DEBATTE UM NACHVERDICHTUNG

Mehrfamilienhaus in Haag: Missverständnis sorgt für Nachdebatte

Eine mögliche Ansicht des geplanten Mehrfamilienhauses von Norden. Markt Haag
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Eine mögliche Ansicht des geplanten Mehrfamilienhauses von Norden.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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  • Ludwig Meindl
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Mit knapper Mehrheit hat der Bauausschuss des Haager Gemeinderats jetzt Ja gesagt zum geplanten Mehrfamilienhaus an der Münchener Straße – im zweiten Anlauf. Die Entscheidung begleitete nicht nur eine Vor- , sondern aufgrund eines Missverständnisses auch eine Nachdebatte.

Haag – „Wir sind alle froh, wenn für Familien Wohnraum geschaffen wird.“ Diesen Vorspann wollte Dr. Bernhard Grabmeyer (Freie Wähler) dem Beschluss zum Bauvorhaben voranstellen lassen. Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) bestätigte, der „emotionale Vorschlag“ Grabmeyers sei notiert – und verlas daraufhin als Beschlussvorschlag, das gemeindliche Einvernehmen zum Bauvorhaben solle hergestellt werden. Das befürworteten sechs Ausschussmitglieder, vier (CSU und Grüne) stimmten dagegen.

Missverständnis bei der Abstimmung

Daraufhin schaltete Grabmeyer sein Mikrofon wieder ein und bemerkte: Er ziehe seine Stimme zurück. Er habe gedacht, es werde zuerst über die Frage abgestimmt, ob sein allgemeiner Einleitungssatz, die Gemeinde begrüße die Schaffung von Wohnraum für Familien, in den Vorspann zum Beschluss aufgenommen werde. Stimmen können jedoch rechtlich gesehen nicht zurückgezogen werden. Am Ergebnis rüttelte Bürgermeisterin Schätz deshalb nicht mehr: Es blieb also bei der knappen Mehrheit für das gemeindliche Einvernehmen.

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Bei Stimmenpatt wäre es zur Ablehnung gekommen. Grabmeyer bestätigt auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, er habe beim Abstimmungsverfahren das Prozedere missverstanden. Er hätte sich eine Zweiteilung des Beschlusses gewünscht: In Punkt eins einen allgemeinen Passus, der deutlich gemacht hätte, dass die Kommune generell die Schaffung von Wohnraum unterstütze, in Punkt zwei dann die Abstimmung zum konkreten Antrag. Bei Punkt eins hätte er zu-, bei Punkt zwei aus Gestaltungsgründen dagegen gestimmt.

Vor der Entscheidung war Schätz noch einmal auf die Einwände bei der ersten Ablehnung eingegangen: Es hatte unter anderem Kritik an der Zufahrt der Tiefgarage und an der Massivität des Gebäudes gegeben. Der Bauträger habe die Planung deshalb überarbeitet. Für Sabina Grünke vom Bauamt versicherte sie: „Das Vorhaben entspricht den Bauvorschriften.“

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Bauherr Klaus Weiß erläuterte die Anpassung der Ausfahrt und das Verschieben des Gebäudes. Das Vorhaben für 22 Wohnungen in einer Größe zwischen 65 und 130 Quadratmetern solle nach neuestem technischem Stand ausgeführt werden. Dazu zählen nach seinen Angaben Photovoltaikanlage, Wasserspeicher und Elektroladestellen.

Von den 50 Parkflächen befänden sich 38 in der Tiefgarage. Fünf Plätze seien behindertengerecht. Das Erdgeschoss weise sechs behindertengerechte Wohnungen aus. Der First sei „unwesentlich höher als das Gebäude vorher“. Er habe bereits 16 Anrufe von Interessenten.

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Die Nachverdichtung lobte Dritter Bürgermeister Dr. Florian Haas (PWG) und unterstrich: „Wir wollen das nicht verhindern.“ Er habe die Wuchtigkeit und den großen Abstand zur Straße kritisiert. Die Eingliederung in die Umgebungsbebauung sei wichtig. Die Münchener Straße gehöre zur Visitenkarte von Haag.

Ein „stattliches Stadthaus“ sei an dieser Stelle, dem Eingangstor zur Marktgemeinde von München kommend, willkommen, bemerkte Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer (CSU). Doch er wünschte sich eine Nachbearbeitung. Högenauer schlug vor, die Rudolf-Diesel-Straße zu verbreitern, um eine „vernünftige Pkw-Begegnung“ zu ermöglichen. Im Magen lagen ihm noch die Wandhöhe und das flachgeneigte Dach, das vom Gesamtbild abweiche. Modifizierungen in diesen Bereichen müssten noch getätigt werden, fand Högenauer.

Passend oder ein Fremdkörper?

„Flachdächer sind bayernweit aktuell“, merkte Bauherr Weiß an. Die Wandhöhe von 8,74 Meter orientiere sich am Vorgängerbau. Trotzdem fand Klaus Breitreiner (CSU), der Bau weiche von der Umgebung ab. Dagegen urteilte Eva Rehbein (SPD): „Das ist kein Fremdkörper, das passt da hinein.“

Josef Hederer (PWG) wollte den Rat des städtebaulichen Beraters hören, „um mehr Sicherheit zu bekommen“. Generell sehe er das Vorhaben als „Schritt in die richtige Richtung“. Weiß betonte: „Es soll langhaltig und schön sein.“ Er wolle keinen billigen Schnellschuss.

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Aus rechtlicher Sicht verwies die Bürgermeisterin nochmals darauf, dass die Planung zulässig sei. Die Ausfahrten würden funktionieren. Die Erschließung sei gesichert. Die Räte sollten sich nicht in Debatten um Details verstricken. Es handle sich um ein „normales Haus wie in vielen Städten“. Zusammen mit dem Bauamt werde der Bauträger die beste Lösung finden.

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