„Max Mannheimer hat viel bewirkt“

Heinrich Baumert vom „Verein des Erinnerns“ fand beeindruckende Worte bei der Gedenkfeier an die Opfer des Todesmarsches durch Schnaitsee. Dahinter die Musiker des Musikvereins mit dem Heimatvereinsvorsitzenden Dr. Arnold Böhm (links). Unterforsthuber

Schnaitsee/Mettenheim – Die Gedenkfeier für die Opfer des Todesmarsches durch Schnaitsee konnte heuer wegen des Wetters nicht am KZ-Mahnmal in Sandgrub stattfinden, sondern musste in die St.-Anna-Kirche verlegt werden.

1945 war es nahe Schnaitsee, in Sandgrub, zu Morden an elf jüdischen Häftlingen gekommen, die von der SS aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg nach Süden getrieben wurden, um die Gräueltaten vor den anrückenden alliierten Streitkräften zu verbergen.

Die Gräuel, die vor 74 Jahren an der Straße von Schnaitsee nach Frabertsham verbrochen wurden, standen im Mittelpunkt des Gedenkens. Heinrich Bau-mert vom „Verein des Erinnerns“ aus Mühldorf berichtete von seinem Schwiegervater, der als Augenzeuge den Todesmarsch durch Niederbergkirchen miterleben musste. „Während draußen die ausgemergelten Häftlinge vorbeigetrieben wurden, kam ein SS-Scherge mit blutverschmierten Lederstiefeln in die Stube und ließ sich bedienen. Er ließ es sich gutgehen, während im Freien die Häftlinge zu Tode geschunden wurden.“ Erinnerungen wie diese haben die Initiatoren des Vereins angespornt, es sich zur Aufgabe zu machen, das Gedenken an das Unrecht im menschenverachtenden NS-Regime zu pflegen.

Baumert nannte die Führungen durch das ehemalige Bunkergelände im Mühldorfer Hart als wichtigen Bestandteil dieser Arbeit. „Wir sind über jeden Interessenten an unseren Führungen froh. Denn diese tragen das Erinnern hinaus zu den Menschen.“

Zum Entstehen der Gedenkstätte nannte Baumert Max Mannheimer als sehr wichtigen Botschafter. Er war selbst betroffen alsKZ-Häftling, der Auschwitzund das Außenlager vonDachau in Mettenheim bei Mühldorf überlebt hatte. Für die Erinnerungskultur hab er viel bewirkt, so Baumert.

Der Referent, der sich bereits seit 19 Jahren in diesem Bereich engagiert, berichtete von den Gräueltaten in Schnaitsee und Mettenheim-Hart. In der KZ-Außenstelle waren rund 10 000 Häftlinge und Zwangsarbeiter tätig. Tätig waren sie im „Weingut I“ – ein Deckname für die Produktionsstätte, in der Hitlers „Wunderwaffe“ konstruiert werden sollte: die Messerschmitt Me 262. Es handelte sich um die ersten in Serie gebauten Militärflugzeuge mit Strahltriebwerken. „Viele der KZ-Arbeiter starben hier einen elenden Tod“, so Baumert.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, der zusammen mit dem Musikverein seit vielen Jahren diese Gedenkfeier organisiert, Dr. Arnold Böhm, freute sich, dass trotz des Wetters so viele Bürger gekommen waren, um am Schicksal jener Opfer bei Sandgrub teilzuhaben. „Gerade jetzt in Zeiten, in denen der Rassismus und der Nationalismus am Erstarken sind, ist es wichtig, Mut zu zeigen und entschlossen dagegen einzutreten.“ Er fragte: „Ist dieses unselige Gedankengut nicht zu vernichten. Dabei sollte es heißen ,Nie wieder‘.“

Diakon Konrad Maier fand ausdrucksstarke Vergleiche. Er hatte mehrere Steine dabei: „Stolpersteine, die uns daran erinnern, wie viele Menschen unschuldig in jener Zeit ihr Leben lassen mussten. Aber dieser Stein hier steht für das Mahnmal in Sandgrub. Dieser Gedenkstein lässt uns erinnern, so dass wir diese Zeit nie vergessen dürfen, aber auch nicht wieder kommen lassen dürfen“, erklärte der Diakon.

Die Gedenkfeier wurde von den Bläsern des Musikvereins unter der Leitung von Rupert Schmidhuber mit Marienliedern musikalisch umrahmt.

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