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ESCHENSTERBEN RASANT BESCHLEUNIGT

Massive Gefahr für Straßen und Wege

Seit zwei Wochen arbeitet die Mannschaft von Willi Ziegler schon im Gaberseer Kirchwald. In kürzester Zeit ist der Wurzelballen abgefault wie bei diesem Exemplar (kleines Bild).

Der Name klingt fast niedlich: „Stengelbecherchen“ heißt der Pilz, der seit einigen Jahren den heimischen Eschen zusetzt. Doch seine Wirkung ist alles andere als nett. Das Eschensterben hat in diesem Frühjahr einen neuen Höhepunkt erreicht und führt inzwischen zu massiven Gefahren, beispielsweise an Verkehrswegen.

Wasserburg– Ludwig Krug, der Wasserburger Revierförster beim Amt für Landwirtschaft, war eigentlich vorbereitet. Dass der Pilz „Hymenoscyphus pseudoalbidus“ die heimischen Eschen durch das sogenannte „Triebsterben“ deutlich dezimieren wird, hatte sich schon in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Das Tempo aber, mit dem der Forstschädling in den letzten Wochen zuschlägt, hat ihn doch überrascht: Reihum müssen teils mächtige Laubbäume gefällt werden, weil sie innerhalb kürzester Zeit abgestorben sind.

So auch im Gaberseer Kirchenwald: Das Waldstück zwischen dem Klinikgelände und der Südlichen Burgau, das dem Bezirk Oberbayern gehört, ist ein beliebter Spazier- und Erholungsbereich, die Sicherheit ist daher ein wichtiges Thema. Seit gut zwei Wochen arbeiten hier Baumpfleger Willi Ziegler und seine Kollegen schon, und noch ist kein Ende in Sicht. Autokran und Hebebühne waren bereits im Einsatz, um die Bäume an kritischen Stellen „so bestandsschonend wie möglich“ zu entnehmen – ein besonderes Anliegen von Ziegler.

Denn „mit Baumpflege ist hier nicht mehr viel zu machen“, ist er betroffen vom Ausmaß der Schäden: „ Am Ende werden vielleicht gerade noch zehn Prozent des Eschenbestandes stehen.“ Wie lange, das wagt derzeit keiner der Fachleute zu prognostizieren: „Vor einigen Wochen haben wir Bäume markiert, die noch gesund ausgeschaut haben. Die müssen jetzt schon dringend weg, weil wir Angst um ihre Standfestigkeit haben müssen“, so Ludwig Krug.

Schuld daran ist neben dem Eschentriebsterben, das aus Osteuropa nach Bayern kam, auch ein heimischer Pilz. Der „Hallimasch“ befällt das Wurzelwerk geschwächter Bäume. Bei den befallenen Eschen ist innerhalb kurzer Zeit von dem vorher mächtigen Wurzelballen nur mehr ein verfaulter Stumpf übrig. Abgestorbene Eschen können daher völlig unkalkulierbar umstürzen. „Das müssen wir natürlich in einem so belebten Waldstück unbedingt verhindern“, so Krug.

Gabersee ist nicht der einzige Bereich, der betroffen ist. So mussten am Herder Zonen gesperrt und Eschen gefällt werden. Aktuell wird in Attel gearbeitet, um Gefahren zu beseitigen. Große Probleme gab es am Innweg bei der Waldkapelle. Und überall entlang von Straßen sind Fachleute zu Kontrollen und Fällungen unterwegs. Denn die Esche ist ein beliebter Straßen-Begleitbaum – oder besser war es: „In einigen Orten des Landkreises müssen wir sogar komplette Waldbereiche abräumen, nämlich da, wo es sich um Eschen-Reinbestände handelt“, so Marius Benner.

Der neue Leiter des Forstbereiches im Landwirtschaftsamt Rosenheim hat seit seinem Einstand vor vier Monaten fast täglich mit diesem Problem zu tun – und muss sich dabei auch einige Klagen von Waldbauern anhören. Denn bis vor einigen Jahren hat das Amt die Anpflanzung der Esche ausdrücklich empfohlen: Fast ideal für die meisten Böden im Landkreis, sturmstabil, hoher Holzwert waren die Argumente. „Das hat ja auch gestimmt – bis der Pilz kam, den wir damals noch gar nicht kannten“, so Benner. Inzwischen ist Esche praktisch nur mehr als Brennholz oder als Rohmaterial für Pressplatten zu verkaufen, weil der Markt damit überschwemmt wird. Das gilt selbst für die schönsten der Stämme, die am Landschaftsweg aufgerichtet sind. Der Holzertrag werde hier die Pflegemaßnahmen „vielleicht zu einem Drittel decken“, schätzt Ludwig Krug – ein massives Draufzahlgeschäft für den Bezirk also.

„In einigen Orten des Landkreises müssen wir sogar komplette Waldbereiche abräu- men, nämlich da, wo es sich um Eschen- Reinbestände handelt.“ Marius Benner

Trotzdem ist der Ortstermin im Kirchwald noch einer der angenehmeren für die Forst-

Fachleute. Denn hier wurde in den letzten Jahrzehnten ein stabiler Mischwald aufgebaut. So gab es bisher kaum Borkenkäfer-Schäden, die andere große Forstplage dieser Monate. Zwar wird die Esche im Kirchwald künftig natürlich fehlen, doch schöne Ahorn, Eichen, Kirschen und Buchen trösten ein wenig über diesen Verlust hinweg.

Ein weiterer Baum könnte sogar profitieren. Die Forstarbeiter haben im Kirchwald viele kleine Ulmen gefunden, die in den neu entstehenden Lichtungen gute Wachstumschancen haben. Der Ulme war es vor gut 30 Jahren so ergangen wie der Esche jetzt: Die massenhafte Ausbreitung eines Schädlings, des Ulmensplintkäfers, hatte dazu geführt, dass dieser mächtige Laubbaum praktisch aus unserer Landschaft verschwunden war. Nun also erste Belege, dass er wieder zurückkommt – ein willkommenes Hoffnungszeichen in diesen harten Zeiten für Wald-Liebhaber.

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