„Mein größter Erfolg war der Zusammenhalt im Rat“, sagt Reichertsheims scheidende Bürgermeisterin

Die scheidende Bürgermeisterin Annemarie Haslberger ließ sich vor der Schule fotografieren. Günster

Bürgermeisterin Annemarie Haslberger war zwölf Jahre Reichertsheimer Bürgermeisterin, zuvor seit 1990 im Gemeinderat – damals als erste Frau –, außerdem 30 Jahre im Kreis- plus 19 Jahre im Bezirkstag. Für den Fototermin mit unserer Zeitung suchte sie sich die Schule aus, „weil Kinder die Zukunft einer jeden Gemeinde sind“.

Reichertsheim –Vor 30 Jahren war im Gemeinderat der Umgangston ein anderer, beschreibt sie. „Ich fühlte mich aber stets angenommen und anerkannt. In diesen Jahren habe ich viel gelernt. Das politische Ehrenamt über 30 Jahre war eine sehr interessante, eine schöne, manchmal sehr schwierige Zeit. Ich möchte aber kein Jahr davon missen. Ich bin mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammengekommen und wir haben gemeinsam Zukunft gestaltet.“

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Nur das jetzige Ende hätte sie sich angesichts der Corona-Krise anders vorgestellt. „Nach so langer Zeit den anderen nicht mal die Hand zum Abschied geben dürfen“, das bedauert sie sehr.

Was war Ihr größter Erfolg?

Das war der Zusammenhalt im Gemeinderat. Wir waren nicht immer der gleichen Meinung, haben aber immer einen guten Konsens gefunden. Das hat uns als Truppe stark gemacht.

Was war Ihr wichtigstes Vorhaben, das Sie umsetzen konnten?

Es war eine wirtschaftlich gute Zeit. So konnten wir gemeinsam viel erreichen. Ein Meilenstein war der Neubau der Kinderkrippe und des Kindergartens, gleich zu Beginn meiner Amtszeit als Bürgermeisterin die Sanierung der Grundschule. Weiter ging‘s mit dem Breitbandausbau, welcher fast abgeschlossen ist, sodass wir in der Gemeinde mit schnellem Internet versorgt sind. Der Straßenbau und die Hoferschließungen im Außenbereich können wir dank Flurneuordnung umsetzen. Da sind wir noch mittendrin. Besonders freut mich die Ausweisung des Baugebiets in Ramsau. Ferner haben wir für den Bauhof einen Platz am Wertstoffhof in Ramsau gefunden. Die dringend notwendige Sanierung und der Neubau des Rathauses sind noch nicht abgeschlossen.

Was hätten Sie gerne noch in Ihrer Amtszeit verwirklicht, was haben Sie nicht geschafft?

Ich hätte noch gerne das Rathaus fertiggestellt und den Dorfsaal in Reichertsheim umgesetzt. Eine Lösung für einen größeren Übungsraum der Trachtenblaskapelle Ramsau konnte noch nicht gefunden werden.

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Aus Ihrer Erfahrung heraus: Welchen Ratschlag haben Sie für Ihren Nachfolger?

Ratschläge gebe ich nur, wenn ich gefragt werde. Mein Nachfolger Franz Stein ist seit 18 Jahren im Gemeinderat, der weiß wie es läuft. Wenn er einen Rat braucht, kontaktiert er mich schon.

Was wünschen Sie Ihrer Gemeinde für die Zukunft?

Immer wieder Bürger, die sich mit viel Herzblut engagieren und auch Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Ich wünsche mir, dass es immer wieder Feste und Feiern gibt, welche gemeinsam vorbereitet und durchgeführt werden. Das ist nicht nur Arbeit, sondern es entsteht Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt.

Was hat sich in den Jahren, in denen Sie mit gemeindlichen Entscheidungen befasst waren, in Bezug auf die Bürger verändert?

Der Bürger will in seinem Anliegen ernst genommen werden. Er denkt zunächst nur an sich und sieht oft das Gesamte nicht. Der größte Teil der Bürger ist wohlwollend, sogenannte Streithansl hat es immer gegeben.

Was hat sich in dieser Zeit in Bezug auf den Umgang mit Behörden verändert?

Die Verwaltungsarbeit ist sehr anspruchsvoll geworden. Früher bestand ein Bebauungsplan aus ein paar Blättern, heute sind das ein oder auch mehrere Ordner. Ist das wirklich besser? Die Belange der Umwelt mit Ausgleichsflächen, Grünordnung und so weiter sind natürlich mehr berücksichtigt.

Interview: Karlheinz Günster

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