Gastbeitrag zu „30 Jahre Deutsche Einheit“

Mauerfall ist präsenter als die Wiedervereinigung, finden Wasserburger Schülerinnen

Maja Mangstl (links) und Theresa Weithofer, 16-jährige Schülerinnen des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg, haben ihre Gedanken zur Wiedervereinigung aufgeschrieben.
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Maja Mangstl (links) und Theresa Weithofer, 16-jährige Schülerinnen des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg, haben ihre Gedanken zur Wiedervereinigung aufgeschrieben.

Leben in einem Unrechtsstaat: Zwei Gymnasiastinnen aus Wasserburg können sich das gar nicht vorstellen. Sie haben sich Gedanken gemacht über die Wiedervereinigung, die geschah, als sie noch gar nicht geboren waren.

Von Theresa Weithofer und Maja Mangstl (16)

Wasserburg– „Was uns zum Thema Wiedervereinigung einfällt? Ganz ehrlich, im ersten Moment würden wir beide antworten: eher wenig. Wir haben auf Anfrage der Wasserburger Zeitung aber mal ein bisschen darüber nachgedacht, wir, die wir 14 Jahre nach der Wiedervereinigung geboren wurden. Der Mauerfall von 1989 ist viel präsenter in den Köpfen als die Wiedervereinigung. Man bespricht in der Schule die Zeit vor dem Mauerfall und das Ereignis an sich ziemlich intensiv, wobei die Einheit ein Jahr später unter den Tisch fällt. Wir sind lange davon ausgegangen, dass der Mauerfall unmittelbar zur Wiedervereinigung geführt hat. Und ja, der Tag der Deutschen Einheit und der Sinn dahinter geht oft verloren bei der ganzen Euphorie über schulfrei.

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Mittlerweile wissen wir natürlich, was an diesem für Deutschland sehr bedeutenden Tag passierte. Die Volkskammer der DDR und der deutsche Bundestag haben zuvor den Vertrag gebilligt, dass Ost- und Westdeutschland von nun an eine Einheit bilden. Und seitdem feiern wir ja jedes Jahr am 3. Oktober den Tag, an dem dieser Vertrag in Kraft gesetzt wurde.

Sinnvoll, dass wir diesen Feiertag haben

Weil dieses Ereignis aber schon lange her ist, ist es nicht verwunderlich, dass viele in unserer Generation nicht darüber Bescheid wissen und keinen richtigen Zugang dazu haben. Deswegen ist es sinnvoll, dass wir diesen Feiertag haben, an dem sich manche Leute tatsächlich darüber wundern, warum heute alle frei haben. Durch die Medien werden wir daran erinnert, was vor 30 Jahren passierte.

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Vielleicht ruft es bei manchen Menschen in Erinnerung, dass wir uns sehr glücklich schätzen können, in einem vereinten Deutschland aufwachsen beziehungsweise leben zu können. Denn früher wurden Familien auseinandergerissen, was heute so unvorstellbar scheint. Das ganze Leben im Osten war stark eingeschränkt, es gab nur sehr bedingt freie Meinungsäußerung, die ganze Freiheit wurde den Menschen geraubt. In keinster Weise nachvollziehbar, wie wir finden!

Keine schnelle WhatsApp-Nachricht über die Grenze möglich

Die Leute damals hatten auch nicht die Möglichkeit, mal schnell eine WhatsApp-Nachricht über die Grenze zu ihren Liebsten zu schicken. Das ist doch schlimm: Nicht die Möglichkeit zu haben, Kontakt zu haben zu den Menschen, die man mag. Wie haben die das bloß ausgehalten? Es muss wohl der Glaube an die Hoffnung gewesen sein.“

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