Ärztemangel auf dem Land: So will Haag die Versorgung sicherstellen

Eine Situationsanalyse zur generellen Lage der MVZ Kliniken Mühldorf gab Geschäftsführer Dr. Wolfgang Richter. Die Versorgung der Region leidet seiner Feststellung nach daran, dass die Hausärzte ohne Nachfolge blieben.
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Eine Situationsanalyse zur generellen Lage der MVZ Kliniken Mühldorf gab Geschäftsführer Dr. Wolfgang Richter. Die Versorgung der Region leidet seiner Feststellung nach daran, dass die Hausärzte ohne Nachfolge blieben.
  • vonLudwig Meindl
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Ein neues medizinisches Versorgungszentrum soll Haag bekommen. Der bisherige Standort an der Rainbachstraße wird zu knapp. Im ersten Grundsatzbeschluss sprachen sich die Gemeinderäte einstimmig dafür aus. Die Standortfrage wird noch ausgiebig diskutiert werden.

Haag – In der Hauspraxis von Dr. Walter Liebl an der Rainbachstraße war 2017 das erste medizinische Versorgungszentrum (MVZ) entstanden. Nun, so Bürgermeisterin Sissi Schätz, stellten Dr. Walter Liebl und die Leiterin des Zentrums Dr. Anja Mundweil den Antrag auf größere Räumlichkeiten. Der Standort sei zu eng geworden.

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Wie ist die Situation im Landkreis Mühldorf?

Eine Situationsanalyse zur generellen Lage der MVZ Kliniken Mühldorf gab Geschäftsführer Dr. Wolfgang Richter. Die Versorgung der Region leidet seiner Feststellung nach daran, dass die Hausärzte ohne Nachfolge blieben. In den Bereichen Mühldorf und Waldkraiburg seien 53 Prozent der Hausärzte über 60, eine Vielzahl über 70. Diese „erhebliche Überalterung“ treffe auch auf die Region Wasserburg-Haag zu.

„Eigenes finanzielles Risiko schreckt Ärzte ab“

Acht praktizierende Kollegen listete Dr. Wolfgang Richter für Haag, Maitenbeth und Gars auf. Die Patienten erwarteten heute vom Hausarzt durchgehende Sprechzeiten, kontinuierliche Betreuung, individuelles Eingehen und kurze Wartezeiten. Den Arzt von einst, der rund um die Uhr erreichbar war, gäbe es nicht mehr. Eigenfinanzierungen der Praxen seien nicht mehr gefragt: „Das eigene finanzielle Risiko schreckt ab.“

Einen Lösungsansatz hierzu biete ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Diese Organisationsform für mehrere Ärzte im Anstellungsverhältnis erfahre in Mühldorf die Unterstützung der Kliniken: „Wir haben das Knowhow, Strukturen aufzubauen.“ So werde man zunehmenden Patientenzahlen gerecht und schaffe eine ambulante-stationäre Verzahnung. In Haag sind nach Dr. Richter derzeit unter Leitung von Dr. Anja Mundweil drei Ärzte in Teilzeit beschäftigt und eine Assistentin in Vollzeit. Zunehmende Probleme werfe die räumliche Beengtheit auf.

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Was Haag zu einem guten Standort für MVZ macht

Haag bietet demnach ideale Voraussetzungen als Standort mit der Nähe zu Behörden und Geschäften. Die Umsetzung eines größeren MVZ mit mehreren Praxen unter einem Dach bringe auch einen Mehrwert für den Ort. Mit der Umsetzung eines „Gesundheitszentrums Haag“ habe man jetzt noch die Chance, den drohenden Ärztemangel in der Region abzufangen, so abschließend Dr. Wolfgang Richter von den MVZ Kliniken Mühldorf.

Bürgermeisterin Sissi Schätz dankte für die umfassende Information. Dritter Bürgermeister Dr. Florian Haas (PWG) war der Meinung, alle Räte begrüßten diesen medizinischen Schwerpunkt. Zur weiteren Umsetzung solle man sich an einem runden Tisch begegnen. Gemeinsames Vorgehen schlug auch Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer vor. Die Gemeinde habe jedoch keine Immobilien anzubieten. Dazu brauche es einen Neubau in kompletter Eigenfinanzierung, so Dr. Richter, diverse Bauvoranfragen lägen bereits vor. Auflagen seien zu berücksichtigen und ausreichend Parkplätze zu schaffen.

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„Haag bräuchte Fachärzte“, ergänzte Hans Urban (CSU). Nach Dr. Richter bleiben die Hausärzte eine wichtigere Anlaufstelle. Er habe bereits eine Nachfrage nach Einrichten einer Dialyseabteilung in Haag. Dr. Bernhard Grabmeyer (Freie Wähler) appellierte an die Kontinuität der behandelnden Ärzte: „Die Patienten wollen den ständigen Wechsel nicht.“

Standortdebatte geht weiter

Bernd Schneider (CSU) drängte darauf, nicht lange zu diskutieren, sondern die optimale Gesundheitsversorgung zu verwirklichen. So erfolgte der einstimmige Beschluss der Befürwortung mit dem Zusatz von Dr. Florian Haas, dass sich Gemeinderäte und Ärzte am runden Tisch treffen.

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