Desinfektionsspender und Verschwörungstheoretiker inklusive

Maskenpflicht bei Maria und Josef: OVB-Volontärin bastelt Krippe zur Corona-Pandemie

Die Autorin: Sophia Huber, 22 Jahre, Volontärin bei der Wasserburger Zeitung und leidenschaftlicher Weihnachtsfan
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Die Autorin: Sophia Huber, 22 Jahre, Volontärin bei der Wasserburger Zeitung und leidenschaftlicher Weihnachtsfan
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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In der Weihnachtsgeschichte gibt es keinen Platz in der Herberge für Maria und Josef. Wenn die Geschichte 2020 spiele würde, wären die Herbergen wohl alle geschlossen. Gut, dass immerhin die Krippe unserer OVB-Volontärin Corona-konform ist. Es gibt sogar winzige Desinfektionsspender aus dem 3D-Drucker.

Wasserburg – Der kleine, dreieckige Arm des 3D-Druckers springt mit schnellen Bewegungen auf der Platte herum. Es stinkt nach geschmolzenem Plastik und Spiritus vom Reinigungsmittel des Druckers. Mein Bruder kniet vor dem Tisch und sieht dem Gerät mit kritischem Blick bei der Arbeit zu.

„Ich weiß ja nicht, ob das was wird. Die Halterung ist zu dünn. Ich glaube, das wird brechen.“ Eine halbe Stunde später stellt sich heraus: die Zweifel waren unbegründet. Der Drucker hat seine Arbeit getan und ich halte meinen neuen Mini- Desinfektionsspender in der Hand, Größe: etwa sechs Zentimeter. „Das ist alles so dumm. Ich hoffe, du bist jetzt glücklich“, sagt mein Bruder und verdreht die Augen. Ich grinse. Ja, ich bin glücklich. Denn dieses kleine Plastikteil ist perfekt für meine Figuren. Dem Projekt „Corona-Krippe“ steht damit nichts mehr im Weg.

Ein freundlicher Hirte weist den Weg zum nächsten Desinfektionsspender.

Sie hört Wham! in Dauerschleife

Ich muss gestehen, ich liebe Weihnachten. Ich bin einer dieser Menschen für die „Last Chrismas“ nicht früh und oft genug im Radio laufen kann. Meiner Meinung nach gibt es nichts Schöneres, als bei einem Teller Plätzchen die Weihnachtsstimmung zu genießen.

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Aber auch ich als eingefleischter Weihnachtsfan muss ich einsehen, dass selbst „Wham!“ in Dauerschleife nicht darüber hinweg täuschen kann, wie anders die Adventszeit und die Feiertage dieses Jahr sind. Keine Christkindlmärkte, kein gemütliches Glühweintrinken und vielleicht muss sogar der obligatorische Verwandtenbesuch ausfallen. Es wird ein stilles Weihnachten werden, so viel ist sicher. Aber nur, weil dem so ist, heißt das noch lange nicht, dass ich keinen Spaß an der ganzen Situation haben kann.

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Die Masken näht sie in Handarbeit

Mit dieser Überzeugung habe ich mich vor einigen Wochen hingesetzt und meine Krippenfiguren in feinster, nervenaufreibender Handarbeit mit kleinen Masken ausgestattet. Stoffreste gab es dank mehreren Maskennähaktionen für die eigene Familie ebenfalls genügend.

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Die kleinen Masken brauchen die Besucher Bethlehems auch, denn ein Schild über der Krippe verkündet klar und deutlich: Es herrscht Maskenpflicht bei Maria und Josef. Niemand kommt dieses Jahr ohne Mund-Nasen-Schutz in den Stall. Der neugeborene Jesus muss mit allen Mitteln vor einer Infektion geschützt werden.

Maskenpflicht bei Maria und Josef, in Bethlehem wird die Pandemie sehr ernst genommen. Ohne Mund-Nasen-Schutz kommt niemand in die Nähe des Neugeborenen.

Diese strenge Maßnahme musste der Hirte vorne in der Krippe am eigenen Leib erfahren. Er ist ein querdenkender Verschwörungstheoretiker und wird nun die nächsten Wochen vor dem Feuer schlafen müssen.

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Verstößt gegen Hygieneauflagen: das Plumpsklo

Es gibt aber auch Besucher um Bethlehem, die sich mit aller Kraft für den Infektionsschutz einsetzen. Ein hilfsbereiter Hirte weist den Neuankömmlingen gerne den Weg zum nächsten Desinfektionsständer und klärt über die derzeitigen Vorschriften auf. Auch weist er daraufhin, dass die Toilette derzeit wegen unzureichender Hygiene geschlossen ist: Es handelt sich um ein Plumpsklo ohne Waschbecken.

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In dieser alternativen Erzählung der Weihnachtsgeschichte wird auch klar, warum Jesus überhaupt im Stall geboren wurde: Die Herberge konnte Maria und Josef keine Zuflucht gewähren, da sie zum Schutz aller leider schließen musste. Gut, dass der Stall so gut auf die Pandemie vorbereitet war. Nur, das mit den Kontaktbeschränkungen klappt auch in Bethlehem nicht so ganz, aber da wird vielleicht sogar Markus Söder ein Auge zudrücken, schließlich kommt es nicht jeden Tag vor, dass der Messias geboren wird.

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