Mehr Selbstvertrauen mit "Mischa"

Mit viel Begeisterung genoss Aylin (Mitte) die Delfintherapie. Ihre Therapeutin Viktoria (rechts) und vor allen Dingen "Mischa", der zwölfjährige Delfin, verhalfen der jungen Waldkraiburgerin zu mehr Selbstvertrauen. Foto re
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Mit viel Begeisterung genoss Aylin (Mitte) die Delfintherapie. Ihre Therapeutin Viktoria (rechts) und vor allen Dingen "Mischa", der zwölfjährige Delfin, verhalfen der jungen Waldkraiburgerin zu mehr Selbstvertrauen. Foto re

Zehn Tage durfte Aylin Akbulut mit einem Delfin schwimmen. Die junge Waldkraiburgerin war im August in Antalya bei einer Delfintherapie und hat hier neuen Lebensmut gefasst.

Waldkraiburg - Wenn Aylin, die in die sechste Klasse der Realschule geht, von "Mischa" spricht, dann beginnen ihre Augen zu leuchten. Mischa ist das zwölfjährige Delfinmännchen, mit dem sie schwimmen durfte. "Seine Haut fühlte sich wie Gummi an. Sie war samtig und gar nicht glitschig", beschreibt Aylin, die in Kürze zwölf Jahre alt wird, den Kontakt mit dem Meeressäuger.

Angst war wie weggeblasen

Zwar habe sie erst einmal "schon ein bisschen Angst gehabt", als sie in das große Becken gehoben wurde, wo drei Delfine ihre Runden zogen. Doch Viktoria, ihre Therapeutin, habe ihr gezeigt, wo und wie sie "Mischa" anfassen darf. Und als sie sich das erste Mal an der Rückenflosse festhielt und von dem Delfin durchs Becken gezogen wurde, war die Angst wie weggeblasen.

"Wenn ich von ihm runtergefallen bin, dann hat er gestoppt und gewartet, bis ich wieder aufgestiegen bin", erzählt Aylin begeistert. Da kam ihr zugute, dass sie selber schwimmen kann. "Das hat mir mein Papa gelernt".

Dass Aylin schwimmen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Das aufgeweckte und kluge Mädchen leidet an diastrophischer Dysplasie, einer seltenen angeborenen Erkrankung mit den Hauptkennzeichen Kleinwuchs, kurzen Extremitäten und Gelenkdeformationen. Doch von diesen körperlichen Einschränkungen lässt sich Aylin nicht unterkriegen. "Sie ist wie eine Botschafterin, sie ist immer optimistisch und hat immer ein Lächeln auf den Lippen", beschreibt sie Stephanie Pollmann, die Behindertenbeauftragte der Stadt Waldkraiburg. Dabei weiß sie auch von Problemen, die die Familie mit Behörden oder Krankenkassen hat, wenn es um die Bezahlung von notwendigen Hilfsmitteln geht. "Ich würde mir wünschen, dass man hier bevölkerungsfreundlicher agieren würde. Schließlich geht es um die Selbstständigkeit von Behinderten", sagt Pollmann, die das Gebaren auch bei anderen Behinderten kennt.

Auch wenn Aylin auf den Rollstuhl angewiesen ist, kämpfte sie sich durch die Grundschule und ist mittlerweile in der sechsten Klasse der Realschule. Nicht ohne Stolz erzählt Mama Silvia, dass Aylin im Jahreszeugnis der fünften Klasse stehen hatte, dass sie eigentlich fürs Gymnasium geeignet wäre. Doch das ist jetzt kein Thema für die Familie. Jetzt sind Orthesen wieder ein Thema, mit denen Aylin selbst laufen kann. Zwar nicht weite Strecken, das ist allen klar, aber doch soweit, dass sie sich zu Hause selber fortbewegen kann.

Das ist auch ein Verdienst der Delfintherapie. Denn als vor einiger Zeit die Sprache auf Orthesen kam, verkrampfte Aylin und blockte ab. Da kam es Familie Akbulut gerade recht, dass die Freundinnen der Mutter Aylin nach dem Abschluss der Grundschule ein Geschenk machen wollten und das erste Mal die Möglichkeit einer Delfintherapie auftauchte. Mit ihr sollten das Selbstbewusstsein gestärkt und Ängste abgebaut werden. Doch diese Therapie, die wissenschaftlich nicht anerkannt und damit von den Krankenkassen nicht bezahlt wird, ist teuer. Über 10000 Euro kostet sie in Amerika, im türkischen Antalya wird sie für rund 4000 Euro angeboten. Mit dabei sind auch eine Aquatherapie, eine Klangschalentherapie sowie der Besuch der Delfinshow und des Freizeitparks Aqualand. Immer noch viel Geld, denn die Kosten für Flug, Unterkunft und Versorgung kommen noch dazu.

Die Behindertenbeauftragte der Stadt, Stephanie Pollmann, die auch Therapeutin von Aylin ist, bemühte sich darum, eine Finanzierung über Stiftungen auf die Beine zu stellen. Allerdings vergeblich. Da zapfte Pollmann ihre politischen Quellen an und die CSU öffnete die Türen zu dem einen oder anderen Spender. Darüber hinaus wurden in verschiedenen Geschäften Sammelbüchsen aufgestellt. Letztlich möglich wurde die Therapie vor allem durch private Spenden. Dazu beigetragen haben die Familien Leitner, Huber, Maierhofer, Wolf und Kluna aus Waldkraiburg sowie Familie Ziegler aus Kraiburg und nicht zuletzt auch der Verein "Sterntaler", der mit seinen Mitteln Familien und Kinder aus Waldkraiburg und Umgebung unterstützt.

Allerdings sollte die Delfintherapie eine Überraschung für Aylin sein, was die ganze Sache etwas schwieriger machte, erzählt Aylins Mutter. Doch nach etwa einem Jahr war es soweit, und die Summe war unter Dach und Fach.

So stand der aufregenden Reise in die Türkei nichts mehr im Wege. Als Stephanie Pollmann Aylin zum ersten Mal nach der Therapie wieder sah, war sie begeistert, was diese aus dem jungen Mädchen gemacht hat: "Sie hat ein strahlendes Gesicht, man spürt ihr Selbstvertrauen und sie schaut den Leuten ins Gesicht."

Wenn Aylins Mutter einen Wunsch frei hätte, bekäme ihre Tochter noch einmal eine Delfintherapie.

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