennoch möglich sei. Grundsätzlich vermeide er das Wässern jedoch lieber, denn: Je weniger eine Pflanze gegossen werde, desto tiefer wurzle sie. Spannend bleibe es aber in jedem Fall, „da wir keine Weinbaugegend sind“, meint der experimentierfreudige Mann schmunzelnd. Er sei schon zufrieden, wenn er in den nächsten Jahren die ersten Trauben naschen könne. Wein zu erhalten, sei nicht „das erste Ziel“, zumal er diesen ohnehin nicht gewerblich nutzen dürfte.

Der neue Weinanbauer trinkt, was schmeckt

Zehn Ar (Flächenmaßeinheit beim Wein) für den Eigenbedarf seien lediglich zulässig, weiß Lipp. Im Übrigen sei er kein ausgewiesener Weinkenner, sondern trinke, „was schmeckt“. Wichtig sei ihm allerdings, Wein direkt beim Winzer und nicht im Supermarkt einzukaufen, damit dieser auch den vollen Betrag aus dem Verkauf erhalte.

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Wie stark hat ihn Corona beruflich getroffen? Seit der zweiten Märzwoche habe er einen kompletten beruflichen Ausfall, und „heuer wird auch nicht mehr viel kommen“, prognostiziert der Mentalist, dessen berufliche Tätigkeit sich aber mittlerweile in Richtung Vorträge und Coachingverlagert hat. Seine Familie sei bisher gesund geblieben, aber in seinem Umfeld habe es mehrere Todesfälle gegeben, die auch ihn betroffen gemacht hätten, erzählt Lipp.

Derzeit keine Chance auf Bühnenauftritte

Natürlich wäre er „lieber heute als morgen“ wieder auf der Bühne, aber er denke öfter an seinen Großvater, der zwei Weltkriege erlebt hatte. Im Vergleich dazu sei die momentane Situation dann doch noch recht gut auszuhalten. „So wie es ist, so nehme ich es hin“, meint Lipp pragmatisch. Solange seine Familie gesund sei, finde er einen Weg, damit zu leben. Außerdem nutzt Jakob Lipp die frei gewordene Zeit, um ein Buch zum Thema Kommunikation zu schreiben.

Gefreut habe ihn, dass er von Spaziergängern und Radfahrern häufig auf seinen Weinanbau angesprochen worden sei, wobei die Reaktionen durchweg positiv ausgefallen seien.

Was macht ein Mentalist?

Mentalisten betreiben laut Wikipedia „eine Form der Unterhaltungskunst, die sich hauptsächlich auf einen der fünf wesentlichen Aspekte der Zauberkunst stützt: das Vortäuschen paranormaler Phänomene. Dabei wird eine Fähigkeit zur Vorhersage oder Telepathie dargestellt, die zum Teil auf Gedächtniskunst, Suggestionstechniken, Zahlentricks/Schnellrechnen und Ähnlichem, aber auch auf den Standard-Techniken der Zauberkunst beruht“.

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